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Bücher

Leipzigs liebenswerter Lesemarathon

Neben der Buchmesse in Frankfurt im Herbst gibt es im Frühjahr die Buchmesse in Leipzig: Einst die "kleine Schwester" ist sie inzwischen eine feste Größe im literarischen Jahr.

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Er hat den Durchblick:
Buchmessen-Direktor Oliver Zille

Leipzig hat eine lange Tradition als Buchstadt: Bedeutende Institutionen der Buchherstellung, Bibliotheken, wichtige Verlage und natürlich die Messe hatten hier ihren Platz. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wurde die westdeutsche Buchmesse in Frankfurt am Main der größte Branchentreff weltweit. Aber auch zu Zeiten der DDR blieb die Leipziger Messe ein wichtiger Treffpunkt für Büchermacher aus Ost und West.

Nach der Wende 1989 wurden die staatlichen Verlage der ehemaligen DDR geschlossen oder nur mit Filialen der westdeutschen Mutterhäuser weitergeführt. Leipzig drohte als Messestandort bedeutungslos zu werden. Doch schon 1991 gelang der Leipziger Messe ein beeindruckender Neustart. Dabei versuchte man gar nicht erst, mit Frankfurt zu konkurrieren, sondern setzte eigene Akzente. Zum Beispiel mit dem Lesefestival "Leipzig liest", das der Messe angegliedert wurde und mittlerweile als das größte Literaturfestival Europas gilt.

Familiäre Atmosphäre

Heute, 15 Jahre später, hat sich die Leipziger Messe fest neben Frankfurt etabliert - als Messe für Leser und Autoren, als "Frühjahrsfest der Bücher". Buchmessendirektor Oliver Zille: "Wir bieten eine ganze Stadt. Eine ganze Stadt feiert Buchmesse. Das ist in der Welt einmalig und ich denke, dass ist das, was bei Autoren auch gut ankommt. Alle finden eine Form der Präsentation, die ihnen angemessen ist und ich glaube das ist das Geheimnis von Leipzig."

Comics - Leipziger Buchmesse - Logo

Einer der Schwerpunkte der Leipziger Buchmesse

Wer einmal dort war und die Atmosphäre erlebt hat, versteht sofort, was Oliver Zille meint. An den vier Messetagen im Frühjahr sind die neuen, modernen Hallen außerhalb der Stadt voll von literaturinteressierten Menschen aller Generationen. Schulklassen stürmen die Stände, Familien mit Kinderwagen schieben sich durch die Gänge, Leser kommen ins Gespräch mit international bekannten Schriftstellern. Reges Interesse finden auch die Messenschwerpunkte Comics und Kinderbücher.

Abends besucht man eine der vielen Lesungen, die über die gesamte Innenstadt verteilt sind. Ob in Buchhandlungen, Cafés, im Rathaus, im Gerichtssaal - überall wird gelesen. 1800 Veranstaltungen werden es allein in diesem Jahr sein. Wer sich danach erholen möchte, kann sich ins Partygeschehen stürzen: Allabendlich wird der deutsch-russische Schriftsteller Wladimir Kaminer den DJ spielen. Denn die Messe gibt sich jung und fördert den literarischen Nachwuchs.

Kulturelle Brücke

Erwähnt werden müssen vor allem auch die Aktivitäten rund um das Hörbuch. Hier hatte Leipzig Vorreiter-Funktion: Schon vor sieben Jahren erkannte man, welches Potential in diesem Medium steckt, das jährlich zweistellige Zuwachsraten auf dem Buchmarkt aufweist. Die Präsentation der Hörbuchverlage in einem eigenen Forum, die "lange Hörbuchnacht" und die Verleihung des Hörbuchpreises "Hörkules" gehören mittlerweile zur Tradition der Leipziger Messe. Ebenso wie die Schwerpunkte Comic und Kinderbücher.

Juri Andruchowytsch

Der ukranische Schriftsteller Juri Andruchowytsch

Leipzig versteht sich schon seit Jahren als Vermittler, als kulturelle Brücke in einem sich erweiternden Europa. Ihre Gedanken dazu präsentieren Schriftsteller jedes Jahr in speziellen Essays auf der Messe. Jedes Jahr wird auch ein Schriftsteller mit dem "Preis zur europäischen Verständigung" ausgezeichnet. Dieses Mal bekommt ihn der Ukrainer Juri Andruchowytsch. Mit seinen Büchern hat er bei dem deutschen Publikum entscheidend zum Verständnis seines Landes vor und nach der orangenen Revolution beigetragen. Die Preisverleihung am Mittwochabend (15.3.2006) ist der Auftakt zu der Messe, in bis zum 19. März geht.

Die Leipziger Messe, soviel ist nach dem Erfolg der letzten 15 Jahre gewiss, ist nicht mehr nur die kleine Schwester Frankfurts: Sie ist eine feste Größe im literarischen Leben Deutschlands geworden.

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