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Wirtschaft

Lehrreiche Friedhofsruhe

Mit dem Untergang der "New Economy" wurden millionenschwere Investitionen zu Grabe getragen. Doch die Friedhofsruhe scheint vorbei: Mehr als drei Jahre nach dem Niedergang regt sich Optimismus in der Internet-Wirtschaft.

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Internet-Aktien:
Bald wieder gefragt?

Fahndet man im Internet nach den Überresten des Booms, so scheint es, als habe jemand alle Spuren verwischt. Verschwunden sind die Lobeshymnen auf Unternehmen, die nie einen Cent Umsatz oder Gewinn gemacht hatten. Die Analystenempfehlungen für Aktien, die Tage später ins Bodenlose fielen. Der Jubel, als der heute längst begrabene Neue-Markt-Index (NEMAX) den Deutschen Aktienindex (DAX) überholt hatte.

Vergangene Verrücktheiten

Nur einige alte Zeitungsartikel zeugen noch von dem Wahnsinn der Jahrtausendwende. Da beschwört der Economist Ende 1999 den wahren Wert des Day-Tradings. Zur Erinnerung: Es handelte sich um meist unerfahrene Aktienspekulanten, die durch ständiges An- und Verkaufen von Werten ein Vermögen verdienten. Die meisten von ihnen waren es ein Jahr später wieder los.

Das Magazin Forbes berichtet im Frühjahr 2000 davon, wie das Unternehmen buy.com Produkte unter dem Einkaufspreis verkauft und über Werbung versucht, Gewinne zu machen. Die Verluste bewegten sich im Bereich von 40 Millionen Dollar im Jahr, die Börsianer interessierte dies nur wenig.

Spekulationsblase geplatzt

So spektakulär wie der rasante Aufstieg der "neuen" Wirtschaft war ihr Zusammenbruch. 5000 Unternehmen verschwanden binnen Monaten vom Markt, die amerikanische Technologiebörse NASDAQ verlor 80 Prozent ihres Werts.

Seitdem herrscht eine gespenstische Ruhe um alles, was sich im weitesten Sinne einer "New Economy" zurechnen lässt. Auf Internet-Friedhöfen wie dem "Business Plan Archive" lagern zahllose gescheiterte Geschäftsideen.

Für Wirtschaftswachstum wird unterdessen andernorts gesorgt. Die Newsweek nennt es die "Revanche der Old Economy": Besonders die Firmen des traditionellen US-Aktienindex Dow Jones tragen derzeit zum Wirtschaftswachstum in den USA bei. In den letzten sechs Monaten hat der Index um ein Drittel zugelegt.

Solides Wachstum

Doch allmählich zeigt sich, dass die Ruhe den Internet-Unternehmen nicht geschadet hat. Die Unternehmen, die schon Ende 1999 regelmäßig in den Schlagzeilen waren, haben überlebt - und zeigen heute wirkliches Wachstum.

Ende des Neuen Markts?

Längst Geschichte: der Neue Markt

Bei Amazon wurden 2002 erstmals Gewinne gemacht. 2003 werden es wohl schon weit über 300 Millionen Dollar sein. Auch die Suchmaschine Yahoo und das Internet-Auktionshaus eBay schreiben mittlerweile solide schwarze Zahlen - und sorgen damit für Zuversicht in der Branche.

Schnellerer Zugang, bessere Anwendungen

Ein Grund für den zunehmenden Erfolg der Online-Angebote liegt auf der technischen Seite. Zum einen sind Internetanschlüsse nun in fast jedem durchschnittlichen Haushalt in Westeuropa und den USA zu finden. Zum anderen wächst auch der Markt für schnelle Verbindungen. Nach einer OECD-Studie hat sich die Zahl der Breitbandanschlüsse in den Mitgliedsländern innerhalb von zwei Jahren verfünffacht.

Darüber hinaus zeigt sich immer deutlicher, mit welchen inhaltlichen Angeboten man im Internet tatsächlich Geld verdienen kann. So haben in Deutschland die Billigflieger mit ihren Online-Buchungssystemen das Interesse am Internet-Geschäft geweckt. Auch das Mitbieten bei eBay ist zum Volkssport in den Industrieländern geworden. Und wer schon einmal erfolgreich bei Amazon gekauft hat, wird auch für andere Online-Händler offen sein.

Aktien im Aufwind

Schon zeigt der Aktienmarkt wieder sein altes Gesicht. Die Aktie von Amazon liegt bereits wieder bei der Hälfte der alten Höchststände. Sie hatte zeitweise 90 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Endlich steht auch wieder ein Börsengang eines "dotcom"-Unternehmens an. Die Suchmaschine Google, unangefochtener Marktführer, stellt Anfang 2004 ihre Aktien zum Verkauf. Dabei will man neue Wege gehen: Ein Teil der Aktien soll über das Internet versteigert werden. Anzeichen, dass 2004 die Friedhofsruhe vorbei sein könnte. Dann zeigt sich, ob auch Börsianer lernfähig sind.

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