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Stadt Land Mensch

Leipzig ist Sachsens Aushängeschild

Auch Leipzig hatte nach der Wende mit Arbeitslosigkeit und Wegzug zu kämpfen. Doch die Stadt konnte den Negativtrend stoppen: Große Unternehmen wie Porsche, BMW, Amazon und DHL haben in Leipzig investiert.

Bei Touristen beliebt, durch Goethes „Faust“ bekannt: Auerbachs Keller in der Leipziger Altstadt, 4. August 2012; Copyright: DW/L. Knüppel

Auerbachs Keller

Bei Touristen beliebt, durch Goethes „Faust“ bekannt: Auerbachs Keller in der Leipziger Altstadt, 4. August 2012; Copyright: DW/L. Knüppel

Michael Schaaf führt eine Gruppe Touristen durch die Altstadt

Stadtführer Michael Schaaf dirigiert seine Touristengruppe durch die frisch restaurierten Gassen der Leipziger Altstadt; vorbei an Auerbachs Keller, zur Thomaskirche, Naschmarkt und zum alten Rathaus. Dicht an dicht drängen sich die Touristen vor den Sehenswürdigkeiten. Über zwei Millionen Übernachtungen jährlich kann die Messe- und Universitätsstadt für sich verbuchen.

"Bis 1987 habe ich hier gelebt", erzählt eine Touristin aus Frankfurt am Main. Nun komme sie regelmäßig, um zu sehen, wie sich ihre alte Heimatstadt entwickelt habe. "Die Häuser erkennt man gar nicht wieder. Da hat man früher vorbeigeguckt, weil sie alt und grau waren." Die frisch renovierten Steinbauten zeugen von dem, was Leipzig einst war: Messe- und Handelsstadt, eine Wirtschaftsmetropole, die den Bürgern Wohlstand und Ansehen brachte.

Messe- und Handelsstadt in Europa

Michael Schaaf, Reiseleiter von LeipzigDetails, erzählt Touristen von der Geschichte Leipzigs als Messe- und Handelszentrum. Mit über zwei Millionen Übernachtungen im Jahr ist Leipzig ein beliebtes Reiseziel, 4. August 2012; Copyright: DW/L. Knüppel

Altes Rathaus

Wer sich auf Spurensuche begibt und fragt, warum Leipzig den Zusammenbruch nach der Wende so gut überstanden hat, der muss bis ins Jahr 1409 zurückblicken:  Damals erteilte Maximilan I. der handelsgünstig gelegenen Stadt das kaiserliche Messeprivileg. Seitdem wuchs und gedieh die Stadt. Buchdruck, Gießereien, Pelz- und Textilindustrie siedelten sich an. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte Leipzig mit etwa 720.000 Einwohnern seine größte Ausdehnung. Ein dichtes Eisenbahnnetz verband Leipzig mit der Welt. "Für eine Stadt mit solcher Infrastruktur und Handelstradition, sind die 40 Jahre DDR-Geschichte gut zu überstehen", sagt  Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft und Arbeit Uwe Albrecht. Doch so einfach lässt sich die jüngste Stadtgeschichte nicht wegschieben.

Beliebtes Fotomotiv bei Touristen: das alte Rathaus in Leipzig. Mit über zwei Millionen Übernachtungen im Jahr ist die sächsische Messe- und Universitätsstadt ein beliebtes Reiseziel, 4. August 2012; Copyright: DW/L. Knüppel

Blick über die Stadt: Leipzig wächst - im Gegensatz zu vielen anderen Regionen in Ostdeutschland

Nach der Wende bricht Leipzigs Wirtschaft nahezu vollständig zusammen. "Wir haben 30 Prozent Arbeitslosigkeit gehabt, Massenarbeitslosigkeit", erzählt Albrecht. Doch im Gegensatz zu anderen Städten in den neuen Bundesländern ist es Leipzig gelungen, Überalterung und Wegzug zu stoppen. Die renommierte Universität lockt junge, gut ausgebildete Menschen in die Stadt. Und lässt Leipzig seit ein paar Jahren wieder wachsen: Heute hat die Stadt deutlich mehr als eine Million Einwohner und  laut Bürgermeister Albrecht ausreichend Fachkräfte, um Unternehmen in die Region zu locken.

Logistikunternehmen und Autobauer zieht es nach Leipzig

Baukräne und Betonpfeiler erheben sich auf einem Feld direkt neben dem Flughafen Leipzig-Halle: Wo jetzt noch Bagger und Planierraupen vorbeifahren, soll ab 2013 der Porsche Cajun gebaut werden. Der Autobauer hat 2002 sein neues Werk hier eröffnet, seitdem werden die Produktionskapazitäten beständig erweitert. Auch BMW, Amazon und Siemens haben sich in der sächsischen Metropole niedergelassen.

Blick über Leipzig mit seinem Wahrzeichen, dem Wintergarten-Hochhaus. Während Sachsen mit abnehmenden Bevölkerungszahlen zu kämpfen hat, wächst Leipzig. Mittlerweile leben über 533.000 Menschen in der sächsischen Metropole, 4. August 2012; Copyright: DW/L. Knüppel

DHL Drehkreuz Leipzig

Wovon einst die Krämer und Kaufleute profitierten - Leipzigs zentrale Lage in Europa - ist auch heute noch ein Plus für die Stadt. Die Post-Tochter DHL betreibt hier seit 2008 eines von weltweit drei Luftfahrt-Drehkreuzen. Nachts erwachen Hangar und Lagerhallen zu Leben: 60 Starts und Landungen müssen abgefertigt werden. Was in Europa per Express verschickt wird, landet irgendwann auch am Flughafen Leipzig-Halle. "Rund 3300 Menschen arbeiten hier", erzählt Manfred Hauschild von der DHL. Mittlerweile haben sich weitere Logistikunternehmen wie Aerologic am Flughafen angesiedelt. Leipzig-Halle ist zum zweitgrößten Frachtflughafen Deutschlands herangewachsen.

Arbeitslosigkeit noch immer hoch

Verladung von Frachtgut am DHL-Drehkreuz Leipzig: Copyright: Deutsche post AG Leipzig, 2012

Wartende im Arbeitsamt

Trotz der zahlreichen Firmen, die in den vergangenen Jahren nach Leipzig gekommen sind: Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell über zehn Prozent liegt die Stadt noch immer deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt von knapp sieben Prozent. Auch sonst gibt es noch Einiges aufzuholen, sagt Bürgermeister Uwe Albrecht. "Es gibt jede Menge Industriebrachen, wo der alte Zustand von 1989 herrscht. Da haben wir noch viel vor der Brust."

In der Innenstadt hat Stadtführer Michael Schaaf seine Altstadttour fast beendet. Zum Schluss führt er seine Leipzig-Touristen noch in den Bartelshof, ein jahrhundertealtes Messegebäude direkt am Marktplatz – und berichtet von den Montagsdemonstrationen kurz vor der Wende. "Was die Leute auf die Palme gebracht hat, waren nicht nur die politischen Zustände, sondern auch die Zustände in der Stadt", sagt Schaaf und hebt ein Schwarzweißbild hoch, das den Bartelhof 1988 zeigt: ein fast gänzlich zusammengebrochenes Gebäude, im Hof stapeln sich Schutt und alte Balken. Heute ist der Bartelshof hellgelb getüncht. Im Erdgeschoss sind Läden eingezogen, die Souvenirs und Postkarten verkaufen.

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