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Deutschlandtour

Lenggries – Fliegen! Ein Selbstversuch

Bunte Schirme am blauen Himmel: In Oberbayern – am Brauneck – kann man bei gutem Wetter zahlreiche Gleitschirme beobachten. DW-Reporter Andreas Kirchhoff wollte nicht nur zuschauen, sondern fliegen.

Tandemgleitschirmfliegen in Oberbayern (Foto: Andreas Kirchhoff/DW)

Über den Gipfeln ist Ruh'

Ob ich denn eine Vorstellung davon habe, worauf es ankommt, hatte mich die erfahrene Gleitschirmfliegerin gefragt, als wir uns unter der Nachmittagssonne in Lenggries an der Isar getroffen hatten. Renate Schatzl, eine sportliche Tandempilotin und Fluglehrerin Ende 40, wollte wissen, mit wem sie es zu tun hatte.

Man müsse sich einfach überwinden, einfach loslaufen – in den Abgrund, hatte ich geantwortet. Das mit dem Abgrund hat Renate Schatzl nicht so gerne gehört. Sie versuchte, mich zu beruhigen. Es sei eine flache Wiese von der wir starten würden.

Ja, ich sei schwindelfrei und Angst habe ich eigentlich auch nicht. Na ja, was ein Tourist halt so sagt, um sich und seine Flugbegleiterin zu beruhigen. In der Gondel, auf dem Weg zum Startplatz am 1555 Meter hohen Brauneck. Neben uns zwei Rucksäcke. In einem musste sich das dünne Tuch verbergen, das uns als Gleitschirm wieder ins Tal bringen sollte.

Vor dem Absprung

Von der Bergstation sind es noch zehn Minuten zu Fuß. Einatmen, ausatmen, die Luft wird dünner. Oder ist es das Gewicht des Gleitschirms? Zehn Kilogramm. Vielleicht ist es doch kein so dünnes Tuch.

Die Pilotin Renate Schatzl schaut, woher der Wind weht (Foto: Andreas Kirchhoff/DW)

Woher kommt der Wind?

Zwischen den Gipfeln ziehen schon andere ihre Kreise, schwebend, lautlos. Renate Schatzl breitet unseren Schirm auf dem Boden aus und sortiert die dünnen Schnüre. Ich werde mit einem Sitz und Rückenprotektor vergurtet und bekomme einen Schutzhelm. Auf dem Rücken meiner Pilotin, der Rettungsfallschirm. Vor uns hebt wieder einer ab.

"Wenn ich sage lauf, Andi, dann musst du in diese Richtung laufen!", sagt Renate und zeigt nach unten. Jetzt sind wir schon beim Du. Ich verstehe, klare Ansagen sind wichtig. Und ja, der Startplatz ist eine Wiese, aber kurz dahinter gähnt der Abgrund. Ich hatte doch recht.

Der Reporter mit Helm und Videokamera (Foto: Andreas Kirchhoff/DW)

Mit Schutzhelm und Videokamera vor dem Start

"Lauf, lauf, lauf, Andi lauf!", ruft es hinter mir. Und plötzlich ruckt es, der Schirm geht auf, ich strample ins Leere und dann hängen wir in der Luft. So ist das also, Fliegen. Zwischen Sonne und Erde. Der Wind pfeift. Jetzt könne ich mich richtig entspannen, es mir im Sitz bequem machen. Unter uns Lenggries, die Isar und in der Ferne eine große Wasserfläche, der Starnberger See. "Alles ok?", fragt Renate.

Das mit der Entspannung ist leichter gesagt als getan. Ich versuche, mich am Panorama zu erfreuen, aber der Schirm zieht nach links und mich drückt es kräftig auf die andere Seite. Wie war das noch mit der Fliehkraft und der Trägheit? Mir wird flau. Gut, dass ich kurz vorher nicht noch etwas gegessen hatte.

Die Bilder im Kopf

Zeit für eine Ablenkung. Renate hat eine kleine Kamera vom Helm genommen und reicht sie mir. "Mach mal ein paar Aufnahmen von uns und dem Schirm, das wird eine schöne Erinnerung!" Solche Videobilder hatte ich vorher schon gesehen und vielleicht waren sie ja sogar der Grund für dieses Abenteuer.

Jetzt also lächeln, schauen. Da, die Sonne und über uns der Schirm. Ich wusste auch schon, welche Musik ich unter die Bilder legen würde. Irgendetwas Schwebendes, irgendwas mit Paradies vielleicht. Mensch, ich fliege!

Reporter und Tandemgleitschirmfliegerin Renate Schatzl in der Luft (Foto: Andreas Kirchhoff/DW)

Lächeln und Schweben unter der Sonne Oberbayerns

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die Uhr sagt 15 Minuten, fragt Renate, ob ich bereit sei für die Landung. Klar, nichts lieber als das. Schiebe mich vom Sitz und lasse meine Beine nach unten hängen. Endlich wieder laufen. Noch wenige Meter bis zu Wiese in der Nähe der Talstation. Aber irgendwie wollen die Beine dann doch noch nicht. Etwas unbeholfen plumpse ich auf den Boden.

Alles noch mal gut gegangen

"Toll, das hast du toll gemacht, Andi!" Es geht mir auch schon wieder besser. Mein Hände zittern, Adrenalin. "Nein, wirklich, das war ein guter Flug", bekräftigt Renate. Und erzählt von einem Kameramann, der wegen der schönen Aufnahmen eine Stunde lang mit ihr im Gleitschirm mitfliegen musste. Der habe sich dann kurz vor der Landung übergeben müssen. Eine schöne Sauerei. Ihre Ausrüstung musste danach in die Reinigung.

Und, kann man das empfehlen, so einen Tandemgleitschirmflug? Wenn man auch das Karussell fahren genießen kann, hat man mehr davon. 120 Euro kostet das Vergnügen. Und darin ist auch die Speicherkarte enthalten, mit dem Video vom Flug. Als ich mir, wieder zu Hause, die Aufnahmen angeschaut und mit Musik unterlegt hatte, dachte ich: ja ich habe alles richtig gemacht.

Einmal Fliegen ist schon schön!

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