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Sächsisch

Leipziger Prinz

Sebastian Krumbiegel hat das Knabenalter und den Thomanerchor lange hinter sich gelassen. Aber die Tenorausbildung verkauft sich trotzdem gut – als Mitglied der Leipziger Band "Die Prinzen" und in Solo-Projekten.

"Der hat mal im Thomanerchor gesungen." Mama weiß nicht so recht, ob sie dem Musikgeschmack ihres Sprösslings trauen kann. Aber das Argument mit dem weltbekannten Knabenchor zieht. Mama drückt ein Auge zu und kauft ihrer Tochter ein Album von Sebastian Krumbiegel.

Sebastian Krumbiegel

Ein Leben für die Musik
Sebastian Krumbiegel hat einen Großteil seines Lebens als professioneller Musiker gearbeitet. Mit 10 Jahren kam er zum besagten Leipziger Thomanerchor. Dort schulte Krumbiegel seinen Gesang – und seine Artikulation. Obwohl bekennender Leipziger, schlägt sein sächsischer Dialekt nur wenig durch. "Das hab ich als Kind mitgekriegt. Wir haben im Chor sehr viel deutschsprachige Musik gesungen, gerade Bach und Schütz – da lernst du, dich sauber zu artikulieren."

Auch die weitere musikalische Ausbildung war hochkarätig: Krumbiegel studierte Gesang und Schlagzeug an der Leipziger Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy". Er sang besser als er Schlagzeug spielte: Note 1 in Gesang, im Schlagzeugspielen eine 3. So blieb er bei dem, was er am besten konnte.

Rock statt Klassik
Seit seiner Thomanerzeit singt Krumbiegel in Rock- und Popbands. Bach und Schütz waren dem Sänger nicht genug. Die Bands hatten klangvolle Namen wie "Phoenix", "Rockpol" und "Herzbuben". 1991 wurden die "Herzbuben" zu den "Prinzen" – und die wiederum in Deutschland richtig berühmt.

Die 'Prinzen' auf der Bühne

Auch als Solokünstler ist Krumbiegel durchaus erfolgreich. "Eine ganz neue Erfahrung, ganz neue Leute, ein ganz neuer Kick. Ich bin glücklich und stolz." Es habe gut getan, einmal ganz allein zu bestimmen und einmal auf andere Menschen zu hören. Auch wenn das puren Stress bedeutet: Sebastian Krumbiegel will zweigleisig weitermachen. Allein und als Mitglied der Band. "Die Prinzen sind meine Familie, das schmeißt man nicht einfach weg."

Humorvoll-kritische Gesellschaftsbetrachtung in deutscher Sprache – das beschreibt den Prinzen-Stil am besten. Eine politische Band waren sie nie. Aber sie legen Bekenntnisse ab. Sebastian Krumbiegel unterstützte aktiv die Leipziger Olympiabewerbung, er hat gegen den Irak-Krieg demonstriert und er organisiert Konzerte für Toleranz und gegen rechte Gewalt. Man habe als bekannter Künstler eine gewisse Verpflichtung, in solchen Dingen Farbe zu bekennen und Leute mitzuziehen, sagt er.

Bekennender Leipziger?
Krumbiegel hält gerade die Sachsen für Menschen, "die auch merken, dass man selbst etwas bewegen kann. Das letzte Mal 1989 in Leipzig bei den Montagsdemonstrationen, die letztlich zum Sturz des DDR-Regimes geführt haben." Krumbiegel ist stolz, was sich in seiner Heimatstadt Leipzig seit der Wende getan hat.

Deutschland Musik Sänger Sebastian Krumbiegel Die Prinzen

Aber die immer gleichen Vorurteile der "Wessis" ärgern ihn. Dass der Osten grau sei, zum Beispiel. Oder, dass jeder "Ossi" sächsisch spreche. "Das ist eine Bildungslücke, die ich schließen will." Bis die Mauer in den Köpfen verschwunden sei, werde es aber wohl noch eine Weile dauern.

Ob er auch mal Lieder im sächsischen Dialekt singen würde? - "Um Himmels Willen! Ich steh als Künstler darauf, verstanden zu werden!" Besonders identitätsstiftend sei der sächsische Dialekt für ihn ohnehin nicht. "Ich hasse ihn nicht, ich liebe ihn nicht, ich rede wie ich rede."

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