Leise Töne von Volkswagen in Genf | Wirtschaft | DW | 01.03.2016
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Wirtschaft

Leise Töne von Volkswagen in Genf

Europas größter Autobauer will aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und hofft, das Dieselgate-Desaster bald hinter sich zu lassen. Janelle Dumalaon berichtet vom Genfer Autosalon.

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Genfer Autosalon: Schwerer Gang für VW

Ein Heer von Anzugträgern vor einer weißen, glänzenden Bühne, wirbelnde Scheinwerferlichter in blau und weiß, dazu pulsierender Techno - auch in Genf sah alles zunächst nach einer pompösen Präsentation aus, wie sie Volkswagen auf Automessen normalerweise veranstaltet.

Doch der in Schwierigkeiten steckende deutsche Autobauer hielt sich auf dem diesjährigen Autosalon in Genf sehr zurück. Zum Auftakt der Pressekonferenz rückte er kleine und relativ umweltfreundliche Stadtautos ins Rampenlicht, zum Beispiel einen mit Flüssiggas betriebene Kleinwagen der Reihe Up!.

Es war eine sehr nüchterne Veranstaltung. Nicht einmal die Unterbrechung durch einen britischen Komiker sorgte für Furore. Der Mann kam als VW-Techniker verkleidet auf die Bühne und machte sich daran, eine "Schummelkiste" (Cheat-Box) an einem Auto anzubringen - in Anspielung auf die Manipulationen im Abgasskandal. Nachdem der Mann die Bühne verlassen hatte, gingen die Volkswagen-Vertreter wieder zur Tagesordnung über - und sprachen von der Zukunft.

Teil dieser Zukunft ist ein Konzeptauto namens T-Breeze, ein SUV Cabrio. Aus Sicht von Volkswagen könnte damit die global wachsende Nachfrage nach SUV befriedigt und gleichzeitig ein jüngeres Publikum für Produkte aus Wolfsburg begeistert werden.

Hoffen auf ein Ende von Dieselgate

Die Genfer Automesse ist für Volkswagen die erste Großveranstaltung in Europa seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals im vergangenen Herbst. Der Autobauer musste daher natürlich auch über seine Pläne sprechen, wie er den enormen Schaden zu beheben gedenkt, den die als Dieselgate bekannt gewordene Affäre verursacht hat.

"Wann die Abgas-Thematik zu Ende ist, kann ich nicht sagen", sagte Matthias Müller, Chef des Volkswagen-Konzerns, im DW-Interview. "Wir sind mit den Behörden in den USA und Europa in einem regen, sehr konstruktiven Informationsaustausch. Daher hoffen wir, dass das Thema in absehbarer Zeit abgeschlossen werden kann."

Während der gesamten Pressekonferenz hielt sich Müller auffällig zurück. Statt Müller sprach VW-Markenvorstand Herbert Diess die Schlussworte und sagte, 2016 werde es für VW "einen Neuanfang" geben.

VW-Markenchef Herbert Diess präsentiert die neue Volkswagen Studie T-Cross Breeze

VW-Markenchef Herbert Diess präsentiert die neue Volkswagen Studie T-Cross Breeze

Neue Firmenkultur

Diess versprach eine neue Firmenkultur mit dezentraler Entwicklung, offenerer Kommunikation und effizienteren Prozessen. Der Markenchef spielte damit auf Analysen an, laut denen starre Hierarchien, mangelnde Flexibilität und ein Klima der Angst bei Volkswagen zu einer Schweigekultur geführt haben, die Dieselgate erst möglich machte. Diess sagte, das Management bei Volkswagen denke nun auf eine neue Art.

Die angekündigten Veränderungen seien "Schritte in die richtige Richtung", sagte Stefan Bratzel, Direktor des Center for Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach..

"Volkswagen ist derzeit in einer Übergangsphase", so Bratzel zur DW. "Auf der einen Seite noch in der alten Welt, um den Diesel-Skandal aufzuarbeiten, auf der anderen Seite auf der Suche nach neuen Themen, die prägend sein werden: Elektromobilität, Digitalisierung, Mobilitätskonzepte." Hier habe der Konzern noch einen weiten Weg vor sich.

Neue Modelle, neue Chancen

Andere Branchenbeobachter glauben nicht, dass der Abgasskandel noch lange wie ein Damokles-Schwert über Volkswagen schweben wird. "Ich glaube nicht, dass der Ruf des Unternehmens mittel- und langfristig beschädigt ist, jedenfalls nicht so stark, wie ursprünglich befürchtet wurde", sagte Ian Fletcher, Autoanalyst beim Informationsdienstleister IHS.

"Natürlich ist der Konzern nun mit einem gewissen Makel behaftet", so Fletcher weiter, "aber momentan verkaufen sich die Autos noch gut." Selbst der Absatzrückgang zu Jahresbeginn habe nicht nur mit dem Abgasskandal, sondern vor allem der veralteten Modellpalette zu tun.

"Der VW Golf ist jetzt gut vier Jahre alt, auch der Polo ist alt. Das sind zwei sehr wichtige Modelle", so Fletcher. "Der Abgasskandal spielt natürlich eine Rolle, aber man sollte dabei nicht das Gesamtbild aus den Augen verlieren."

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