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Fußball

Leonardos Fußball-Wunderland

Koffer mit Bargeld, unglaubliche Gehälter, hohe Ziele - bei Paris St. Germain haben Scheichs aus Katar das Sagen. Mit ihrem Geld kauft Sportdirektor Leonardo Stars zusammen. Kritiker schütteln den Kopf.

Den Job von Leonardo Nascimento de Araújo - kurz Leonardo genannt - muss man sich im Moment ziemlich angenehm vorstellen. Im Sommer konnte er wieder ausgiebig der Lieblingsbeschäftigung aller Sportdirektoren frönen: dem Spielershopping. Und dabei musste der Verantwortliche von Paris St. Germain (PSG) gar nicht mühsam verborgene Talente mit einem ausgefeilten Scoutingsystem suchen. Nein, er kaufte einfach von den obersten Rängen der Fußball-Nahrungskette: Thiago Silva für knapp 40 Millionen Euro, Zlatan Ibrahimovic für 22 Millionen oder Ezequiel Lavezzi für 26 Millionen.

Das solche Summen nicht nur abstrakte Zahlen sind, sondern in echt einiges wiegen, dürfte Leonardo in seiner Heimat Brasilien bemerkt haben. "Die Ablösesumme von 108 Millionen Reais (43 Millionen Euro) wurde in bar bezahlt", erklärte der Vize-Präsident des FC São Paulo nach dem Verkauf von Mittelfeldtalent Lucas Moura. Der 20-Jährige wird ab Januar für PSG auflaufen. Insgesamt hat Leonardo in dieser Transferperiode schon gigantische 147 Millionen Euro investiert, fast anderthalb mal soviel wie der Zweitplatzierte in dieser Statistik, der FC Chelsea.  

Thiago Silva beim Training bei Paris St. Germain (Foto: dapd)

Mit rund 40 Millionen Euro nur der zweitteuerste Neuzugang in Paris: Thiago Silva

Geldflut gegen Titel-Durststrecke

Möglich macht diesen Transferwahnsinn das Kapital der "Quatar Investment Group", die den klammen französischen Club im vergangenen Jahr aufkaufte. Die arabischen Scheichs wollen mit dem Club ganz nach oben im Weltfußball. "Natürlich wollen wir eines Tages die Champions League gewinnen. Doch wir sind auch realistisch und wissen, dass dies Zeit brauchen wird", sagt Nasser Ghanim Al-Khelaifi, Vertreter der Investoren und Präsident von PSG. "Erst wollen wir zeigen, dass wir der beste Club in Frankreich sind." Die erste Meisterschaft seit 18 Jahren, darauf warten die Fans in Paris. Doch der Saisonstart lief stotternd. Mit sechs Punkten nach vier Spielen steht PSG nur auf Rang acht. Startrainer Carlo Ancelotti, von Leonardo im Frühjahr nach Paris gelotst, gibt sich dennoch selbstbewusst. "Es liegt an uns, die richtige Balance auf dem Platz zu finden", sagte er und betonte noch einmal das Ziel "Meisterschaft".

Leonardos "Projekt"

Ancelotti war auch wichtig klar zu stellen, dass er nicht des Geldes wegen unterschrieben habe, sondern weil er Teil dieses Projekts sein wollte. Das kann man glauben, muss man aber nicht. Genausowenig wie die gleichlautenden Beteuerungen von Zlatan Ibrahimovic. Sein von Leonardo eingefädelter neuer Vertrag bei PSG bringt ihm einen Jahresverdienst von mehr als 14 Millionen Euro netto. Damit verdient er deutlich mehr als Weltfußballer Lionel Messi vom FC Barcelona. Solche Summen lösen anderswo Kopfschütteln aus. Roselyne Bachelot, ehemalige Sportministerin Frankreichs, war richtig in Rage: "Ich bin empört, ja fast angewidert von diesen absolut unglaublichen Löhnen. Unsere kleinen Clubs müssen dagegen ums Überleben kämpfen." Ähnlich verärgert ist Christian Gourcuff, Trainer des Ligakonkurrenten FC Lorient. Er sprach mit Blick auf PSG von einer "Bedrohung für die Fußballwelt".

Karl-Heinz Rummenigge spricht bei einer Pressekonferenz (Foto: dpa)

"Absurde Verhältnisse" beklagt Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf Paris St. Germain

Das Wirken von Leonardo und seinen arabischen Geldgebern ist auch den Verantwortlichen der Bundesliga ein Dorn im Auge. "Wenn ich das Gehalt von Ibrahimovic sehe, wird mir fast schlecht", gab FC Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu Protokoll und rief nach Sanktionen durch die UEFA. Auch Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga hofft, dass die neuen Regeln des Financial Fair Play der UEFA solche Exzesse eindämmen. "Manchester City und Paris St. Germain sind zwei Kandidaten die mit einem Anruf der UEFA rechnen müssen", unterstreicht Seifert, "zu wünschen wäre es, sonst hätte man es lassen können".

Staatspräsident Hollande als Spielverderber ?

Der europäische Verband will die Bilanzen der Clubs 2013 erstmals prüfen. Vielleicht hatte es Leonardo mit dem Aufkauf seines Starensembles deshalb so eilig. So schlagen die horrenden Transferausgaben nicht mehr so sehr zu Buche. Was bleibt sind die astronomischen Gehälter. Und da erweist sich Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande als möglicher Spielverderber. Der Sozialist will jetzt sein Wahlversprechen in die Tat umsetzen und für Gehälter ab einer Million Euro pro Jahr einen Spitzensteuersatz in Höhe von 75 Prozent einführen. Das wäre schmerzhaft für Ibrahimovic und viele weitere Spitzenverdiener in der französischen Ligue 1.

Doch Strippenzieher Leonardo und seine arabischen Investoren haben auch für diesen Fall schon Unterstützung zugesagt. Sie würden die Steuerzahlung übernehmen. Ibrahimovic kann also getrost mit seinem Netto planen und sich aufs Tore schießen konzentrieren. Am Freitag (14.09.2012) empfängt Paris St. Germain den FC Toulouse. Ein Sieg muss her, sonst hat Tabellenführer Olympique Marseille vielleicht schon neun Punkte Vorsprung. Und so viel ist klar: Sollte es mit dem Meistertitel in dieser Saison nicht klappen, würde der Job von Leonardo wohl sehr schnell sehr unangenehm werden.