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Europa

Leila ist wieder Perejil

Sechs Tage nach der Besetzung durch marokkanische Soldaten hat das spanische Militär die unbewohnte Mittelmeer-Insel Perejil gewaltsam geräumt. Marokko kritisierte die Intervention als "Rückkehr zur Kanonenbootpolitik".

Spanische Fahne auf der unbewohnten Insel Perejil (Foto: AP)

Ordnung muss sein ...

Eliteeinheiten erstürmten am Mittwoch (17.07.) im Morgengrauen das felsige Eiland und nahmen sechs oder sieben marokkanische Soldaten gefangen. Sie wurden ihrem Land übergeben. Die Operation sei ein Erfolg gewesen, niemand sei verletzt worden, teilte die Regierung in Madrid mit. Wenige Stunden zuvor hatte Spanien aus Protest gegen die Besetzung seinen Botschafter aus Marokko für unbestimmte Zeit abberufen.

Marokko hat wegen der spanischen Intervention auf der Insel Perejil ("Petersilie") den UN-Sicherheitsrat angerufen. Ziel sei der "sofortige und bedingungslose Rückzug" der spanischen Truppen von der Insel, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Die Insel, die die Marokkaner Leila nennen, sei Teil des marokkanischen Territoriums. Der marokkanische Landwirtschaftsminister Ismail Alaoui hatte die Intervention zuvor als "Rückkehr zur Kanonenbootpolitik" kritisiert.

Madrid: "Legitime Verteidigung"

Spanisches Kriegsschiff vor Perejil (Foto: AP)

Spanisches Kriegsschiff vor Perejil

Der spanische Verteidigungsminister Federico Trillo sprach dagegen von "legitimer Verteidigung". Außenministerin Ana de Palacio kündigte an, die Militäroperation werde sobald wie möglich beendet. Die Europäische Kommission sprach sich nach der spanischen Intervention für die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Spanien und Marokko aus. Kommissionspräsident Romano Prodi sagte, die EU sei bereit, diesen Dialog zu erleichtern.

Ebenso wie Spanien hatten die EU und die NATO den sofortigen Abzug der marokkanischen Soldaten gefordert. Deren erste, aus Gendarmen bestehende Einheit war am Dienstag durch reguläre Truppen ersetzt worden. Noch am Dienstagabend (16.07.) hatten beide Länder betont, sie wollten die Krise auf diplomatischem Wege lösen.

Unterdessen verstärkte Spanien den Schutz seiner an Marokko grenzenden Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla. Die Lage sei aber ruhig, hieß es. Der Flugverkehr über beiden Städten mit insgesamt 130.000 Einwohnern wurde eingeschränkt. Die spanischen Luftwaffen-Stützpunkte im ganzen Land sind in erhöhter Bereitschaft.

Völkerrechtlicher Status unklar

Die Insel liegt 200 Meter vor der Küste in marokkanischen Hoheitsgewässern. Der Status der gerade 13,5 Hektar großen Insel, auf der bislang nur ein paar Ziegen grasten, ist seit dem Ende der Kolonialherrschaft unklar. Unter portugiesischer Herrschaft gehörte Perejil zu dem rund zehn Kilometer entfernten Ceuta, das heute eine spanische Exklave auf marokkanischem Festland ist.

Bereits 1808 besetzte Spanien zum ersten Mal die Insel. Im Vertrag mit Frankreich, der 1912 die Grenzen des spanischen Protektorats in Marokko festlegte, wurde Perejil dagegen nicht mehr erwähnt. Auf Drängen aus Rabat tauchte der Name auch nicht im Ende der 80er Jahre formulierten Autonomiestatus von Ceuta auf. Deshalb gehört die Insel bis heute zu keiner spanischen Verwaltungseinheit.

Autor: Wim Abbink
Redaktion: Ingun Arnold