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Sprachbar

Leer

Trostlos, traurig, unproduktiv: Nichts Schönes verbindet man mit dem Begriff "leer". Es sei denn, leere Flaschen werden wieder gefüllt. Oder volle Gläser geleert, um den Durst zu stillen.

Das Wort "leer" als Adjektiv, das zugehörige Substantiv "Leere" – also mit doppeltem "e" – und das Verbum "leeren" – ebenfalls mit zwei "e" geschrieben – bilden gewissermaßen als Dreigestirn das Stichwort dieser Woche.

Ist das Glas halbleer oder halbvoll?

Ein beliebtes Beispiel, um zu zeigen, was einen Optimisten vom Pessimisten unterscheidet, ist das mit dem halb gefüllten Glas. Ist es nun halbvoll oder halbleer. Fragten wir den Optimisten "halbvoll" wäre seine Antwort. Der Pessimist hingegen würde sagen, das Glas sei "halbleer".

"Leer" – denken wir noch einmal an den Pessimisten, der ja alles eher düster sieht – hat das, was man in der Sprachwissenschaft "negative Konnotationen" nennt. Nicht nur, aber überwiegend. "Konnotationen" sind zusätzliche Nebenbedeutungen eines Wortes. Ein Beispiel: "Leeres Gerede" bedeutet hohles, sinnloses, nutzloses Geschwätz.

Leere Teller, volle Mägen

Aber gehen wir hinaus aufs Land, denn da hat unser Stichwort seinen Ursprung. "Leer" geht auf eine germanische Grundform "lezia" zurück, die zum Wortstamm von "lesen", allerdings in der Bedeutung "sammeln", "auflesen" gehört. Im Herbst sind die Felder "leer", das heißt, alles was auf ihnen gewachsen war, ist aufgelesen, gesammelt, geerntet worden.

Die Felder sind leer, die Scheunen voll. "Leer" und "voll" findet sich als Gegensatzpaar in unzähligen Beispielen. Da haben wir die vollen und die leeren Taschen, den Magen, die U-Bahn, das Schwimmbad und die Badewanne, den Mülleimer, der – wenn er voll ist – von der Müllabfuhr geleert wird, den vollen und den leeren Briefkasten. Und dort auf dem Briefkasten der Post finden wir das Wort "Leerung" sogar mit der Zeitangabe, wann sie stattfindet. Aber "leer" lässt sich nicht hinreichend erklären, indem man es nur mit "voll" in Beziehung setzt.

Nichts als gähnende Leere

Das Gegenteil einer "leeren Wohnung" ist nicht die "volle Wohnung", sondern die möblierte, in der jemand oder mehrere wohnen. "Leer" bedeutet hier unbewohnt. Das wohl berühmteste Beispiel für "leer" gleich unbewohnt findet sich in der Bibel. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer". Ein leeres Haus hat etwas Trostloses, Trauriges. So ist es für jeden Schauspieler ein Alptraum, vor leeren Rängen, vor leerem Haus – nur ein paar Zuschauer sind gekommen – zu spielen.

"Leer" und "Leere" – und damit kommen wir zu den übertragenen Bedeutungen – sind nicht nur räumliche, quantitative Begriffe. Oft genug stehen sie für Inhaltsloses, ja Aussichtsloses, Vergebliches. Wer mit "leeren Händen" zurückkommt, hat das, was er oder sie erreichen wollte, nicht erreicht. Wer mit "leerem Blick" irgendwohin ins Ferne schaut, erwartet nichts mehr, ist betrübt oder gar hoffnungslos und fühlt nichts als "innere Leere". Da haben wir die "leeren Versprechungen", die "leeren Worte" und die "Leerformeln", die eigentlich nichts besagen, die inhaltsleeres Geschwätz sind.

Aus leer wird voll

Auch "Leerlauf", ein Wort aus der Technik – das Laufen einer Maschine ohne Belastung bezeichnend – hat eine figurative, eine übertragene Bedeutung: "Leerlauf", das ist ungenutzte, unproduktive, vertane Zeit. Man hätte doch so gerne das oder jenes gemacht, aber irgendwie ist das wie mit dem Auto, dessen Motor zwar läuft, aber eben im Leerlauf. Man kommt nicht voran. Kriegt den Gang nicht rein.

Höchst unökonomisch sind die so genannten "Leerfahrten" von LKW oder Bussen, wobei wir mit der Leerfahrt wieder im Konkreten gelandet sind und uns zum Schluss einen Laster voller "Leergut" vorstellen.

Positive Leere

Wenn dieses Leergut aus wieder verwendbaren Pfandflaschen besteht, hat "leer" in diesem Zusammenhang sogar eine positive Konnotation. Die Flaschen können wieder gefüllt werden. Aus leeren würden dann wieder volle.

Fragen zum Text

Als leeres Gerede bezeichnet man …

1. Gespräche über Leergut.

2. ein Gespräch auf einem sehr hohen Niveau.

3. hohles, sinnloses, nutzloses Geschwätz.

Das Gegenteil einer leeren Wohnung ist …

1. eine möblierte Wohnung.

2. eine Wohnung voller Menschen.

3. eine Wohnung mit Fußboden.

Das Wort Leerlauf bezeichnet …

1. das Laufen einer Maschine ohne Belastung.

2. den Gang zum Unterricht.

3. einen Fluss ohne Wasser.

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie eine kleine Geschichte, in der mindestens zehn Mal das Wort "leer" vorkommt.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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