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Aktuell Deutschland

Leere Bahnsteige, volle Straßen

Der erneute Streik hat den Zugverkehr weitgehend lahmgelegt. Gewerkschaftsführer Weselsky sieht die Schuld bei der Bahn. Weil viele Reisende auf das Auto umstiegen, waren die Straßen verstopft.

Durch den mittlerweile siebten Streik der Lokführergewerkschaft GDL sind Millionen Fahrgäste zum Umsteigen auf andere Verkehrsmittel gezwungen worden. Im Fernverkehr fuhr nur etwa jeder dritte Zug, im Nahverkehr rollten zwischen 15 und 60 Prozent der üblicherweise eingesetzten Züge. Für den bis Donnerstagabend geplanten Streik im Personenverkehr macht GDL-Chef Claus Weselsky die Deutsche Bahn verantwortlich. Man habe zwischenzeitlich durchaus Fortschritte gemacht, sagte er im hessischen Fulda, "aber das, was der Bahnvorstand am Ende geboten hat, war die blanke Provokation." Lokführer und Zugpersonal sollten in der Öffentlichkeit diskreditiert werden, klagte Weselsky.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL (Foto: dpa)

GDL-Chef Claus Weselsky auf dem Hauptbahnhof in Fulda

Mit dem erneuten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer weiteren Druck auf die Deutsche Bahn machen. Hauptstreitpunkt in dem Konflikt ist die Forderung der GDL, nicht nur für die Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter und Rangierführer eigene Tarifverträge abschließen zu wollen. Dies strebt aber auch die größere, konkurrierende Bahngewerkschaft EVG an, die bereits mit einem eigenen Streik droht. Die Bahn wiederum will unterschiedliche Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

Die Arbeitnehmerseite hatte die Verhandlungen mit der GDL nach 16 Runden ein weiteres Mal für gescheitert erklärt. Bahn-Personalchef Ulrich Weber hält den Streik für nicht nachvollziehbar. Man sei in den Verhandlungen nur noch "einen Meter von der Ziellinie entfernt" gewesen. Der Manager rief die Lokführergewerkschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Beide Seiten müssten sich bemühen, "sachlich, vernünftig und in Ruhe Ergebnisse zu erzielen".

Den Fernverkehr trifft es am härtesten

Der Streik im Personenverkehr begann um 02.00 Uhr (MESZ) und soll bis Donnerstagabend 21.00 Uhr andauern. Die Bahn hat einen Ersatzfahrplan ausgearbeitet. In Berlin, München, Dresden und Hamburg-Altona wurden Waggons als Übernachtungsmöglichkeit bereitgestellt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn lobte den Ersatzfahrplan der Bahn. "Der Plan wird gefahren, wie er veröffentlicht ist", sagte Vereinssprecher Gerd Aschoff. "Gemessen an den Umständen scheint das alles recht gut zu laufen", ergänzte er. An vielen Bahnhöfen zeigten sich Fahrgäste jedoch irritiert, dass gestrichene Züge nicht auf den Anzeigetafeln auftauchen - anders als im Internet. Vor den Infoständen der Bahn bildeten sich vielerorts Schlangen.

Private Bahnanbieter sind vom Streik nicht direkt betroffen - ihre Züge fahren. Allerdings kann es auch hier zu Behinderungen etwa durch blockierte Gleise kommen. Im Osten seien größere Auswirkungen des Streiks zu erwarten als in anderen Regionen, sagte eine DB-Sprecherin in der vergangenen Nacht. In Berlin und Hamburg bietet die S-Bahn auf den meisten Linien einen 20-Minuten-Takt. Die S-Bahnen in München und Nürnberg sollen im Stundentakt fahren.

Geduld ist gefragt – auch auf der Autobahn

Fahrgäste an einem Fernbus (Foto: dpa)

Fernbus-Unternehmen profitieren von dem Bahnstreik

Weil viele Berufspendler auf das Auto oder den Fernbus ausweichen, ist es auf den Autobahnen noch voller als sonst. In mehreren Bundesländern bildeten sich besonders viele Staus auf den Autobahnen. In Hessen und Rheinland-Pfalz waren die Strecken rund um das Rhein-Main-Gebiet besonders betroffen.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) reagierte mit Unverständnis auf den Ausstand. "Es muss Schluss sein damit, dass die GDL ihre Machtspiele auf dem Rücken der Bahnkunden austrägt", sagte Kuhn. Stuttgart und die Region seien auf einen funktionierenden Bahnverkehr angewiesen. Im Güterverkehr ist das Streikende für Freitag um 9.00 Uhr geplant. Die deutsche Wirtschaft befürchtet Verluste im dreistelligen Millionenbereich.

rb/stu/ago (afp, dpa, rtr)