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Politik

Lebenslang für den folternden Priester von Argentinien

Knapp 34 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist erstmals ein katholischer Priester verurteilt worden. Der deutschstämmige Christian Federico von Wernich wurde wegen Folter und Mord zu lebenslanger Haft verurteilt.

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Priester, Folterknecht: Christian Von Wernich

Der heute 69 Jahre alte Wernich wurde von einem Gericht in La Plata in der Provinz Buenos Aires am Dienstagabend (09.10.2007)der Beteiligung an der Ermordung von Regimegegnern, an Folter sowie an 42 Entführungen während der Diktatur (1976-83) für schuldig befunden. Die argentinische Bischofskonferenz teilte in einer Stellungnahme mit, die Kirche des Landes sei "betroffen vom Schmerz, den die Beteiligung eines Priesters an schwersten Verbrechen auslöst".

Argentinien Urteil gegen Christian Von Wernich Reaktionen

Freude bei den "Müttern vom Mayo-Platz"

Jubel bei den Opfern

Im und vor dem Gerichtsgebäude brach bei der Urteilsverkündung unter Hunderten von Menschen großer Jubel aus. Nicht nur ehemalige Gefangene der Diktatur und Angehörige der Opfer zeigten sich hoch erfreut. Mit Autohupen wurde der Richterspruch begrüßt. Der Menschenrechtssekretär der Regierung, Luis Duhalde, sprach von einem "historischen Urteil". "Wir hätten nie gedacht, dass wir das noch erleben", meinte die Sprecherin der Organisation der Mütter von Diktaturopfern, der "Mütter vom Mayo-Platz" (Madres de Plaza de Mayo), Taty Almeida. "Die Kirche, die uns so viel Schaden zugefügt hat, erfährt endlich Gerechtigkeit", sagte sie. Die Menschenrechtsgruppe feierte das Urteil mit einem Feuerwerk und einem Trommelkonzert vor dem Gerichtsgebäude.

Die Organisation bemüht sich seit rund 30 Jahren um Aufklärung über das Schicksal tausender Menschen, die während der Militärdiktatur schlicht verschwanden. Offiziell gelten 13.000 Opfer jener Epoche als tot oder vermisst. Menschenrechtsgruppen geben die Zahl mit fast 30.000 an.

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Jubel im Gerichtssaal

Die Verteidigung hatte bei dem im Juli begonnenen Prozess auf Freispruch plädiert. Wernich beteuerte, er habe lediglich "sakramentale Dienste" geleistet, wurde von Zeugen aber schwer belastet. Unter den Dutzenden von Zeugen waren auch 41 Überlebende der Folterzentren des Regimes. Sie sagten aus, der Angeklagte habe nicht als Priester, sondern wie ein Angehöriger der Foltermannschaften agiert.

Folter gerechtfertigt

Wernich war einer der engsten Vertrauten des berüchtigten Ramon Campos. Der 1994 verstorbene Ex-Sicherheitschef von Buenos Aires galt als einer der Hauptverantwortlichen für die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur. Der Priester, der die Folter als Methode des Anti-Guerilla-Kampfes öffentlich rechtfertigte, wurde 2003 angeklagt und inhaftiert. (sams)