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Aktuell Welt

Lehrmeister Wen

Regierungschef Wen machte seinem Unmut über das lange und quälende Ringen der Europäer in ihrem Schuldendebakel Luft, ging dann in Peking aber doch auf Kanzlerin Merkel zu: China werde in der Finanzkrise helfen.

Der chinesische Premier Wen Jiabao vor der Presse in Peking (foto:dapd)

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Eigentlich war das Schlusswort schon gesprochen, man hatte sich gegenseitig derzeit guter deutsch-chinesischer Beziehungen versichert und ein weiteres Zusammenrücken verkündet. Doch dann kam auf der Pekinger Pressekonferenz der Regierungschefs Wen Jiabao und Angela Merkel noch eine Frage zur Euro-Zone. Und Wen wurde für seine Verhältnisse ungewöhnlich deutlich:

Er persönlich habe "ganz große Sorgen" wegen der Eurokrise. Die Europäer müssten endlich entschlossen handeln. Und der Ministerpräsident wurde konkret: Man sorge sich um einen Austritt Griechenlands aus dem Währungsverbund und darum, ob große Länder wie Deutschland wirklich Verantwortung für die Partner übernehmen würden. Kritisch wären auch milliardenschwere Rettungspakete für Spanien oder Italien, dozierte er. Indirekt bemängelte er auch Merkels Kurs in der Krisenbewältigung mit der Bemerkung, eine reine Sparpolitik könne im übrigen die Probleme gar nicht lösen.

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Merkel in China: Megadeals und Menschenrechte

Abschließend schlug Wen jedoch wieder versöhnliche Töne an und versicherte auch, dass die Volksrepublik zu weiteren Investitionen bereit sei, "wenn die Bedingungen das zulassen". In enger Abstimmung mit EZB und IWF wolle China der EU helfen, aus dem Dilemma herauszukommen. Nach den Erörterungen mit Merkel sei sein Vertrauen wieder gewachsen, so der Premier zaghaft vor der internationalen Presse.

China verfügt über Devisenreserven von 3,2 Billionen Dollar. Das Land investiert überwiegend in Dollar, ist aber auch an einem starken Euro interessiert. Die Volksrepublik kaufte unter anderem Griechenland-Anleihen und engagiert sich mit 43 Milliarden Dollar bei der Aufstockung des IWF.

Zum Abschluss bei Airbus

Merkel und ihre Ministerriege besuchen an diesem Freitag zum Ausklang der deutsch-chinesischen Konsultationen in Tianjin südöstlich von Peking das Airbus-Montagewerk. Der Flugzeughersteller bekam aus China einen Großauftrag für 50 Maschinen des Typs A320 im Volumen von 3,5 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro).

Volkswagen baut in der Hafenstadt ein neues Getriebewerk. Produktionsstart soll im Oktober 2014 sein, es könnten 1.500 Arbeitsplätze entstehen. VW will aber auch entschlossen gegen den Diebstahl eigener Patente in China vorgehen. VW werde sein geistiges Eigentum mit aller Konsequenz schützen, auch in China, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn dem "Handelsblatt".

SC/haz (rtr, dapd)

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