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Amerika

Leise Kritik am unentbehrlichen Partner

Strittige Themen bleiben außen vor – das erwarteten Beobachter vor dem ersten Besuch der brasilianischen Präsidentin in Washington. Doch in einem Punkt wurde Dilma Rousseff dann doch sehr deutlich.

Dass die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Amtskollege Barack Obama über Bildung, Technologie und Energiefragen sprechen würden, stand schon vor ihrem Treffen fest, diese Themen waren gesetzt. Brasiliens Rolle im UN-Sicherheitsrat hingegen hatte nicht auf der offiziellen Agenda gestanden.

In der gemeinsamen Erklärung vom Montag (09.04.2012) hieß es dann aber doch, dass der US-amerikanische Präsident eine Reform des UN-Sicherheitsrates für sinnvoll hält. Außerdem erkenne man Brasiliens Bemühungen an, ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat zu werden.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die brasilianische Präsidentin kritisierte derweil bei ihrem Besuch im Weißen Haus unter anderem die Finanzpolitik der USA: "Die expansive Geldpolitik führt zu einer Abwertung der Währungen in den Entwicklungsländern und behindert dadurch die Wachstumschancen der Schwellenländer", bemängelte Rousseff. Eine öffentliche Reaktion des US-Präsidenten gab es auf diese Kritik zunächst nicht.

Rousseff hat klare Ziele: "Die US-Regierung soll Brasilien als strategischen Partner anerkennen", analysiert Rafael Duarte Villa, Experte für Außenpolitik an der Universität São Paulo im Gespräch mit der DW. "Bisher akzeptieren die USA von allen Schwellenländern lediglich China und Indien als strategischen Partner."

Brasilen braucht technologische Kooperationen

Brasilianischer Ausstellungstand auf der Cebit 2012

Nach dem IT-Boom: Kooperation bei der Biotechnologie mit den USA

Brasilien ist heute reicher und weniger abhängig vom nordamerikanischen Markt. Das Land braucht keine finanziellen Hilfen mehr - weder vom Internationalen Währungsfonds (IWF), noch von den USA. Aber eines ist nach wie vor unverändert: Brasilien schafft es nicht alleine, seine technologische Entwicklung voranzutreiben.

Es gab auf diesem Gebiet schon gut funktionierende Partnerschaften, erinnert sich Eiiti Sato von der Universität Brasilia. "Das war zum Beispiel ein breit angelegtes Kooperationsprogramm zwischen dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Cornell Universität und der brasilianischen Luftwaffe in den 1970er Jahren. Diese Kooperation legte den Grundstein für die brasilianische Luftfahrtindustrie." Solche Partnerschaften wären weiterhin notwendig, zum Beispiel in der Biotechnologie, findet Sato.

Auch eine Kooperation im Bereich des Militärs sei wünschenswert, sagte Marcus Vinicius de Freitas, Professor für Recht und Internationale Beziehungen der Stiftung Armando Álvares Penteado, im Vorfeld. Auch wenn dies ein sensibles Thema sei. "Die militärische Zusammenarbeit zum Schutze natürlicher Ressourcen ist essenziell - insbesondere im maritimen Bereich, wo Brasilien große Ölvorkommen besitzt." Die brasilianischen Streitkräfte bräuchten eine Modernisierung ihrer veralteten Ausrüstung, so Freitas.

Mit einem Dialogforum soll eine enger verzahnte Verteidigung beider Länder voran getrieben werden. Rousseff und Obama beschlossen die Gründung eines "Defense Cooperation Dialogue", hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Das erste Treffen zur Kooperation im Bereich der Verteidungspolitik auch im Hinblick auf internationale Konflikte ist bereits für den 24. April dieses Jahres geplant.

Es wird auch um Öl gehen

Brasilien Rio de Janeiro P 40 Ölplattform

Treibstoff für die USA: Brasilien hat riesige Ölreserven

Bis 2009 waren die USA der wichtigste Handelspartner Brasiliens. Nun ist es China. Aber die Vereinigten Staaten sind immer noch ein wichtiger Absatzmarkt für brasilianische Produkte. Und Brasilien könnte die Quelle sein, die den "Öl-Durst" der USA stillen könnte.

"Brasilien will zu einem verlässlichen Ölversorger für die USA werden. Denn die USA haben immer wieder Probleme mit Lieferanten aus Saudi-Arabien und Venezuela", sagt Freitas. Brasilien hat riesige Öl-Reserven vor der Küste. Zudem haben die USA Interesse an brasilianischem Ethanol. Allerdings kann Brasilien momentan nicht so viel Ethanol liefern, weil es schon genug Probleme hat, die Nachfrage im eigenen Land zu bedienen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, bei dem Gesprächsbedarf bestand, war der Bildungssektor. Bildung wird in Brasilien als entscheidender Faktor gesehen, der den Wohlstand im Land beeinflusst. Bis 2015 möchte das Land 100.000 brasilianische Studenten mit einem Stipendium ins Ausland schicken, um seinen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften zu beheben. Umgekehrt sollen ebenso viele US-amerikanische Studenten Universitäten in Lateinamerika und der Karibik besuchen. Beide Präsidenten zeigten sich zufrieden mit dem im März 2011 gestarteten Programm.

Eine andere Haltung als Lula

Rousseffs grundsätzlich sachliche Art – auch in strittigen Fragen - könnte die Chancen auf eine bessere Zusammenarbeit mit den USA erhöhen. "Es besteht die begründete Hoffnung, dass der Dialog in eine neue Phase tritt, in der beide Seiten Zwistigkeiten beiseite legen und mehr Verständnis für die Erwartungen und Bedürfnisse des anderen entwickeln", meint Eiiti Sato von der Universität Brasilia.

Nach Ansicht von Rafael Duarte Villa von der Universität São Paulo erwarten die USA auf "bilateraler Ebene eine einfachere Zusammenarbeit mit weniger Widerstand".

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