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Wirtschaft

Leichtes Aufatmen an den Börsen

An den Börsen geht eine turbulente Woche zu Ende. Erst rauschten die Kurse tagelang steil bergab. Jetzt, zum Ende der Handelswoche, beruhigte sich die Lage etwas. Die Nervosität an den Aktienmärkten dürfte aber anhalten.

Zickzack-Kurs an den Börsen (Foto: dpa)

Zickzack-Kurs am Aktienmarkt

Die Anleger haben wieder Mut gefasst, zumindest vorerst. Der deutsche Leitindex Dax rutschte am Freitag (12.08.2011) nach schwachem Start bis auf ein Tief bei 5678 Punkten, knüpfte dann aber schnell an seine Erholung vom Vortag an und schloss mit einem Plus von 3,45 Prozent bei 5998 Punkten.

Am Donnerstag hatte das wichtigste deutsche Aktienbarometer in Frankfurt am Main bereits das erste Plus nach elf Verlusttagen in Folge verbucht. In den Tagen zuvor hatte der Index bis zu 25 Prozent verloren. Das Verbot von Leerverkäufen in einigen Ländern treibe den Dax an, und im Zuge der steigenden Kurse kauften auch die Investoren eifrig, die zuvor auf weiter fallende Kurse gesetzt hätten, da sind sich viele Aktienhändler einig.

Leichtes Aufatmen an den großen Börsen

Der Bär, Symbol für die Abwärtsbewegung der Börsen (Foto: dpa)

Der Bär, Symbol für die Abwärtsbewegung der Börsen

Auch an den anderen großen europäischen Börsenplätzen hat sich die Lage zum Wochenschluss leicht entspannt. In London schloss die Börse am Freitag mit einem Tagesplus von drei Prozent, in Madrid mit 4,8 Prozent. In Paris und Mailand legten die Kurse um vier Prozent zu, in Zürich um 4,3 Prozent. Zuvor hatten die asiatischen Börsen uneinheitlich geschlossen. Der Nikkei-Index in Tokio ging mit einem leichten Minus aus dem Handel, die Börsen in Sydney und Hongkong mit einem leichten Tagesplus.

Die New Yorker Wall Street beendete den letzten Handelstag der Börsenwoche ebenfalls im grünen Bereich. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte stieg um 1,13 Prozent auf 11.269 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verbesserte sich um 0,53 Prozent auf 1178 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq rückte der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,69 Prozent auf 2182 Punkte vor. Offenbar beflügelt wurden die US-Aktienmärkte durch ein Umsatzplus im US-Einzelhandel. Dieses deutete auf ein gestiegenes Verbrauchervertrauen hin, was wiederum die Angst vor einer erneuten Rezession dämpfen könnte.

Die Unsicherheit bleibt

Börsenhändlerin in Frenkfurt am Main (Foto:dpa)

Wohin führt der Weg. die Frage scheint der Börsenhändlerin ins Gesicht geschrieben.

Den Aktienmärkten insgesamt dürfte angesichts der starken Unsicherheit der Anleger aber in der neuen Woche weiterhin eine Berg- und Talfahrt bevorstehen.

Zuletzt hatten am Mittwoch wilde Spekulationen über eine mögliche Abwertung der französischen Spitzenbonität AAA durch die führenden Ratingagenturen und über die Stabilität des französischen Bankensektors die Märkte in Panik versetzt. So hatten Gerüchte über eine mögliche Pleite der zweitgrößten französischen Bank Société Générale den Aktienkurs des Bankhauses um mehr als 20 Prozent einbrechen lassen. Inzwischen erholte sich der Kurs.

Leerverkäufe von Aktien eingeschränkt

Als Reaktion auf die Finanzmarkt-Turbulenzen hat die Börsenaufsicht in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien vorläufig sogenannte Leerverkäufe bestimmter Aktien verboten. Damit soll vor allem die Möglichkeit eingeschränkt werden, aus der Verbreitung falscher Gerüchte Profit zu schlagen. Leerverkäufe stehen im Ruf, Aktienkurse kräftig ins Rutschen bringen zu können. Mit dem Instrument wetten Spekulanten auf sinkende Kurse von Aktien, Währungen oder Schuldpapieren. Bei gedeckten Leerverkäufen leihen sie bei einem Anbieter ein Wertpapier für eine bestimmte Zeit und verkaufen es sofort weiter. Am Ende der Ausleih-Zeit kaufen sie ein Papier derselben Art zurück und geben es an den Verleiher zurück. Ist der Kurs tatsächlich gefallen, ist die Wette aufgegangen. Die Kursdifferenz abzüglich der Leihgebühr ist der Gewinn. Bei ungedeckten Leerverkäufen werden die Wertpapiere gar nicht erst geliehen.

In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und von Staatsanleihen von Euro-Ländern bereits seit vergangenem Sommer per Gesetz untersagt. So begrüßte dann das Bundesfinanzministerium auch den vorübergehenden Stopp hoch spekulativer Finanzgeschäfte in vier weiteren Euro-Ländern und forderte eine europaweite Ausweitung der Maßnahme. Nur mit einem weitgehenden Verbot könne einer zerstörerischen Spekulation überzeugend begegnet werden, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.

Allerdings gilt ein EU-weites Verbot als unwahrscheinlich. So erklärte die niederländische Finanzaufsicht bereits, dass Leerverkäufe "unter normalen Umständen" eine wichtige Rolle für die Preisfindung spielten. Auch aus Großbritannien kommt Widerstand.

Gute Nachrichten aus Portugal

Die internationalen Geldgeber bescheinigten dem hochverschuldeten Euro-Land Portugal Erfolge bei den bisherigen Maßnahmen zur Sanierung der Staatsfinanzen. "Die allgemeine Evaluierung ist sehr positiv", erklärte der Vertreter der Europäischen Kommission, der Deutsche Jürgen Kröger, am Freitag in Lissabon. Mit der positiven Bewertung der EU, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank wird für Portugal der Weg frei für den Erhalt einer neuen Tranche des 78 Milliarden Euro schweren Hilfspakets.

Kröger schloss aber nicht aus, dass 2012 neue zusätzliche Steuererhöhungen in Portugal notwendig werden könnten.

Autorin: Ulrike Quast (rtr, dpa, afp, dapd)
Redaktion: Ursula Kissel / Martin Schrader

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