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Kultur

Lebkuchen zum Dahinschmelzen

Sie sind schon alle da – die süßen Vorboten der Weihnachtszeit. Lebkuchen und Co. stapeln sich in den Supermarktregalen. Bis Weihnachten sind es noch drei Monate, aber man kann ja ruhig schon mal naschen, oder?

Ein Weihnachtsmann im Meer (Foto: AP)

Alles zu seiner Zeit!

"Jetzt schon Lebkuchen?" fragt eine Frau hinter mir in der Schlange im Supermarkt. Na klar, antworte ich selbstbewusst und packe meine Köstlichkeiten in den Rucksack. Palettenweise stapeln sie sich derzeit schon in den Warenhäusern, und das obwohl draußen noch spätsommerliche 25 Grad herrschen. Einigen mag das früh erscheinen, doch was heißt schon "früh", wenn in Skihallen der Schnee das ganze Jahr über liegen bleibt.

"Sollte es im September mal richtig heiß sein, werden diese Produkte nicht gekauft, weil man sie eher mit kühler Witterung verbindet," erklärt Lambertz-Geschäftsführer Hermann Bühlbecker. Ein gewisses Risiko, dass Dominosteine die Regale hüten, bringt die Innovation also mit sich. Deshalb ist Anpassung gefragt und die Firma Lambertz macht es vor: Ihr Gebäck heißt neuerdings "Herbst-Weihnachtsgebäck". Der erste Schritt in Richtung Ganzjahres-Lebkuchen ist getan!

Von teuer zu täglich

Angegessener Lebkuchen (Foto: DW/ Hanna Karkuth)

Hebt neben dem Gewicht auch die Laune!

Unabhängig von jedem Weihnachtsfest gab es Honigkuchen schon vor Jahrtausenden im Orient, schreibt der Volkskundler Alois Döring vom Landschaftsverband Rheinland. Sie waren Geschenke für Arme, Kinder und hochgestellte Würdenträger. Die Qualität der Kuchen konnte je nach Wertschätzung des Empfängers allerdings variieren. Auch im Mittelalter hatten Lebkuchen noch keine Verbindung zu Weihnachten, sondern wurden wegen der langen Haltbarkeit und der vielen Kalorien an Hilfsbedürftige verteilt und Pilgern auf ihre Reisen mitgegeben.

Dann kam das 19. Jahrhundert! Und Weihnachten veränderte sich: "Was im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein öffentliches Fest war, wird zu einem Familienfest. Und auch die Verfügbarkeit von bestimmten Dingen ändert sich", erklärt Dagmar Hänel, Leiterin der Abteilung Volkskunde beim Landschaftsverband Rheinland. "Im Mittelalter sind Gewürze noch sehr teuer und man nimmt sie nur für ganz besondere Anlässe, wie eben das Weihnachtsfest. Im 19. Jahrhundert ändert sich das: Gewürze und Zucker werden prinzipiell jederzeit verfügbar." Und damit wurde der Süßkram massenkompatibel.

Ohje, du fröhliche

Für viele hat das Weihnachtsfest seine religiöse Bedeutung verloren. Die Fastenzeit taugt bestenfalls noch zur kollektiven Diät und die Predigt am Heiligen Abend ist für so manchen alles andere als ein festlicher Höhepunkt.

Kalenderblätter (Foto: Bilderbox)

Nur noch 365 Tage...

Wir modernen Menschen brauchen anscheinend einen langen Vorlauf, um uns mental auf Weihnachten einzustellen. Und vielleicht wird diese Warmlauf-Phase noch verlängert, denn wenn es nach den Firmen ginge, könnte es Kokosmakronen und Pfeffernüsse bald noch früher geben. "Es entwickelt sich eine Art Heißhunger auf diese Produkte, weil sie lange nicht zu kaufen waren." Lange heißt in diesem Fall acht Monate. Deshalb sollen wir in kurzer Zeit so viel wie möglich davon essen. Printen und Spekulatius können neben dem Gewicht auch unsere Laune heben, der Duft von Zimt und Honig ruft Kindheitsgefühle wach. "Geschmack und Geruch wecken die Vorfreude auf Weihnachten", erklärt Volkskundeexpertin Hänel. Ich will keine Vorfreude, ich will Vorräte! Und greife deshalb schon ordentlich zu. Vielleicht gibt es ja bald auch endlich einen Adventskalender mit 365 Türchen!

Autorin: Hanna Karkuth

Redaktion: Sabine Oelze