Lebenslang für Morde an Roma | Aktuell Europa | DW | 06.08.2013
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Aktuell Europa

Lebenslang für Morde an Roma

Ein Gericht in der ungarischen Hauptstadt Budapest hat drei Männer wegen der Ermordung von sechs Roma zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine Entscheidung mit Signalwirkung.

Die drei Rechtsextremisten, die Brüder Arpad und Istvan Kiss sowie ihr Gesinnungsgenosse Zsolt Peto, hätten die Roma aus rassistischem Hass getötet, stellten die Richter fest. Ihr Komplize, der an der Anschlagserie in den Jahren 2008 und 2009 beteiligt war, wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er hatte als einziger seine Mitwirkung an den Angriffen gestanden.

Die Gruppe hatte mehr als ein Jahr lang gezielt Anschläge auf Angehörige der Roma in verschiedenen Gebieten Ungarns verübt. Bei insgesamt neun Angriffen hatten die Täter laut Anklage insgesamt 78 Gewehrschüsse abgegeben und mit 11 Molotow-Cocktails Häuser in Brand gesetzt, in denen Roma wohnten. In einem Fall, in Tatarszentgyörgy bei Budapest, starb dabei ein fünfjähriges Kind zusammen mit seinem Vater im Kugelhagel (das Artikelbild zeigt die Beisetzung). Die Rechtsradikalen hatten auf die fliehende Familie geschossen, nachdem sie deren Haus angezündet hatten. In den Jahren 2008 und 2009 war das  EU-Land Ungarn von einer Welle rassistischer Gewalt gegen Roma erschüttert worden.

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Lebenslänglich für Roma-Mörder in Ungarn

Etwa sieben Prozent der rund zehn Millionen Ungarn gehören der Minderheit der Roma an. Sie leben überwiegend in großer Armut. Kritiker werfen der derzeitigen Rechts-Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban vor, zu wenig Distanz zu den Rechtsextremisten zu halten und zu wenig gegen die Diskriminierung der Roma zu tun. Untermauert wurden diese Vorwürfe jetzt durch einen Skandal im nordungarischen Ozd.

Die dortige Stadtverwaltung hatte am vergangenen Wochenende trotz extremer Sommerhitze die Wasserversorgung für eine bitterarme Roma-Siedlung gekappt. Begründung: Die Roma verschwendeten Wasser, das sie nicht bezahlten. Ozd wird von Orbans Partei Fidesz regiert. Anfang des Jahres hatte der Politiker Zsolt Bayer, einer der Gründer von Fidesz, Roma als "Tiere" bezeichnet, die "liquidiert" werden sollten.

Dem Urteil gegen die rechtsextremistischen Mörder kommt somit eine Signalwirkung im Kampf gegen den Rassimsus zu. Die Urteilsverkündung fand vor großem Publikum statt. Der Gerichtssaal war für den Andrang zu klein, es kam zu Tumulten. Augenzeugen sahen viele Roma im Publikum, aber auch Rechtsradikale, die ihre Gesinnung auf T-Shirts zur Schau trugen.

wl/ml (dpa, rtr, afp)

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