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Pressemitteilungen

Leonardo Boff: 'Popetown' steht für Verfall der westlichen Kultur

Katholischer Theologe im Interview von DW-WORLD.DE

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"Ein ernsthafter Dialog muss die Gemeinsamkeiten hervorheben und nicht die Unterschiede": Leonardo Boff

"Ich denke, solche Phänomene zeigen, wie weit der Verfall der westlichen Kultur bereits fortgeschritten ist. Die Gesellschaft muss Selbstkritik üben und sich fragen, wo die Grenzen sind. Wenn diese Grenzen überschritten werden, sind wir nah dran am Bruch des sozialen Zusammenhalts." Das sagte der katholische Theologe und Hauptvertreter der Befreiungstheologie, Leonardo Boff (Brasilien), in einem Interview von DW-WORLD.DE. In Zusammenhang mit der umstrittenen Vatikan-Satire "Popetown", deren Start der Privatsender MTV für den 3. Mai 2006 angekündigt hat, bezeichnete Boff es als "äußerst geschmacklos, Satire über den Papst und den Vatikan zu produzieren, weil dies den Glauben von Millionen Katholiken beleidigt". Satire habe ihren Platz in der Gesellschaft, "aber alles hat Grenzen, besonders wenn Satire Werte und Symbole betrifft, die das Heilige darstellen wie Mohammed, den Papst oder andere religiöse Oberhäupter".

Mit Blick auf den Dialog der Kulturen forderte Boff, "ein ernsthafter Dialog muss die Gemeinsamkeiten hervorheben und nicht die Unterschiede". Es habe schon immer einen Kampf um die kulturelle und militärische Vorherrschaft zwischen der muslimischen und der christlichen Welt gegeben. Boff: "Der Grundton ist nicht der Dialog, sondern der Konflikt, die Demoralisierung, der Krieg. Heute erkennt man aber, dass man mit dieser Tradition brechen muss." Der Dialog müsse in Europa auf nationaler Ebene beginnen. Die Kolonialmächte hätten etwa den Orient in der Vergangenheit ihren ökonomischen Interessen untergeordnet. Angesichts der in Europa lebenden Afrikaner, Araber und Türken komme es nun zum "Test, um zu sehen, wie viel Unterschied der europäische Magen verträgt. Die Herausforderung für Europa ist, sich zu öffnen und zu zeigen, dass es keine versteinerte Kultur ist, sondern sich vom Unterschied bereichern lassen kann im gegenseitigen Respekt", so Boff in der Deutschen Welle. Es gelte, "minimale Regeln, eine Minimalethik des Zusammenlebens festzulegen".

Der Träger des Alternativen Nobelpreises würdigte Papst Benedikt XVI., einen seiner Doktorväter. Der Papst habe mit dem Besuch einer muslimischen Moschee in Rom "eine bedeutende Geste gezeigt und eine Initiative der markroökumenischen Begegnung angestoßen". Boff: "Der religiöse Frieden muss als Basis für den politischen Frieden, für den Weltfrieden dienen."
25. April 2006
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