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Kultur

Lernen für den Neuanfang - Berufsbildung in Afghanistan

Ausbildung - das hieß für junge Afghanen lange: Lernen, ein Gewehr zu laden und mit dem ersten Schuss zu treffen. Seit Dezember 2001 herrscht offiziell Frieden und die Kriegskinder wollen einen richtigen Beruf erlernen.

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Vom Soldaten zum Maurer

Assam hat nur ein Bein. Das andere hat er im Krieg verloren, zusammen mit seiner Kindheit. Sechs Jahre lang hat er gekämpft. Jetzt hat er sein Gewehr gegen eine Stoffschere eingetauscht. Assam macht eine Lehre als Schneider - "da kann ich wenigstens sitzen", sagt er. Ehemalige Soldaten wie Assam sind nie zur Schule gegangen. Jahrzehnte lang war der Krieg der tägliche Lehrmeister der Afghanen. Bis heute können 70 Prozent der Männer nicht lesen oder schreiben.

Friedenswerkzeug

Dafür, dass die Kämpfer von gestern in Friedenszeiten überleben und dazugehören, engagiert sich zum Beispiel die Arbeitsgruppe Entwicklung und Fachkräfte (AGEF) in Kabul. Die deutsche Organisation hat ein Trainingszentrum gegründet, wo Ex-Soldaten tischlern, schneidern oder fräsen lernen. Die Trainer um Roland Mayerhofer legen Wert darauf, dicht an der Nachfrage auszubilden: "es macht keinen Sinn, zum Beispiel im Metallbereich eine ganz moderne Fräsmaschine aufzustellen, und jemanden daran ein halbes Jahr auszubilden, wenn wir genau wissen, dass es nicht einen einzigen Betrieb in Afghanistan gibt, der so eine Fräsmaschine hat", sagt Mayerhofer. Der AGEF-Trainer versucht, eng mit lokalen Ausbildungsbetrieben zusammen zu arbeiten. 100 Dollar zahlt die Organisation an Betriebe, die Ex-Soldaten ein halbes Jahr lang ausbilden.

Zwischen Notstand und Wildwuchs

"Die Motivation der jungen Menschen ist unglaublich hoch", sagt Hans Dube von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Kabul. Aber man müsse auch sehen, "dass aufgrund der mangelnden Vorkenntnisse die Ergebnisse von Berufsausbildung noch sehr, sehr schwach sind." Besonders schlecht steht es um die Berufsausbildung in der Provinz, vor allem im Süden von Afghanistan. Hier täten sich private Betriebe schwer, in Ausbildung zu investieren, beobachtet Dube. Aus Angst, der Staat würde ihnen jeden finanziellen Vorteil wieder wegnehmen, engagieren sie sich erst gar nicht. Ganz anders in der Hauptstadt Kabul: dort bilden viele internationale und afghanische NGO’s und sowohl staatliche als auch private Initiativen aus. Aber sie arbeiten "nebeneinander, nicht miteinander", findet Roland Mayerhofer. Er sehnt sich nach einheitlicheren Ausbildungsstandards, die festlegen, wann eine Organisation ausbilden darf.

Verschleierte Frauen lernen ...

Afghanistan - Lebensalltag in Kabul mit Thumbnail

Ausbildung: für Frauen ein seltener Luxus

Zainab konzentriert sich, die Nadel der Nähmaschine ganz gerade an der Nahtkante entlang zu führen. Dicht gedrängt zwischen anderen verschleierten Frauen sitzt sie in einem Klassenraum des Berufsausbildungszentrums für afghanische Frauen in Kabul. Es ist einer der seltenen Orte, wo Frauen lernen können, und dürfen. Die Schneiderkurse dauern nur anderthalb Stunden am Tag und lassen den Frauen genug Raum, auch die Hausarbeit und die Kindererziehung zu erledigen – so wie es die Gesellschaft von ihnen erwartet. Zainab ist Mutter von sechs Kindern und seit anderthalb Jahren Witwe. "Jetzt bin ich hier, um das Schneidern zu lernen, damit ich meine Familie versorgen kann", sagt sie. Umgerechnet acht Dollar am Tag kann eine schnelle, ausgebildete Näherin im Berufszentrum verdienen. In Afghanistan ist das ein gutes Einkommen.

... Nähen für den Westen

Zainab ist mit der sechsmonatigen Ausbildung noch nicht fertig und bekommt noch keinen Lohn. Aber im Arbeitsraum eine Etage über ihr sticken ausgebildete Näherinnen Perlen und Pailletten auf Baumwollkleider. Die Rohschnitte der Kleider hat Sarah Takesh gebracht. Sie arbeitet für ein amerikanisches Kleider-Label und versorgt das Berufsausbildungszentrum schon seit zwei Jahren regelmäßig mit Aufträgen. Sarah Takesh schätzt es, dass Ausbildungschef Nasrullah Ramadi ihr erlaubt, mit den Frauen direkt zu verhandeln. "Er ist kein korrupter Mittelsmann, der seinen Anteil einfordert", sagt sie. Takesh bezahlt die Näherinnen direkt: "ich gebe ihnen jeden Tag Geld in die Hand." Das ist noch nicht Alltag in dem Land am Hindukusch. Aber ein Schritt Richtung Neuanfang.

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