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Afrika

"Les Lionnes"- der Stolz der Senegalesen

Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei. Jetzt schlägt die Stunde der anderen Sportarten. Im Senegal sorgt eine Disziplin für Begeisterung und für Erfolge: nämlich Basketball – und zwar der Damen.

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Training der Nachwuchstalente

Dienstagabend im Zentrum von Dakar. In der Nähe der Schule Saint Michel schallen energische Schreie durch die Straßen, Schreie von jungen Frauen. Das ist ungewöhnlich für ein muslimisches Land wie Senegal. Das Gymnasium Saint Michel ist keine gewöhnliche Schule. Denn hier wird nicht nur Französisch oder Mathe trainiert, sondern vor allem Basketball. Saint Michel hat die besten Spieler und Spielerinnen des Landes hervorgebracht. An diesem Abend ist Training für 15 junge Hoffnungsträgerinnen.

Idol Nathalie

Ex-Nationalspielerinnen: Marie-Helène Ndiaye (l.) und Nathalie Sagna (Foto: Klaudia Pape)

Ex-Nationalspielerinnen: Marie-Helène Ndiaye (l.) und Nathalie Sagna

Es ist ein besonderes Training – denn Nathalie Sagna ist zum Anfeuern dazu gekommen. Auch Nathalie ist in Saint Michel zur Schule gegangen. Hier hat sie ihre ersten Dribblings im Basketball getan. Und danach eine rasante Karriere hingelegt. Nathalie kennt heute fast jeder im Land. Bis vor ein paar Jahren war sie Basketball-Nationalspielerin.

Ihr größtes Spiel spielte Nathalie Sagna vor vielen Jahren in Tunesien. Beim Endspiel des Afrikacups warf sie den entscheidenden Korb. Und seitdem ist Nathalie ein Idol für zahllose junge Sportlerinnen im Senegal. Es gebe viele junge Frauen die davon träumten, so zu sein wie sie, sagt die heute alleinerziehende Mutter. "Viele imitieren mich und versuchen, so zu spielen wie ich".

Nationalsport Basketball

Nachwuchs-Spielerin mit Ball (Foto: Klaudia Pape)

Basketball wird in Senegal überall gespielt. In den Straßen auf den Plätzen, in Schulen und Vereinen. Viele Jungen und Mädchen wachsen damit auf und träumen von der großen Karriere. Denn vor allem die Frauenmannschaft des Landes, die Lionnes, die Löwinnen, sind extrem erfolgreich. Über zehn Titel haben sie bei verschiedenen Afrika-Meisterschaften schon geholt. Und die Begeisterung der weiblichen wie männlichen Senegalesen für diesen Sport ist riesig.

Die sportliche Disziplin, die dem Senegal die größten Momente und Freuden beschert habe, sei der Basketball, sagt auch Ex-Nationalspielerin Sadani Thiam. Zwar hätte das Land auch im Fußball ab und zu mal einen großen Sieg errungen. Aber eben nur ab und zu. Im Basketball hingegen sei man kontinuierlich erfolgreich. Basketball, so Thiam "lässt Senegal leben".

Ex-Nationalspielerin: Sadani Thiam (Foto: Klaudia Pape)

Ex-Nationalspielerin: Sadani Thiam

Auch Sadani Thiam hat schon als kleines Mädchen angefangen, Basketball zu spielen. Sie sei in einem Quartier aufgewachsen, in dem das alle getan hätten, erzählt sie. "Für uns Kinder war das die einzige Freizeitbeschäftigung". Und deshalb, fügt sie bescheiden hinzu, sei es normal, dass sie immer perfekter und ihr Hobby zur Berufung wurde. Mit 14 Jahren spielte Sadani Thiam bereits in der Nationalmannschaft.

Traum Europa oder USA

Aber auch Idole wie Nathalie, Sadani oder die aktuellen Spielerinnen haben es nicht leicht im armen westafrikanischen Senegal. Denn leben kann hier keiner vom Basketball. Im Senegal gebe es keinen Profi-Basketball, erklärt Sadani Thiam. Und auch die Regierung unterstütze die Spielerinnen nicht mehr. Deshalb träumt jeder gute Basketballer davon, in Europa zu spielen oder in den USA.

Nachwuchstalente auf der Bank (Foto: Klaudia Pape)

Nachwuchstalente werden gebrieft

Es ist das senegalesische Dilemma: Wer richtig gut ist, geht ins Ausland. Was der Begeisterung für den Basketball keinen Abbruch tut – obwohl oder gerade weil die Damen in dieser Disziplin besser sind als die Herren im von Männern dominierten Senegal. Dem Selbstbewusstsein der Frauen tue das gut, freut sich Ex-Nationalspielerin Marie-Helène Ndiaye. Und sie bringt auch auf den Punkt, wovon das ganze Land träumt: nämlich vom Sieg der Frauen bei einer Basketball-Weltmeisterschaft zum Beispiel im kommenden Herbst: "Warum sollten wir dabei nicht auch mal gewinnen? Wenn Gott uns hilft und die Regierung uns unterstützt - dann können wir das schaffen!"

Autorin: Klaudia Pape

Redaktion: Katrin Ogunsade