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Wissen & Umwelt

Lernen von pflanzlichen Überlebenskünstlern

Im Himalaya wachsen Pflanzen, die extreme Kälte und Trockenheit aushalten. Forscher aus Jülich testen, ob die Gene dieser Überlebenskünstler auch Nutzpflanzen robuster machen können und sie für den Klimawandel wappnen.

Eine Laborpflanze wird von einem Forscher mit blauen Handschuhen genetisch modifiziert (Foto: DW)

In die Pflanze werden Fremd-Gene eingeschleust

Es ist eine produktive Zusammenarbeit: Indische Forscher vom Institute for Himalayan Bioresource Technology (IHBT) entdeckten beim Fingerkraut (Potentilla) Gene, die es widerstandsfähig machen gegen Trockenheit. Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich möchten diese Gene nutzen. Das Erbgut haben sie bereits in die Laborpflanze Arabidopsis Thaliana übertragen. Jetzt geht es darum, das Wachstum der gentechnisch veränderten Pflanzen genau zu analysieren.

Turbo-Pflanzenzucht dank Grüner Gentechnik

Zwei Forscher in einem Labor in Indien (Foto: DW)

Forschen und lehren im Himalaya

"Bei uns würde das ein ganzes Leben dauern", meint der Pflanzenphysiologe Sanjay Kumar vom IHBT in Indien, der das Trockentoleranz-Gen entdeckt hat. "Bisher haben wir die Pflanzen regelmäßig geerntet und dann das Wachstum gemessen. Aber in Jülich können sie mit ihren Technologien die Pflanzen präzise untersuchen, ohne sie zu zerstören. So wird die gesamte Forschung beschleunigt", sagt Kumar in Bezug auf die Möglichkeiten der Gentechnik.

Der nächste Schritt wird sein, die Eigenschaften der Überlebenskünstler aus dem Himalaya auch auf Nutzpflanzen zu übertragen. Baumwolle und Raps sollen dann beispielsweise Trockenheit besser aushalten und deutlich weniger Wasser verbrauchen als bisher. "Trockenheit reduziert jetzt schon Ernteerträge dramatisch. Im Rahmen des Klimawandels kann das nur schlimmer werden", sagt die Biologin Anika Wiese-Klinkenberg, die auf deutscher Seite das Projekt leitet.

Komplexes Ökosystem

Es wird noch Jahre dauern, bevor solche robusteren, gentechnisch veränderten Nutzpflanzen auf den Markt kommen. Aber für das Forschungszentrum Jülich ist die Kooperation mit Indien schon jetzt ein Gewinn.

Gentechnisch veränderte Alfalfa-Keimlinge (Foto: picture-alliance/dpa)

Robustere Pflanzen - gentechnisch veränderte Keimlinge (links) und die Wildform (rechts)

"Dieses Projekt ist ein besonders schönes Beispiel dafür, wie man Grundlagenforschung mit angewandter Forschung verbinden kann", sagt Uli Schurr, Direktor des Instituts für Pflanzenwissenschaft in Jülich. "Wir fangen gerade erst an zu verstehen, wie die verschiedenen Pflanzensysteme im Himalaya funktionieren und wie sie die Situation dort aushalten."

Autorin: Sonia Phalnikar
Redaktion: Judith Hartl/ Nicole Scherschun

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