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Kultur

Leipziger Buchpreis für Jan Wagner

Erstmals in der Geschichte des Leipziger Buchpreises gewinnt ein Lyriker die Auszeichnung in der Sparte Belletristik: Jan Wagner. Die Jury vergab auch Preise in der Kategorie Sachbuch und Übersetzung.

Es ist eine Ehrung der besonderen Art, denn noch nie zuvor hat in der Sparte Belletristik ein Gedichtband der Prosa den Rang ablaufen können. "Jan Wagners Auszeichnung wirkt hoffentlich wie ein Paukenschlag", sagte die Literaturkritikerin Meike Feßmann in ihrer Laudatio. Lyrik sei die am meisten unterschätzte Literaturform, sie verdiene mit ihren Möglichkeiten zu Ruhe und Konzentration viel mehr Beachtung.

Der gebürtige Hamburger Poet Jan Wagner überzeugte die Jury mit seinem Werk "Regentonnenvariationen" über die Natur in all ihren Facetten. "Formal virtuos und zugleich unangestrengt nimmt er Weidekätzchen und Würgefeige, Morchel, Melde, Olm und Otter ins poetische Visier, zoomt heran und überblendet assoziativ, bis der Blick des Lesers sich weitet und sich das Gefühl einstellt, für einen Moment zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein", begründete die Jury ihr Urteil.

Er hoffe, dass der Preis ein Licht auf die lebendige und vielfältige deutsche Lyrikszene werfe, freute sich Wagner über die Ehrung. Ebenfalls nominiert waren Ursula Ackrill mit ihrem Debütroman "Zeiden, im Januar", Teresa Präauer mit "Johnny und Jean!", Norbert Scheuers Roman "Die Sprache der Vögel" und Michael Wildenhains "Das Lächeln der Alligatoren".

Wichtige Stimme der Gegenwartsliteratur

Der erste Gedichtband "Probebohrung" des 43-jährigen Preisträgers erschien 2001 und begeisrte schon damals die Fachwelt. Wagner lebt in Berlin und arbeitet als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber.

Zuletzt wurde er in diesem Jahr mit dem Mörike-Preis ausgezeichnet. Schon zuvor erhielt Wagner mehrere Auszeichnungen, darunter 2011 den Tübinger Hölderlin-Preis und den Kranichsteiner Literaturpreis. "Jan Wagner gilt als eine der wichtigen lyrischen Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur", urteilte der Westdeutsche Rundfunk über den Lyriker.

Neben Jan Wagner gewannen die Übersetzerin Mirjam Pressler und der Sachbuchautor Philipp Ther. Der Preis ist eine der begehrtesten Literaturauszeichnungen des Landes und ist mit jeweils 15.000 Euro dotiert.

Begehrte Auszeichnung

In diesem Jahr sei die Auswahl aus guten Büchern nicht so schwer gewesen, betonte der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels. Es habe eine Spitzengruppe von zehn bis zwölf Büchern und Autoren gegeben, denen man den Preis unbedingt hätte verleihen wollen, so Winkels gegenüber Medienvertretern. Insgesamt hatten sich 115 Verlage mit 405 Werken für den Preis beworben. Über die Vergabe der Literaturauszeichnung entscheidet eine Jury aus sieben Journalisten und Literaturkritikern.

Am Vortag hatte schon der rumänische Autor Mircea Cartarescu für seine Trilogie "Orbitor" den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Der Preis ehrt Persönlichkeiten, die Brücken zwischen den Ländern West-, Mittel- und Osteuropas schlagen.

Auf dem Frühlingstreff der Buchbranche in Leipzig präsentieren sich mehr als 2200 Aussteller. Nach der Frankfurter Buchmesse im Herbst ist die Leipziger Bücherschau der zweite große deutsche Marktplatz für Büchermacher und Leserschaft. Der Buchpreis wird hier seit 2005 verliehen. Im letzten Jahr gewann der deutsch-bosnischen Autor Saša Stanišić den Preis in der Sparte Belletristik.

suc/so (dpa, www.leipziger-buchmesse.de)