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Deutschland

Leipziger Projekt soll Zivilcourage vermitteln

Der tödliche Übergriff am Münchner S-Bahnhof Solln hat Deutschland entsetzt und eine Diskussion über Zivilcourage entfacht. In Leipzig soll ein spezielles Trainingsprogramm für dieses Thema sensibilisieren.

SmiLe-Begleiter bei einer Übung (Foto: Ronny Arnold)

SmiLe-Begleiter bei einer Übung

Auch Gewaltsituationen sind Teil des Trainings - Pappkarten mit Begriffen wie 'Streit', 'Prügeln', 'Miteinander reden' (Foto: Ronny Arnold)

Auch Gewaltsituationen sind Teil des Trainings

Seit zwei Stunden fährt der Bus der Leipziger Verkehrsbetriebe kreuz und quer durch die Innenstadt, drinnen proben acht Schüler den Ernstfall. In kleinen Teams stellen sie Situationen nach, die sie alle von ihren täglichen Fahrten zur Schule kennen: Laute, nervige Musik dudelt aus dem Handy, Taschen liegen achtlos im Gang, kleinere Rangeleien und Provokationen.

Drei Jungs haben ihre Füße provokativ auf den Sitzen ausgestreckt. Jenni und Annika, beide 15 Jahre alt, sollen beherzt eingreifen und den Provokateuren erklären, wie und warum sie mit ihrem Verhalten die anderen Fahrgästen stören. Charmant und mit ruhigen Worten fordern sie die Drei auf, ihre Taschen aus dem Weg zu räumen und die Füße herunterzunehmen. Es funktioniert, Applaus schallt durch den Bus.

Toleranz und Rücksicht

SmiLe-Begleiter bei einer Übung (Foto: Christof Bunke)

Die Begleiter sollen im Ernstfall nicht den Helden spielen

Die Schüler sind alle zwischen 13 und 16 Jahre alt, sie haben sich freiwillig für diesen Kurs angemeldet und lassen sich hier in einem 30-stündigen Training zu sogenannten "SMiLe-Begleitern" der LVB ausbilden. In Zukunft sollen sie dann für mehr Toleranz und Rücksicht in Leipzigs Bussen und Bahnen sorgen, Zivilcourage zeigen, wenn sich Gleichaltrige daneben benehmen. Kursleiterin Marion Müller lobt die Taktik von Jenni und Annika, ihr "ruhiges, aber bestimmtes Auftreten und die klaren Ansagen".

Es sind relativ harmlose Situationen, die hier vor allem geprobt werden. Doch später kann es dann auch schon mal komplizierter werden, etwa wenn ihnen aggressiv begegnet wird, Alkohol im Spiel ist oder gar körperliche Gewalt droht. Auch diese Szenarien trainieren die Schüler deshalb und loten dabei Möglichkeiten aus, wie man Situationen entschärfen kann.

Nicht den Helden spielen

Teilnehmer des Kurses mit ihren Trainern (Foto: Christof Bunke)

Teilnehmer des Kurses mit ihren Trainern

Wenn Argumente nicht mehr ausreichen, sollen die Jugendlichen im Notfall lieber den Fahrer informieren oder die Polizei rufen. "Man kann auch gezielt ältere Fahrgäste um Hilfe bitten", erklärt Norman Pörschmann den Teilnehmern. "Man muss sie dabei aber gezielt ansprechen, nur so funktioniert es." Der Sozialarbeiter betont, dass die zukünftigen Begleiter aber "nicht den Helden spielen sollen". Zivilcourage beginnt im Kleinen, im Alltäglichen. Die Schüler entscheiden selbst, wann sie sich einmischen. "Sobald sie ein schlechtes Gefühl haben, sollen sie es sein lassen. Sie sollen sich nicht in Gefahr begeben."

Schuld, Täter und Opfer

Am Vortag waren die künftigen "SmiLe-Begleiter" bereits bei der Leipziger Polizei, die das Projekt unterstützt. Dort wurden ihnen ihre bürgerlichen Rechte und Pflichten erklärt, Begriffe wie Schuld, Täter und Opfer definiert. Auch ein spezielles Bewegungstraining gehört zum Programm, damit die Jugendlichen ihre körperlichen Grenzen kennen lernen. 750.000 Euro kostet das auf drei Jahre angelegte Projekt, finanziert wird es vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfond. 300 jugendliche Begleiter soll es am Ende geben. Das Geld fließe aber auch in Schulungen für die Mitarbeiter, erklärt Projektleiter Christof Bunke von der LVB. "Wir wollen, dass auch unsere Fahrer, Fahrausweisprüfer und auch die Angestellten bis hin zu unseren Azubis mehr über Zivilcourage wissen." Sinnvoll, fand man vor kurzem beim Weltkongress der Verkehrsunternehmen – und verlieh dem Projekt den "Youth Project Award".

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Dеnnis Stutе

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