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Europa

Lebensmittel im Müll

Millionen Menschen auf der Welt hungern und gleichzeitig werden tonnenweise Lebensmittel weggeworfen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Nahrungsmitteln könnte die Welternährungs- und die Klimakrise abmildern.

Brot in einer Mülltonne (Foto: picture-alliance/dpa)

In manchen Mülltonnen finden sich genügend Lebensmittel für eine Mahlzeit

Auf dem Rasen vor einer Spitzenuniversität in London sitzen rund drei Dutzend Studenten und laden die Passanten zum Picknick ein. Es gibt Couscous mit Cucurma gewürzt auf Karotten und Erbsen, dazu reife Avocado und Sushi. Das Buffet sieht appetitlich aus - und kostet keinen Penny. Die jungen Leute essen Lebensmittel, die andere im Abfall entsorgen.

Picknick aus der Mülltonne

"Wir haben jede Menge abgepackte Sandwichs, die ich von einem kleinen Café abgeholt habe, und eine Riesenbox Käse, die ein Supermarkt vor die Tür gestellt hat, weil das Verfallsdatum abgelaufen war", sagt ein junger Mann. Die Studenten nennen sich Freegans. In Deutschland heißen sie Mülltaucher, weil sie nicht davor zurückschrecken, Lebensmittel aus Abfalltonnen zu retten. Es ist ein Akt der Rebellion gegen die Wegwerfgesellschaft.

Ein Kind isst Reis auf einer Müllhalde (Foto: dpa)

Weltweit hungern immer noch Menschen...

Jeder britische Haushalt werfe pro Woche durchschnittlich Lebensmittel im Wert von umgerechnet neun Euro weg, warnt Premierminister Gordon Brown. In wohlhabenden europäischen Ländern und in den USA wanderten zwischen 30 und 50 Prozent aller Nahrungsmittel in den Abfall, sagt Tristram Stuart. Er ist Absolvent der Eliteuniversität Cambridge, Kleinbauer und Autor des Buchs "Waste". "Gleichzeitig leidet fast eine Milliarde Menschen auf der Welt an Hunger. Mit dem was die reichen Länder wegwerfen, könnten diese Hungernden mehr als vierfach ernährt werden."

Zu viele Lebensmittel im Regal

Tristram Stuart sitzt in der Mensa und rührt in seinem Kaffee. In den letzten 40 Jahren sei das Essen in den westlichen Ländern immer billiger geworden, sagt er. Auf dem Lebensmittelmarkt hätten die Supermärkte das Sagen. "Die Manager der großen Ketten, die ich interviewt habe, gaben mehr oder weniger zu, dass sie Lebensmittel wie Weihnachtsschmuck benutzen. Sie überfüllen ihre Lager, damit die Regale voll bleiben", sagt Stuart. Sonderangebote wie "Kauf zwei für den Preis von einem" trügen dazu bei, dass sich Verbraucher mit überschüssigen Lebensmitteln versorgten.

Lebensmittel in einer gelben Mülltonne (Foto: picture-alliance/dpa)

... während in anderen Gesellschaften Lebensmittel im Müll landen

Oft würden die Supermärkte die überschüssigen Lebensmittel nicht für karitative Zwecke spenden, sondern sie sogar mit Gift oder Farbe verderben, damit sie nicht mehr genießbar sind, sagt Stuart weiter.

Was nicht schön ist, kommt weg

Außerdem würden kosmetische Kriterien angewendet, die oft viel strenger seien als die Vorgaben der EU: "Wenn du demnächst eine Kiste voller kerzengerade gewachsener Karotten siehst, dann denke daran, dass der Bauer rund 30 Prozent seiner Ernte wegwerfen musste, weil sie vom Supermarkt nicht akzeptiert wurde", sagt der Buchautor.

Buchcover (Foto: penguinbooks)

Waste: Uncovering the global food scandal - von Tristram Stuart

Wer viele Lebensmittel produziere und die Hälfte dann wegschmeiße, verschleudere kostbare Ressourcen, sagt Tristram Stuart. Und auch die Auswirkungen auf die Umwelt sieht er: "Es werden noch mehr Treibhausgase freigesetzt. Und es werden noch mehr Regenwälder gerodet, nur damit wir noch mehr Nahrungsmittel produzieren, und noch mehr vergeuden können."

Wissen vermitteln

Doch auch in armen Ländern würden Nahrungsmittel verschwendet. „In Pakistan verderben zum Beispiel bis zu 40 Prozent der Ernte, bevor sie auf den Markt kommt - oft liegt es an der Lagerung und an der Kühlung.“ Eine Lösung für das Problem: "Wenn wir den Entwicklungsländern wirklich helfen wollen, sollten wir ihnen dieses Know-How vermitteln, anstatt noch mehr Wälder zu roden, noch tiefere Brunnen zu graben, und die Umwelt damit noch mehr zu belasten."

Autorin: Ruth Rach
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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