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Welt

Leise Worte und stille Gesten

Nur knapp 72 Stunden dauerte die Nahostreise von Papst Franziskus. Der Trip nach Amman, Bethlehem und Jerusalem war ein schwieriger Balanceakt, um den vielen unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden.

Es werden wohl die symbolisch starken Bilder und die spontanen Gesten sein, die von seiner Reise in Nahost in Erinnerung bleiben. Kaum mehr als 72 Stunden war Papst Franziskus zu Gast in Jordanien, im "Staat Palästina" und in Israel. Der Dialog der Religionen, vor allem mit Juden und Muslimen, das ist das große Thema seines letzten Teils der Reise in Jerusalem. Nicht umsonst ist er selbst mit zwei alten Freunden aus Buenos Aires angereist, dem Rabbiner Abraham Skorka und dem Imam Omar Abboud.

Franziskus trifft den richtigen Ton, auf einer schwierigen Reise durch ein politisches Minenfeld, auf der jedes Wort und jede Geste genauestens beobachtet werden. Und auch am letzten Reisetag fiel er wieder auf mit seinen "außerplanmäßigen" Gesten, die den minutiös vorgeplanten Besuch so unkonventionell machten.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Das kam auch bei den Besuchern in Jerusalem gut an, allerdings war hier auch Enttäuschung zu spüren. Denn zu sehen bekamen ihn, den Papst, der so gerne die Begegnung mit den "einfachen" Menschen sucht, nur die wenigsten. Die sonst so geschäftige Altstadt vom Jaffa-Tor bis zu den christlichen Stätten war zeitweise abgesperrt. "Wir hätten ihm gerne 'hallo' gesagt", meinte ein junger Palästinenser, der in der Altstadt wohnt. "Aber wir wurden gar nicht erst in die Nähe gelassen."

Papstbesuch an der Klagemauer 26.05.2014 (Foto: reuters)

Papst an der Klagemauer

Ein Großaufgebot von rund 8000 israelischen Sicherheitskräften wachte darüber, dass es keine Störungen im Besuchsprogramm des Papstes gab. Im Vorfeld waren antichristliche Graffiti an mehrere christliche Stätten gesprüht worden. Die Sorge war groß, dass jüdische Extremisten auch während des Papstbesuchs die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten. Ein Bad in der Menge - in Jerusalem ausgeschlossen. "Ich wollte ihn an der Klagemauer sehen, aber es ging nicht. Das war sehr schade", sagte Ann Campell aus Tel Aviv. "Stattdessen habe ich ihn im Fernsehen angeschaut, und er hat mich als bescheidener Mann beeindruckt, einer, der Frieden zwischen den Menschen stiften will."

Reise mit spontanen Gesten

Eines der stärksten Bilder des Tages entstand an der jüdischen Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt. Hier verweilte der Papst einige Momente im stillen Gebet, mit geneigtem Kopf und der rechten Hand auf den Steinen. Ganz so, wie an der Mauer in Bethlehem, die er am Sonntag spontan besuchte. Überraschend fällt er danach seinen beiden Reisebegleitern und Freunden in die Arme: Dem jüdischen Rabbiner Skorka und dem muslimischen Imam Abboud - eine Umarmung vor der jüdischen Klagemauer, an einem politisch wie religiös sensiblen Ort.

Am frühen Morgen hatte er den Jerusalemer Großmufti Mohammed Hussein und andere islamische Gelehrte auf dem für Muslime heiligen Haram Al-Sharif, dem Tempelberg, getroffen. Franziskus erinnerte in seiner Ansprache dort an Abraham als den gemeinsamen Vater von Juden, Christen und Muslimen und sprach von "Brüdern und Schwestern". Gleichzeitig mahnte er, niemand dürfe im "Namen Gottes zu Gewalt" aufrufen.

Papst Franz in Jerusalem mit Großmufti (Foto: reuters)

Treffen mit dem Großmufti in Jerusalem

Dann ging es weiter nach Westjerusalem. Auch hier wieder ein kurzer außerplanmäßiger Stopp am Denkmal für israelische Terroropfer auf dem Mount Herzl.

Eindringliche Rede in Yad Vashem

In Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte, stand Franziskus lange im Gebet vor dem Gedenkstein, unter dem die Asche von Opfern des Nazi-Regimes liegt. Er traf dort auch sechs Überlebende der Shoah, küsste ihre Hände und hörte sich ihr Schicksal an. In seiner Ansprache rief er wiederholt die Frage: "Adam, wo bist Du?" - und erinnerte eindrücklich daran, welchen Horror Menschen anrichten können, die sich berufen fühlen, über Gut und Böse zu entscheiden. "Gib uns die Gnade, uns zu schämen für das, was zu tun wir Menschen fähig gewesen sind", sagt Papst Franziskus in Anwesenheit von Israels Präsident Shimon Peres und Premierminister Benjamin Netanjahu.

Papst Franz in Yad Vashem (Foto: reuters)

Der Papst gedenkt in Yad Vashem der Holocaust-Opfer



Gebet für den Frieden in Rom

Schon bald wird der Papst Gäste aus Nahost zuhause in Rom begrüßen können. Am Sonntag hatte er den israelischen und den palästinensischen Präsidenten zu einem Gebet für den Frieden nach Rom eingeladen. Das Treffen mit Shimon Peres und Mahmud Abbas soll noch im Juni stattfinden. Es ist ein eher symbolischer Akt - denn im Juni stehen in Israel Präsidentschaftswahlen an und der 90-jährige Peres tritt dann nicht mehr an. Aber es ist ein Zeichen für den Dialog.

"Diese Friedensinitiative war sicher eine der Überraschungen der Reise - und auch, dass der Papst letztlich politischer war, als man das im Vorfeld gedacht hat", meint auch der deutsche Pater Nikodemus von der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Das habe auch fast den eigentlichen Höhepunkt der Reise in den Hintergrund gedrängt: Das ökumenische Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus und den anderen Kirchenführern in der Grabeskirche - fünfzig Jahre nach der ersten historischen Begegnung zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras.

In der Jerusalemer Altstadt kehrt am Abend wieder der Alltag ein - so wie nach jedem offiziellen Besuch.

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