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Leichenblasse Leichname

Ob uns Leichen nun faszinieren oder anekeln, ob wir nun Krimis mit Gerichtsmedizinern lieben oder Beerdigungen meiden: An der Leiche, dem toten Körper, kommen wir nicht vorbei. Denn sterben müssen wir alle.

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Leichenblasse Leichname

Von Halloween, der Nacht der lebenden Toten, über Allerseelen, dem kirchlichen Gedenktag für alle Verstorbenen bis zum Totensonntag: Der November ist traditionell der Monat, in dem der Tod allgegenwärtig ist. Die Tage werden dunkel, der November-Blues, Vorbote des nahenden Winters, macht sich breit, und die Menschen besuchen die Gräber ihrer Angehörigen. Grund genug, sich einmal wieder mit dem Tod zu beschäftigen – diesmal jedoch frei von Sinnfragen.

Leiche und Leichnam

Eine Leiche ist ein toter Körper. Der kann vom Menschen oder von einem Tier stammen. Für den menschlichen toten Körper gibt es auch das Wort „Leichnam“, was dasselbe bedeutet wie „Leiche“, nur etwas vornehmer klingt. Bekannt ist es vor allem durch das christliche Fest „Fronleichnam“. Dieses hat nichts mit „froh“ zu tun, auch wenn wir als Kinder diesen Feiertag gerne „Happy Kadaver“ nannten. Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Leib des Herrn“.

Ein verendetes Rind liegt auf einem trockenen Acker (picture-alliance/dpa/N. Bothma)

Bei toten Tieren spricht man von „Kadavern“

Hin und wieder spricht man auch von der „sterblichen Hülle“ eines Menschen. Dieser christliche Begriff deutet darauf hin, dass die unsterbliche Seele den toten Körper verlassen hat. Bei Tieren ist die deutsche Sprache nicht so feinsinnig. Statt „Leiche“ sagt man hier einfach „Tierkörper“. Und bei den Begriffen „Kadaver“ und „Aas“ schwingt schon ein guter Teil Verwesung mit.

Faszinierende Leichen

Auch wenn Tod und Sterben gerne verdrängt werden: Leichen faszinieren uns sehr. Kein Kriminalroman kommt ohne einen Leichenfund aus. Neben Polizisten und Privatdetektiven werden auch in deutschen Krimis Pathologen, Forensiker und Gerichtsmediziner immer wichtiger.

Die rekonstruieren den Mord mit Hilfe einer Autopsie. Sie stellen den Todeszeitpunkt des Mordopfers fest, überführen den Täter mit DNA-Spuren und rekonstruieren den Tathergang mit wissenschaftlichen Methoden, die uns regelmäßig zum Staunen bringen.

Über Leichen gehen

Schubladenregal in einem Eisenwarenladen (picture alliance/chromorange/W. Cezanne)

Hier findet sich bestimmt so manche Karteileiche

Auch in Redewendungen tritt die Leiche gern im kriminellen Kontext auf. Jemand, der vor nichts zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen, geht sprichwörtlich über Leichen. Von ihm heißt es auch: Leichen pflastern seinen Weg. Wer noch Leichen im Keller hat, der hat seine „kriminelle“ Handlung schon begangen, hat Dinge getan, die auf keinen Fall ans Licht kommen dürfen.

Wer allerdings sagt: „Nur über meine Leiche!“, der will etwas um jeden Preis verhindern. Auch derjenige, der ruft: „Eher sterbe ich, bevor das geschieht!“ signalisiert damit, dass sie oder er nicht bereit ist, das von ihr oder ihm Verlangte zu tun. Wie harmlos ist dagegen doch die Karteileiche, jemand der in einem Verein nicht mehr aktiv ist, aber dennoch als Mitglied geführt wird.

Bitte keine Leichenbittermiene

Allgemein nicht gern gesehen wird die Leichenbittermiene. Wer sie trägt, sieht traurig, schlecht gelaunt oder verbittert aus. Und so waren sie wahrscheinlich wirklich, die schwarz und ärmlich gekleideten „Leichenbitter“ in der Zeit, als es noch keine Todesanzeigen gab, weil es noch keine Zeitung gab.

Nach Mafia-Morden - Beerdigung (picture-alliance/dpa)

Sargträger geben den Toten das letzte Geleit

Der Leichenbitter oder die Leichenbitterin ging von Haus zu Haus und erzählte den Dorfbewohnern, dass jemand gestorben war. Leichenbitter „baten zur Leiche“, also zur Beerdigung. Allerdings durften sie das Haus nicht betreten, denn niemand wollte den Tod in sein Haus lassen. Stattdessen warfen ihnen die Hausbewohner Münzen oder ein Stück Brot zu. Leichenbitter organisierten das Begräbnis, bezahlten Sargträger und Pfarrer und sorgten für das Totenmahl, den Leichenschmaus, Aufgaben, die heute der Bestatter übernimmt.

Lebende Tote

Eine Leiche ist tot. Wer also von einer „toten Leiche" spricht, hat irgendetwas nicht verstanden. Doch manchmal ist sich die Sprache doch nicht ganz sicher. Denn es gibt Menschen, die so leichenblass sind, dass sie wie eine wandelnde Leiche aussehen, manchmal auch wie eine Leiche auf Urlaub.

Zombie Boy (AP)

Bei Grufties nicht nur an Halloween beliebt: der Zombie-Look

Und dann gibt es noch den Grufti(e), jemand, der so alt ist, dass er schon mit einem Bein im Grab steht. Nicht nur Eltern kennen das, wenn ihr Nachwuchs sie scherzhaft so bezeichnet. Aber den Grufti(e) gibt es auch in jung. Der schminkt sich weiß und kleidet sich schwarz, trifft sich gerne nachts auf Friedhöfen und liebt die Gothic-Kultur mit allem, was dazugehört. Ihr Kern: Tod und Sterben.

Zombies unter uns?

Die Moorleiche ist wirklich tot, die Schnapsleiche wird höchst wahrscheinlich wieder lebendig, wenn sie erst mal nüchtern ist. Zum Glück nur in Horrorgeschichten existiert der Zombie, ein sogenannter „Untoter“. Eine solche wandelnde Leiche, die hin und wieder aus dem Totenreich zu uns kommt, die ewige Ruhe einfach nicht finden kann und natürlich total böse ist, gibt es zum Glück nicht wirklich. Oder?

 

 

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