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Europa

Lebenslang für Auftrag zum Mord an Hrant Dink

Wegen der Ermordung des armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink ist einer der rechtsnationalistischen türkischen Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Vom Terrorismus-Vorwurf wurde er aber freigesprochen.

Tausende Anhänger des Journalisten forderten bei dessen Beerdigung am 23.01.2007 eine gerechte Bestrafung der Täter (Foto: AP)

Tausende Anhänger des Journalisten forderten bei dessen Beerdigung eine gerechte Bestrafung der Täter

Das Schwurgericht in der türkischen Metropole Istanbul sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Yasin Hayal die Erschießung des Journalisten Hrant Dink auf offener Straße vor knapp fünf Jahren durch einen Killer angeordnet hatte. Vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde Hayal allerdings freigesprochen.

Der zweite Hauptbeschuldigte, der frühere Polizeispitzel Erhan Tuncel, bekam eine Haftstrafe von knapp elf Jahren. Allerdings wegen einer Straftat, die er vor dem Mord an Dink begangen hatte. Vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord wurde er freigesprochen.

Freunde und Angehörige Dinks haben den türkischen Staat in den vergangenen Jahren immer wieder beschuldigt, mutmaßliche Drahtzieher der Tat zu decken. Eine Anwältin der Dink-Familie kritisierte jetzt, mit der Feststellung des Gerichts, es habe keine Verschwörung gegeben, werde an "der Tradition politischer Morde" in der Türkei festgehalten. Nach Verlesung der Urteile brachen im Gerichtssaal Tumulte aus.

Todesschütze im vergangenen Jahr verurteilt

Hrant Dink war am 19. Januar 2007 vor dem Gebäude der zweisprachigen türkisch-armenischen Wochenzeitung "Agos" in Istanbul von dem Rechtsextremisten Ogün Samast erschossen worden. Der zur Tatzeit noch minderjährige Todesschütze Samast war im vergangenen Jahr von einem Jugendgericht zu einer Gefängnisstrafe von fast 23 Jahren verurteilt worden.

Der Journalist hatte sich bei türkischen Nationalisten Feinde gemacht, weil er die Massentötungen von Armeniern im Osmanischen Reich Anfang des 20. Jahrhunderts als Völkermord bezeichnete. Er erhielt deshalb mehrfach Morddrohungen. Die Bluttat hatte in der Türkei und international Entsetzen ausgelöst.

Autorin: Susanne Eickenfonder (afp, rtr, dapd, dpa, kna)
Redaktion: Ulrike Quast

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