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Welt

Leidenschaft für Lehm

Salima Naji, eine der bekanntesten Architektinnen Marokkos, baut Häuser auf traditionelle Weise aus Lehm. Das Material senkt auf denkbar einfachste Weise den Energieverbrauch.

Salima Naji (Foto: Christine Harjes)

Erdverbunden: Salima Naji

Brahim hält einen langen Holzstampfer zwischen den Händen. Mit ganzer Kraft ebnet er damit den Boden für das Fundament eines neuen Hauses. Und jedes Mal, wenn sein Werkzeug auf die Erde schlägt, ruft er laut "Allah". "Es ist ganz wichtig, 'Allah' zu sagen, wenn du arbeitest", sagt er – denn, so erklären er und sein Kollege Abdel man könne die Erde nur auf gottesfürchtige Art bearbeiten. Zudem reguliere sich dadurch die Atmung und man spüre die Ermüdung nicht.

Blick in eines der Lehmhäuser (Foto: Christine Harjes)

Im Inneren der Häuser herrscht eine angenehme Kühle

Brahim und Abdel arbeiten zusammen mit weiteren 50 Handwerkern auf einer ganz besonderen Baustelle: Hier hat Salima Naji, eine der bekanntesten Architektinnen Marokkos, das Sagen. Hier, in dem bei Marrakesch gelegenen Dorf Tahanaoute, entsteht eine Ferienanlage. Das Material kommt aus der Erde: Lehm. "Man könnte sagen, dass ich an einem etwas undankbaren Material hängengeblieben bin", sagt sie. Alles dauere lange, man könne das Resultat nicht sofort sehen und die Arbeit sei hart. "Aber es ist so befriedigend zu sehen, was man aus blanker Erde alles machen kann, dass man den ganzen Rest vergisst."

Jenseits aller Klischees

Salima verfolgt die Entwicklung auf ihren Baustellen kontinuierlich. Alle zwei Monate kommt sie hierher nach Tahanaoute. Erst gestern hat sie noch eine Baustelle in Assa besucht, 600 Kilometer entfernt. Während Salima mit ihrer Arbeit an der Ferienanlage hier in Tahanaoute gut verdient, engagiert sie sich bei Projekten wie dem in Assa, im Süden Marokkos, ohne jedes finanzielle Interesse. Dort restauriert die Architektin ein altes Dorf. Geld verdient sie damit nicht. Die Bauern könnten ihre Arbeit nicht bezahlen. "Manchmal fragen mich die Leute ‚Was machst Du da unten bei den Armen? Warum interessierst Du Dich für diese Leute?", sagt sie. "Ich sehe, dass man einen Ort retten kann. Ich sehe, dass man etwas auf die Beine stellen kann. Und dass es schön ist."

Teilansicht des Rohbaus der Ferienanlage in Tahanaoute (Foto: Christine Harjes)

Teilansicht des Rohbaus der Ferienanlage in Tahanaoute

Die Mittdreißigerin passt in kein Klischee - weder in das der Karrierefrau, noch in das einer Umweltaktivistin. Sie trägt praktische und trotzdem feminine helle Leinensachen. In ihren Wanderstiefeln läuft sie die Baustelle ab. Mit einem grauen Turban schützt Salima ihre schwarzen Haare vor der sengenden Sonne - so, wie die Berber.

Salimas Augen spiegeln die Leidenschaft für ihre Arbeit wider, als sie ins Innere des Rohbaus geht. Hier herrscht eine angenehme Kühle nach der brütenden Hitze von über 40 Grad. "Schon mit gesundem Menschenverstand erkennt man, dass Lehm besser ist", sagt sie und verweist auf die niedrige Temperatur. "Wenn es ohne Klimaanlagen geht, dann machen wir's doch besser ohne." Denn die schadeten Umwelt und Gesundheit.

Ideale Eigenschaften

Die Häuser aus Lehm könnten eine ideale Lösung für Marokko sein, wo es im Sommer sehr heiß wird und im Winter kalt. Der Lehm speichert Wärme und reguliert die Luftfeuchtigkeit, weil das Material Feuchtigkeit schnell aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben kann. Das spart Energie und Kosten in einem Land, das 90 Prozent seiner Energie für viel Geld importieren muss.

Auf dem Bau ist Salima die uneingeschränkte Chefin. Niemand käme hier auf die Idee, sie nicht ernst zu nehmen. Salima hat in Paris studiert und nach ihrem Abschluss eine Zeit lang auf Baustellen in Frankreich gearbeitet. Dort habe sie als Frau viel mehr Schwierigkeiten gehabt als in Marokko: "Die Arbeiter respektieren eine Frau auf der Baustelle und wenn man die Arbeiten länger begleitet, dann baut sich auch ein Vertrauensverhältnis auf."

Das zeigt sich auch auf der Baustelle in Tahanaoute. Die Bauarbeiter schätzen Salimas Kompetenz und Einstellung. "Salima hat sich wieder unserem Erbe zugewandt", sagt beispielsweise Abdel. "Ich will mein Haus genauso bauen. Aus Lehm."

Autorinnen: Nadja Lamrani Alaoui und Christine Harjes

Redaktion: Dеnnis Stutе

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