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Politik

Lebenslustiger Karrierediplomat

Der neue Außenminister Sergej Lawrow ist bekannt für flotte Sprüche und Selbstironie, gepaart mit einer Vorliebe für verbale Härte und Präzision. Ein Portrait.

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Der neue russische Außenminister Sergej Lawrow

An der Delegierten-Bar und in den Korridoren der Vereinten Nationen wird es künftig wohl etwas ruhiger zugehen. Wann immer der hoch gewachsene, stets elegant gekleidete Sergej Lawrow in den Wandelgängen der UN auftauchte, stand er rasch im Mittelpunkt des Interesses.

Aus der Kaderschmiede der Sowjetdiplomaten

Das lag nicht nur daran, dass Lawrow als UN-Vertreter Russlands zum inneren Machtzirkel jener fünf Botschafter gehörte, deren Länder im Weltsicherheitsrat über ein Vetorecht verfügen. Von dem in Moskau geborenen Karrierediplomaten, der am 21. März 54 Jahre alt wird, konnte man immer erwarten, dass er den grauen UN-Alltag durch flotte Sprüche aufhellt.

Selbstironie gehört zu den Markenzeichen des stets braun gebrannten Kettenrauchers, der seine Ausbildung am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MID) erhielt, der Kaderschmiede für Generationen von Sowjetdiplomaten. Zu seinen Standardsprüchen gehört: "Aus der Geschichte der Sowjetunion habe ich gelernt, dass es nicht immer gut ist, politische Pläne allzu weit in die Zukunft reichen zu lassen."

Glamour und Härte

Dennoch hatte der lebenslustige Lawrow, den Kollegen schon mal auf Jamaika mit junger Damenbegleitung ausmachten, an seiner eigenen Karriereplanung beharrlich und mit Weitblick gearbeitet. Bei allem Glamour, mit dem er seine UN-Rolle ausschmückte, war Lawrow für die Härte und Präzision gefürchtet, mit der er hinter den Kulissen russische Positionen verfocht.

Bei den Verhandlungen vor dem Irak-Krieg, so berichtet ein UN-Insider, "konnte er besser pokern als sein amerikanischer Gegenspieler". Die Einschätzungen, die er nach Moskau sandte, sollen Wladimir Putin trotz des Drängens durch George W. Bush darin bestärkt haben, beim "Njet" zu einer UN-Resolution zu bleiben, die den Irak-Krieg legitimiert hätte.

Sympatie für Berlin

Die UN-Erfahrungen werden ihm und vermutlich auch der internationalen Politik zugute kommen. Zwar hat Lawrow stets die Interessen Russlands fest im Blick, aber er hat in New York seit 1994 und zuvor als Direktor der UN-Abteilung des Moskauer Außenministeriums im Rang eines stellvertretenden Ministers erfahren, dass Konsenslösungen bessere Chancen auf politische Tragfähigkeit haben.

Der deutschen Diplomatie gilt er als zuverlässiger und durchaus Berlin-freundlicher Partner. So sprach er sich kürzlich in einem Grundsatzartikel dafür aus, die Macht im Sicherheitsrat auf breitereSchultern zu verteilen und Deutschland neben weiteren Ländern als ständiges Mitglied aufzunehmen.

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