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Politik

Leichter Rückenwind für den Klimaschutz

Beim Thema Klimaschutz gibt es leichte Bewegung auf dem G8-Gipfel: Mit dem Segen der USA wird nun das Kyoto-Protokoll im Abschlussdokument genannt, konkrete Zahlen allerdings nicht. Doch die Gegensätze werden kleiner.

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Bush hat nichts mehr gegen das Wort Kyoto

Die Gespräche wurden überschattet von den Terror-Anschlägen in London. Doch der britische Premier Tony Blair betonte: "Wir werden unsere Beratungen im Interesse einer besseren Welt fortsetzen." Und in Sachen Klima scheint sich nun tatsächlich was zu bewegen auf dem G8-Gipfel im schottischen Gleneagles.

Man ist bemüht, die Amerikaner auch ohne das Kyoto-Protokoll mit ins Boot zu holen. Nach deutschen Angaben wollen sich die USA den Zielen des Protokolls weitgehend anschließen. Und das Wort "Kyoto" soll sogar in der gemeinsamen Abschlusserklärung vorkommen, was bisher ein Ding der Unmöglichkeit war. Konkrete Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen würden aber nicht genannt, sagte der deutsche Unterhändler Bernd Pfaffenbach.

US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair hatten schon zu Beginn der Beratungen die Notwendigkeit betont, eine gemeinsame Linie beim strittigen Thema Klimaschutz zu entwickeln.

G8 Gipfel in Gleneagels Konferenzraum Teilnehmer

Die Teilnehmer des G8-Gipfels wollen die USA beim Klimaschutz dabeihaben - auch ohne Kyoto. Aber wie?

"Gemeinsamer langfristiger Weg"

Bush sagte am Donnerstag (7.7.), abseits der Meinungsverschiedenheiten über das Kyoto-Protokoll müsse ein gemeinsamer langfristiger Weg gefunden werden, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Dabei müssten auch wichtige Schwellenländer wie China und Indien einbezogen werden, die inzwischen zu den großen Energieverbrauchern und damit auch Schadstoffemittenten zählen. Bislang hatte Bush stets den Zusammenhang zwischen dem industriellen Ausstoß von Treibhausgasen und der Erderwärmung geleugnet. Nun erkennt auch er an, dass bei der Erderwärmung "der menschliche Faktor" wohl eine Rolle spiele.

Wirklicher Willenswandel?

Vertreter von Greenpeace International äußerten sich in Gleneagles dennoch skeptisch. Sie bezweifeln, dass Bush grundsätzlich seine Meinung geändert habe, und befürchten, dass es eine windelweiche Abschlusserklärung der G8 zum Klimawandel geben wird. "Das ist leider alles Lug und Trug", schimpft Daniel Mittler von Greenpeace. "George Bush hat auch schon 2001 zugegeben, dass der Mensch zumindest einen Teil des Klimawandels verursacht."

Keine Bewegung

Terroranschlag in London Tony Blair Rede in Fernsehen BdT

Tony Blair: Die Anschläge überschatteten die Klima-Beratungen

Gastgeber Tony Blair sagte, an den unterschiedlichen Positionen zum Kyoto-Protokoll mit seinen konkreten Zielwerten für eine Verringerung des Schadstoffausstoßes werde sich kaum etwas ändern. Man wolle aber ausloten, ob es möglich sei, wieder auf einen gemeinsamen Weg zu kommen. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach zwar von einem "kleinen Fortschritt", sagte aber auch, es gebe weiterhin Unterschiede bei der Bewertung des Kyoto-Protokolls.

Bush erklärte, seine Position zum Klimaschutz sei gleichgeblieben. Was er nicht habe mittragen wollen, sei ein Weg, der die amerikanische Wirtschaft in Gefahr gebracht und der die Schwellenländer außen vor gelassen hätte. Es gebe bessere Ansätze. Jetzt sei die Zeit, über die Kyoto-Periode, die sich auf das Jahr 2012 beziehen, hinauszugehen und eine Vorwärtsstrategie zu entwickeln, die nicht nur die USA mit einschließen, sondern auch die Entwicklungsländer.

Neue Technologien oder Verschleppungstaktik

US-Präsident Bush will die Klimaprobleme nach wie vor mit größeren Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien angehen. Dies würde auch der Wirtschaftsentwicklung Impulse geben, sagte er in Gleneagles. Zudem sei es nötig, auf diesem technologischen Feld enger zusammenzuarbeiten und Informationen auszutauschen, etwa bei der Entwicklung der Wasserstofftechnologie für Autoantriebe. Es sei durchaus nicht so, dass die USA das Klimaproblem vernachlässigten.

Die Umweltschutzorganisationen halten das für eine reine Verhinderungspolitik. Nicht umsonst sei das am meisten umstrittene Wort in der G8-Erklärung zum Klimaschutz das Wort "urgent". Die Amerikaner wollen es nicht in der Erklärung haben, denn es heißt "dringend".

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