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Bücher

Leipziger Buchmesse-Preis für Georg Klein

Der Preis der Leipziger Buchmesse zeichnet die besten Bücher des Frühjahrs aus. Wie der Deutsche Buchpreis im Herbst schafft er Orientierung in der Masse der Neuerscheinungen und fördert die deutsche Gegenwartsliteratur.

Schriftsteller Georg Klein nach der Auszeichnung mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (Foto: dpa)

Ausgezeichnet: Schriftsteller Georg Klein

Der Applaus des Publikums war herzlich und die Freude des frischgekürten Preisträgers groß: "Ich möchte hier Gänseblümchen des Dankes aus dieser Wiese des Augenblicks rupfen", sagte Georg Klein nach der Verkündung. Und er wolle vor allem den Figuren im Roman danken, die nicht mehr unter den Lebenden seien: "Es braucht auch die Gunst der Toten."

Auszeichnung für "Roman einer Kindheit"

Klein, 1953 in Augsburg geboren, ist schon lange eine feste Größe im deutschen Literaturbetrieb. Seit seinem ersten Roman "Libidissi" (1998) gilt er als sprachmächtiger Autor, der gerne ein ironisches Spiel mit den Genres wie Science Fiction, Agenten- oder Horror-Roman treibt. All seinen Geschichten haftet dabei etwas schwer zu Fassendes, Unheimliches an. Auch sein jetzt preisgekrönter "Roman einer Kindheit" ist zwar autobiografisch grundiert, aber keineswegs ein idyllischer Erinnerungstext.

Er spielt in den sechziger Jahren, am Rande einer süddeutschen Stadt. Der Krieg ist zwar längst vorbei, aber in den Erinnerungen der Männer noch präsent. Das Interessante an Kleins Buch sei, so die Juryvorsitzende Verena Auffermann, "dass einem die Figuren, die er beschreibt, nicht zu Herzen gehen. Er beschreibt alles von außen. Ein Schwarz-weiß-Fotograf könnte das nicht besser machen."

Jugend erforscht

Mit der Beschwörung einer Kindheitswelt war Klein unter den Kandidaten für den Buchpreis nicht allein. Lediglich Anne Webers originell-witziger Roman "Luft und Liebe" über eine Schriftstellerin und ihre Figur hat mit Kindheit wenig zu tun. Jan Faktors Roman "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" führt ebenso zurück in eine Kindheit im sozialistischen Prag.

Autorin Helene Hegemann bei der Vorstellung der Kandidaten für den Preis der Leipziger Buchmesse (Foto: DW)

'Genervt': Autorin Helene Hegemann

Wie Lutz Seilers Erzählband "Die Zeitwaage" in die Landschaft seiner Kindheit in Thüringen, eine Landschaft des Kohle- und Uranbergbaus. Seiler, der vor allem als Lyriker bekannt ist, war laut einer Internetabstimmung der Favorit des Publikums für den Preis der Leipziger Buchmesse. Auch Helene Hegemanns Debütroman "Axolotl Roadkill" schließlich zeigt die - ganz und gar unromantische - Welt einer "wohlstandsverwahrlosten" Jugendlichen unserer Tage.

Leipziger Erklärung

Diese Nominierung allerdings hat auf der Messe noch einmal zu Diskussionen geführt. Schon seit Wochen streiten die Feuilletons darüber, wie es zu bewerten ist, dass die Autorin Teile ihres Textes von einem Blogger namens Airen abgeschrieben hat. Der Verband Deutscher Schriftsteller (VS) hat sich zum Messebeginn mit einer "Leipziger Erklärung" zu Wort gemeldet. Von Schriftstellern wie Günter Grass, Christa Wolf und der Vorjahrespreisträgerin Sibylle Lewitscharoff unterschrieben, heißt es darin: "Wenn ein Plagiat als preiswürdig erachtet wird, wenn geistiger Diebstahl und Verfälschungen als Kunst hingenommen werden, demonstriert diese Einstellung eine fahrlässige Akzeptanz von Rechtsverstößen im etablierten Literaturbetrieb."

Auch ohne dass der Name explizit genannt wurde, war allen klar, dass damit Helene Hegemann gemeint war. Die war denn auch bei der Vorstellung der Preis-Kandidaten vor der eigentlichen Verleihungszeremonie auf der Messe am Donnerstagvormittag ziemlich genervt von der Presse.

"Ich bin überfordert und versuche das - so gut es geht - nicht an mich ranzulassen", sagte die 18-Jährige im Blitzlichtgewitter der Pressefotografen. "Natürlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie man damit umgeht. Die eine ist, zumindest so zu tun, als würde man darüber stehen. Und die andere ist, das irgendwie in der Öffentlichkeit auszutragen. Ich weiß noch nicht, was das Intelligentere ist."

Ehre den Übersetzern

Auch wenn die Nominierten und Preisträger der Belletristik immer das meiste Publikumsinteresse erregen, ist doch gerade eine Besonderheit des "Preises der Leipziger Buchmesse", dass er in insgesamt drei Kategorien vergeben wird. In der Kategorie Sachbuch/Essayistik gewann Ulrich Raulffs "Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben" (C.H. Beck).

Und in der Kategorie Übersetzung wurde Ulrich Blumenbach ausgezeichnet - für die deutsche Fassung des Romans "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace (Kiepenheuer & Witsch). Blumenbach hatte sechs Jahre lang an der Übersetzung des komplexen Werkes gearbeitet. Gerade die Auszeichnung für die Übersetzer macht den Preis der Leipziger Buchmesse so besonders: Sie ehrt eine Berufsgruppe, die meist im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit steht - und im Vergleich zu ihrer Arbeit, die nicht selten einer "Neuerfindung" (Verena Auffermann) eines Textes gleichkommt, zu schlecht bezahlt wird.

Autorin: Gabriela Schaaf
Redaktion: Frank Wörner

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