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Europa

Lernen von US-Militärs

In der Westukraine haben ukrainisch-amerikanische Militärmanöver begonnen. DW-Korrespondentin Hayina Stadnyk hat auf dem Truppenübungsplatz Jaworiw mit Soldaten über erste Eindrücke gesprochen.

Anton Kowalchuk stammt aus der westukrainischen Stadt Lwiw. Seit mehr als acht Jahren dient er in der US-Armee. Auf dem Truppenübungsplatz Jaworiw in der Region Lwiw ist er aber zum ersten Mal, wie auch die meisten seiner Kollegen. Hier finden seit Montag

ukrainisch-amerikanische Militärmanöver

statt.

Entscheidend für seine Teilnahme an den Übungen seien seine Kenntnisse der ukrainischen Sprache gewesen, berichtet er. "Im Moment ist Übersetzen eine meiner Hauptaufgaben. Wir sind erst einige Tage hier, aber ich merke, dass die Ukrainer den Kontakt suchen. Über die Situation im Osten des Landes sprechen wir auch. Für meine Kollegen sind die ukrainischen Kampferfahrungen in jener Region sehr wichtig," sagt Kowalchuk. Gemeinsam mit ihm dienen in der 173. US-Luftlandebrigade mehrere Männer, die aus der Ukraine stammen. Sie alle sind in die Übungen eingebunden, die in Jaworiw noch bis November dauern werden.

"Keine Probleme im Alltag"

Amerikanischer Soldat Andriy Gordiychuk (Foto: DW/Stadnyk)

Gordiychuk: "Positiv überrascht von Sprachkenntnissen"

Zwischen den US-Militärs und den Ukrainern gebe es keine Probleme - weder im gemeinsamen Alltag noch in der Kommunikation, meint der amerikanische Militärexperte Andriy Gordiychuk: "Ich bin sogar angenehm überrascht über die Fremdsprachenkenntnisse der ukrainischen Soldaten." Noch hätten die Manöver nicht richtig begonnen, deswegen sei es zu früh, über die Qualität der Ausbildung der ukrainischen Soldaten etwas zu sagen.

Von ukrainischer Seite nehmen an den Übungen Soldaten der Nationalgarde teil. Gerade sie stehen in den Regionen Donezk und Luhansk im Kampf gegen die pro-russischen Separatisten an vorderster Front. "Wir werden Erfahrungen austauschen über die individuelle Ausbildung von Kämpfern, über den Umgang mit Waffen, über Tarnung und die Anwendung individueller Schutzmaßnahmen. Geplant sind gemeinsame Übungen mit Gruppen und Einheiten", sagt Gordiychuk.

Militärfahrzeuge auf dem westukrainischen Truppenübungsplatz Jaworiw (Foto: DW/Stadnyk)

Militärfahrzeuge auf dem westukrainischen Truppenübungsplatz Jaworiw

Sprachkurse und elektronische Übersetzungsgeräte

Nach der Planung des ukrainisch-amerikanischen Manövers "Fearless Guardian 2015" sollen rund 900 Mitglieder der Nationalgarde eine Militärschulung durchlaufen. Vor allem sollen Kommandeure lernen, wie Informationsoperationen effektiv durchgeführt werden, wie man mit der lokalen Bevölkerung kooperiert und gegen feindliche Propaganda vorgeht. Zu den wichtigsten Aspekten der Übungen zählen zudem der Umgang mit Artilleriefeuer, taktische Aufklärung, der Schutz von Kontrollpunkten sowie die Neutralisierung feindlicher Sabotagegruppen, aber auch die Räumung von Minen, die Blockade und Neutralisierung des Feindes sowie Erste-Hilfe-Leistungen.

Der stellvertretende Kommandeur der ukrainischen Nationalgarde Mykola Balan (links) und der ukrainische Innenminister Arsen Awakow (Foto: DW/Stadnyk)

Mykola Balan (l.) mit dem ukrainischen Innenminister Arsen Awakow

Die Übungen sind in drei Etappen von jeweils acht Wochen unterteilt, erläutert der Kommandeur der ukrainischen Nationalgarde, Generalleutnant Mykola Balan. "Erst werden reguläre Einheiten ausgebildet, und zwar die Einheiten 'Gepard' und 'Jaguar'. Die Freiwilligen-Verbände, die Teil der Nationalgarde geworden sind, kommen bei den nächsten Etappen an die Reihe", fügt er hinzu. Laut Balan haben die Amerikaner die Kosten übernommen. Ihnen sei wichtig, dass sich Soldaten an den Übungen beteiligen, die schon im Osten der Ukraine gekämpft haben. "Fast 80 Prozent der Soldaten, die jetzt auf dem Truppenübungsplatz sind, waren an vorderster Front in den Regionen Donezk und Luhansk im Einsatz", sagt Balan.

Um ein optimales Ergebnis bei den Übungen zu erreichen, muss eine enge Kommunikation auf der Ebene der Soldaten gewährleistet werden, erklärt der Generalleutnant. "Bei den jetzigen Übungen wird es keine Sprachbarrieren geben, da die Jungs Sprachkurse besucht haben und mit elektronischen Übersetzungsgeräten ausgestattet sind. Außerdem setzen die Amerikaner ihr ukrainischsprachiges Kontingent ein", betont der Kommandeur der Nationalgarde.

Ausbildungsmethoden der Nationalgarde veraltet

"Vom Frühsport bis zu den Abendaktivitäten sind alle zusammen", sagt der Kommandeur einer Untereinheit der ukrainischen Jaguar-Truppe, Wadym Perepytschka. "Wir essen im selben Speisesaal, die Amerikaner mögen die ukrainische Küche, vor allem die traditionelle Suppe Borschtsch. In der Freizeit spielen wir bei gutem Wetter oft Volleyball oder Fußball."

Unter Perepytschkas Kommando stehen 105 Männer von der Jaguar-Truppe. Sie alle waren bis zu einem Jahr in der Kampfzone im Osten der Ukraine im Einsatz. Er hofft, dass von nun an amerikanische Ausbildungserfahrungen übernommen werden: Denn die Methoden, die die Nationalgarde noch heute einsetzt, sind aus seiner Sicht veraltet.

Ukrainische und US-Soldaten bei der Eröffnungsfeier der Militärübung (Foto: DW/Stadnyk)

Ukrainische und US-Soldaten bei der Eröffnung der Militärübung

Chance auf Modernisierung der Armee

"Diese Übungen wurden weniger wegen des Krieges im Osten des Landes organisiert, sondern vielmehr wegen des Aufbaus einer neuen Armee", erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bei der Eröffnung der Manöver. Noch vor einem halben Jahr seien sie wegen Korruption in der Armee und der weit verbreiteten Spionage für den russischen Geheimdienst FSB unmöglich gewesen. "Damals haben uns internationale Partner nicht vertraut, aber jetzt hat sich alles geändert, wir haben in der Armee aufgeräumt und man kann ihr inzwischen Technologien und Waffen zur Verteidigung geben", betonte Poroschenko.

Innenminister Arsen Awakow kündigte an, dass die von den Amerikanern bei den gemeinsamen Übungen eingesetzte Kommunikationsausrüstung anschließend bei der ukrainischen Nationalgarde bleiben werde. Dabei handelt es sich um 30 mobile Funkstationen, tragbare individuelle Funksysteme, aber auch um hundert Nachtsichtgeräte, Schutzkleidung, Helme, kugelsichere Westen und Kleidung für mehr als 700 Soldaten. "Aber einen Krieg gewinnt man nicht mit Waffen, sondern mit Fähigkeiten, deswegen steht die Ausbildung im Vordergrund", betonte Awakow. Acht Wochen Training seien nach Einschätzung von Experten optimal für einen Erfahrungsaustausch, so der Minister.

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