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Deutschlehrer-Info

Lehrkräfte dringend gesucht

Fast überall in Deutschland herrscht akuter Lehrermangel. Oft bestreiten deshalb Quereinsteiger oder Pensionäre den Unterricht, und mittlerweile werden sogar Studenten heimlich als Klassenlehrer eingestellt.

Es sieht nicht gut aus in deutschen Klassenzimmern: Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind im Sektor „Erziehung und Unterricht“ 45.000 Stellen von rund 750.000 Lehrerposten nicht besetzt. Viele Fächer könnten nur noch sporadisch oder gar nicht mehr unterrichtet werden. Gründe dafür gibt es mehrere: Zum einen steigen wegen der Zuwanderung die Schülerzahlen, zum anderen gehen derzeit viele Tausende Lehrer in Pension. Außerdem haben zahlreiche Universitäten das Grundschulstudium zum Masterstudium verlängert, was die Zahl der Absolventen erst mal verringert. „Der Markt ist wie leer gefegt“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung.

„Feuerwehr-Lehrkräfte" gegen Lehrermangel

Ein Mann schreibt Willkommensklasse an die Tafel (picture-alliance/dpa)

Dass viele Flüchtlinge jetzt auch Unterricht brauchen, ist einer der Gründe für den Lehrermangel

Deswegen müssen die Schulen sich etwas einfallen lassen, um vakante Stellen zu besetzen. So lockt man zum Beispiel in Niedersachsen Pensionäre, die weitermachen, mit einem achtprozentigen Gehaltszuschlag. Und Akademiker ohne Lehramtsausbildung bekommen hier unbefristete Verträge. „Die nehmen jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist", sagt ein Rektor.

Anderswo werden sogar Studierende und Leute ohne Referendariat als Lehrkräfte, mitunter auch als Klassenlehrer angeworben. Allerdings wissen Schüler und Eltern in der Regel nichts davon. Wenn Ramona Seeger in Bremen vor ihren Schülern steht, ist sie eine Lehrerin wie jede andere. Selbstbewusst unterrichtet die 29-Jährige Politik und Deutsch. Pro Klasse ist die junge Frau für bis zu 26 Schüler verantwortlich. Nur im Kollegium ist bekannt, dass Seeger noch kein Referendariat hat: „Wir werden Feuerwehr-Lehrkräfte genannt“, erzählt sie.

Klassenlehrer ohne Examen

Jugendliche sitzen am Tisch und schreiben (Imago/Jochen Tack)

Manche Fächer werden nur noch sporadisch unterrichtet

Mittlerweile werde im Stadtstaat Bremen jede elfte Unterrichtsstunde nicht von einer voll ausgebildeten Lehrkraft gegeben – oder sie falle ganz aus, teilte kürzlich die Bildungsgewerkschaft  in Bremen mit. Ramona Seeger hat viele Bekannte, die ohne abgeschlossenes Studium als Lehrer arbeiten. „Es gibt Leute, die im Master studieren und eine Klassenleitung übernehmen“, erzählt sie. Laut dem Bildungsressort in Bremen sind solche Fälle Ausnahmen. „Wir arbeiten daran, dass niemand ohne zweites Staatsexamen als Klassenlehrer tätig ist“, so Sprecherin Annette Kemp.

Die Studenten selbst wollen meist nicht öffentlich über ihren verantwortungsvolle Posten sprechen, denn sie haben Angst, Ärger zu bekommen oder ihre Karriere zu gefährden. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert die Entwicklung: „Dass Studierende einzelne Unterrichtsstunden halten, ist ganz normal.“ Als Ersatz für ausgebildete Lehrkräfte dürften sie aber nicht eingesetzt werden, sagt Ilka Hoffmann vom GEW-Hauptvorstand. „Zu dem Beruf gehöre eine solide pädagogische und fachliche Ausbildung.“

suc/ip  (mit dpa)

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