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Wirtschaft

Leichenfledderer oder seriöse Investoren?

"Geier-Fonds zerschlagen die Deutschland-AG": Der Ruf von US-Beteiligungsgesellschaften wie Cerberus ("Höllenhund") ist nicht der beste. "Private Equity" macht Unternehmern Angst, nicht mehr Herr im Haus zu sein.

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Nicht nur an der Börse gibt es böse Geister


Wenn das Telefon klingelt, zuckt mancher Unternehmenslenker in deutschen Landen zusammen. Erster Gedanke: Hoffentlich ist niemand von Fortress, Apax oder Carlyle mit einem "Private Equity"-Angebot am anderen Ende der Leitung. Den US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaften geht inzwischen in deutschen Vorstandsetagen ein Ruf wie ein Donnerhall voraus.


Auch Vorstandschef Michael Frenzel von Europas grösstem Touristik-Konzern TUI, muss solche Offerten fürchten.

Was vom Bundesverband deutscher Kapital-Beteilungsgesellschaften freundlich "als Finanzierungsalternative für nicht börsennotierte Unternehmen" beschrieben wird, treibt einigen Wirtschaftsgebietern den Angstschweiß auf die Stirn. Anlagespezialisten aus den USA haben sein Unternehmen ins Visier genommen.

Unternehmensjäger auf Jagd

So geschehen 1988 im Mutterland der Kapitalmärkte. Da brachte der US-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) die Branche als "Corporate Raider" (Unternehmensjäger) gründlich in Misskredit, als der Nahrungsmittel-Riese Nabisco zerschlagen wurde. Das Unternehmen wurde praktisch zerfleddert, Tausende Mitarbeiter flogen auf die Strasse, um später einzelne Unternehmensbereiche gewinnbringend an die Börse zu bringen.


Damals wurde auch die Methode des "Leveraged Buy-Out" (fremddinanzierter Firmenkauf) erfunden. KKR kauft auf diese Weise Unternehmen mit Fremdkapital. Die Schulden zahlt die Beteiligungsgesellschaft mit Barmitteln des erworbenen Unternehmens, das praktisch ausgesaugt wird. Für die Käufer ist die Transaktion ein gutes Geschäft.

Aber die US-Investmentgesellschaften sind freundlicher geworden. So sind die wilden, vom gierigen Turbokapitalismus bestimmten Zeiten für Apax vorbei. Die Amerikaner sind bei ihren Beteiligungen inzwischen mit einer Rendite von 5 Prozent über dem Aktienmarkt zufrieden. Früher waren bei den Jägern der verborgenen Schätze Renditen von über 20 Prozent an der Tagesordung.

Mittelstand skeptisch

Der deutsche Mittelstand steht der Entwicklung, dass sich Beteiligungsgesellschaften bei ihnen engagieren wollen, mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits brauchen mittelständische Unternehmer frisches Kapital von außen, um wachsen zu können – anderseits wollen die Firmenlenker weiter über ihr unternehmerisches Schicksal allein entscheiden, wie Dr. Sanita Schröer vom Bonner Institut für Mittelstandsforschung festgestellt hat.

Aber die deutschen Unternehmen – ob groß oder klein - werden sich umstellen müssen. Denn für viele fällt die Börse als Finanzierungs-Quelle wegen geringer Größe sowieso aus – ausserbörsliche Finanzierungen wie "Private Equity" bieten sich hier als Alternative für deutsche Unternehmer an.