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Fußball

Leistungszentren als Erfolgsmodell

Seit zehn Jahren müssen die 36 deutschen Proficlubs Leistungszentren betreiben. Mehr als 600 Millionen Euro wurden bisher investiert. Ligaverband und Deutsche Fußball Liga haben jetzt eine positive Bilanz gezogen.

Die deutschen Nationalspieler Jerome Boateng (li.), Marko Marin und Mesut Oezil (r.) (Foto: AP)

Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes (Foto: DW)

Liga-Präsident Rauball

Bei der WM 2010 in Südafrika begeisterte die junge deutsche Nationalmannschaft um Mesut Özil mit erfrischendem Offensivfußball. In der Bundesliga strebt Borussia Dortmund mit Jung-Profis wie Mario Götze und Mats Hummels souverän dem Titel entgegen. Und in der internationalen Fünf-Jahres-Wertung kann die Liga ab der Saison 2012/2013 wieder drei direkte Champions-League-Starter stellen. Entwicklungen, die auch auf konsequente Nachwuchsarbeit zurückzuführen sind. "Wir konnten unter Beweis stellen, dass zehn Jahre Jugend-Leistungszentren und die Förderung der Nachwuchsarbeit eine Erfolgsgeschichte sind", bilanzierte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Die Leistungszentren waren vor zehn Jahren im deutschen Profi-Fußball verpflichtend eingeführt worden. Ausschlaggebend war der verkorkste Auftritt der DFB-Elf bei der EURO 2000 in Belgien und den Niederlanden. "Der Tiefpunkt war in der Tat mit der Europameisterschaft im Jahr 2000 erreicht, als wir in der Vorrunde kläglich ausschieden und lediglich einen Punkt holten bei 1:5 Toren", sagte Rauball.

Beste Nachwuchsarbeit Europas

Nationalspieler Thomas Müller freut sich (Foto: AP)

Nachwuchsstar Thomas Müller

In der Eliteförderung ist Deutschland mittlerweile an den einstigen Vorbildern Frankreich und den Niederlanden vorbeigezogen. So zeichnete die Europäische Fußball-Union (UEFA) die deutsche Nachwuchsarbeit als beste des Kontinents aus. Inzwischen stammen 275 der derzeit 525 Bundesliga-Spieler (52,4 Prozent) aus den Nachwuchs-Einrichtungen. Der Altersdurchschnitt der Erstligaprofis ist von 27,09 Jahren in der Saison 2001/02 auf derzeit 25,77 Jahre gesunken. Insgesamt investierten die Clubs bis heute mehr als 600 Millionen Euro in die Leistungszentren. Dort sind aktuell rund 5400 Spieler aktiv - knapp 40 Prozent davon sind Ausländer oder haben einen Migrationshintergrund.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, betonte, dass ohne die Eliteförderung auch die jüngsten "Erfolge der Nationalmannschaft nicht denkbar" gewesen wären. "Im Wesentlichen dank der Leistungszentren gibt es heute mehr und besser ausgebildete junge Spieler als je zuvor", sagte Seifert. "Aus diesem Reservoir schöpft der DFB. Deshalb hat die Nationalmannschaft künftig auch wieder eine echte Chance, Titel zu gewinnen." Von den 22 Nationalspielern, die Bundestrainer Joachim Löw für die jüngsten Länderspiele gegen Kasachstan und Australien zusammenholte, wurden 20 in den Leistungszentren ausgebildet.

Talentschmiede Mönchengladbach

Trikots erfolgreicher Spieler aus dem Leistungszentrum von Borussia Mönchengldabach (Foto: DW)

Gladbacher Trikot-Galerie

Auch wenn es in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach derzeit schlecht läuft, so hat das Leistungszentrum im Borussia-Park dennoch Vorbildcharakter. Aus der Talentschmiede der Borussia stammen etwa die Profis Marco Reus, Marko Marin, Marvin Compper, Eugen Polanski und Marcel Jansen. "Wir haben alles unter einem Dach: Trainingsplätze, Wohnen und Verwaltung. Und die Schule ist nur fünf Fahrminuten entfernt, sodass das Zeitmanagement bei den Jugendlichen relativ gestrafft ist", erläutert Nachwuchsdirektor Roland Virkus das Konzept. Die Nachwuchsspieler wohnen teilweise direkt im Stadionkomplex, erwünscht ist die unmittelbare Nähe zu den Profis. "Mangelnde Kommunikation ist oftmals ein großes Problem. Wir wollen, dass unsere Jugendspieler mit den Profis kommunizieren, damit sie auch schon sehen, welche Probleme auftreten können."

"Schon Zwölfjährige werden abgeworben"

Doch es gibt auch Probleme: Schon die Jüngsten werden abgeworben oder von Beratern angeworben. "Heute diskutieren wir bereits über den Zwölfjährigen, der auch schon über die Landesgrenzen verpflichtet wurde. Das hat Auswüchse angenommen", kritisiert Andreas Rettig, Manager des Zweitligisten FC Augsburg. "Wir lassen uns in den Vereinen zu sehr treiben, weil jeder natürlich denkt: Oh, wenn ich jetzt nicht der Erste bin, dann ist es der andere und dann ist der junge Spieler weg". Die Tendenz sei einfach alarmierend, sagte Rettig, der auch Vorsitzender der DFL-Kommission Leistungszentren ist.

Jüngst erst hatte Hertha BSC allen Scouts von 1899 Hoffenheim in Berlin Stadionverbot erteilt und sich bei der DFL über Abwerbepraktiken des Erstligisten beschwert. "Wir müssen dieses Thema durchaus anfassen und schauen, welche rechtlichen Möglichkeiten da bestehen. Aber ich halte eine Koalition der Vernunft für sinnvoll, um diese exzessiven Dinge, die uns nicht gefallen, auch in Zukunft zu verhindern", fordert Liga-Präsident Rauball.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Stefan Nestler