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Nahost

Leere Kassen in Dubai

Das Emirat war bislang vor allem für seine gigantischen Bauprojekte bekannt. Öl gibt es hier im Überfluss - und damit auch Geld, so glaubte man. Doch jetzt steckt das Emirat in Zahlungsschwierigkeiten.

Aktienhändler an der Börse von Dubai (Foto:ap)

Aktienhändler an der Börse von Dubai

Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass in Dubai eine gigantische Party gefeiert wurde - mit dem größten Feuerwerk aller Zeiten, jeder Menge Hollywood-Stars und knapp zwei Tonnen Hummer. Im November 2008 wurde die künstliche Insel Palm Jumeirah eröffnet, eines der größten und teuersten Bauprojekte der Welt. Milliardenschwere Kredite wurden für das Prestigeobjekt aufgenommen, doch aufgrund der Finanzkrise ist mittlerweile unklar, ob das Emirat diese überhaupt zurückzahlen kann.

Dubai erlebt das Ende des Booms

Eröffnung der Inselgruppe The Palm Jumeirah in Dubai (Foto:ap)

Vor einem Jahr wurde 'The Palm Jumeirah' mit einem Riesenfeuerwerk eröffnet

Jahrzehntelang hatte Dubai als Teil der Vereinigten Arabischen Emirate geradezu märchenhafte Wachstumsraten zu verzeichnen. Doch die globale Finanzkrise hat Dubai weit stärker getroffen als seinen Nachbarn Abu Dhabi. Schon im vergangenen Februar hatte das Emirat eine Staatsanleihe ausgeben müssen, um zusätzliche Geldmittel lockerzumachen. Damals war Abu Dhabi in die Bresche gesprungen, das die Folgen der Wirtschaftskrise aufgrund deutlich höherer Einnahmen aus dem Öl-Geschäft deutlich besser abfangen konnte. Seither wird jedoch in der globalen Finanzwelt darüber gemunkelt, wie hart die Krise Dubai tatsächlich getroffen hat. Denn die Regierung des Emirates hatte in den vergangenen Monaten immer wieder empfindlich reagiert, wenn internationale Wirtschaftsmagazine über Probleme der großen Immobiliengesellschaften in Dubai berichteten. Und auch jetzt versucht Dubais Regierung, Optimismus zu verbreiten. Sie erklärte, für das erste Quartal 2010 werde bereits wieder ein Wirtschaftswachstum von zwei bis drei Prozent erwartet, von 2011 an werde man wieder Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent erreichen.

Regierung will Zahlungsaufschub

Den Aufruhr an den internationalen Finanzmärkten konnte Dubais Regierung damit aber nicht verhindern. Sie musste nämlich trotz der positiven Wirtschaftsprognose die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um einen Zahlungsaufschub bitten. Die beiden Firmen sind verantwortlich für den Bau der Palmen-Inseln vor Dubais Küste, haben aber mittlerweile einen beachtlichen Schuldenberg aufgehäuft. Das Emirat selbst ist mit umgerechnet rund 80 Milliarden US-Dollar verschuldet. 59 Milliarden davon, also rund drei Viertel der gesamten Staatsschulden, entfallen allein auf Dubai World. Nakheel wiederum hatte einen Kredit über 3,5 Milliarden US-Dollar aufgenommen, dessen Rückzahlung am 14. Dezember fällig wäre. Die Regierung des Emirates bat nun die Gläubiger um einen Zahlungsaufschub mindestens bis zum 30. Mai 2010. Damit solle auch Zeit für eine Umstrukturierung der beiden Unternehmen gewonnen werden.

Luftaufnahme der künstlichen Inselgruppe 'The Palm Jumeirah' (Foto:dpa)

'The Palm Jumeirah' ist nur das erste von mehreren künstlich aufgeschütteten Inselprojekten vor der Küste Dubais.

"Schockierendes Signal"

Internationale Vermögensverwalter bezeichneten das Signal aus Dubai als "schockierend". "Der Markt hat eigentlich eine pünktliche Rückzahlung der 3,5 Milliarden Dollar erwartet", sagte etwa Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum in Dubai. Nun sei viel Vertrauen zerstört worden. Außerdem verstärken sich nun die Sorgen, dass die Finanzklemme auch auf benachbarte Emirate wie Abu Dhabi und Katar sowie auf Saudi-Arabien übergreifen könnte. Zwar war allgemein erwartet worden, dass weltweit einzelne Staaten aufgrund der Finanzkrise in Zahlungsschwierigkeiten geraten würden. Bislang standen in diesem Zusammenhang aber eher Staaten wie Island oder die Ukraine im Rampenlicht. Gerade die Regierung in Kiew taumelt bereits seit Monaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit und übersteht die Krise bisher nur durch massive Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Autor: Thomas Latschan (dpa/rtr)
Redaktion: Anne Allmeling

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