1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Lebenslänglich für saudischen Prinzen

Ein Mitglied der saudischen Königsfamilie ist in London zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. Der mutmaßlich schwule Prinz Abdulaziz bin Nasser al Saud hatte seinen Diener brutal ermordet.

Das Bild eines Überwachungsvideos, auf dem der Täter einen Mann schlägt (Foto: AP)

Überwachungsvideo zeigt wie der Prinz (weiße Jacke) zuschlägt

"Niemand steht über dem Gesetz. Die Strafe ist weder höher noch niedriger, weil sie dem Königshaus Saudi-Arabiens angehören", sagte Richter David Bean bei der Urteilsverkündung. Er verurteilte den wohlhabenden Enkel des saudischen Königs zu einer lebenslangen Haftstrafe, was in Großbritannien mindestens 20 Jahre hintern Gittern bedeutet. Der 34-jährige Prinz Abdulaziz bin Nasser al Saud hatte im Februar in einem Luxushotel in London seinen Angestellten Bandar Abdullah Abdulaziz brutal geschlagen und schließlich erwürgt.

Porträt von Bandar Abdullah Abdulaziz (Foto: AP)

Das Opfer: Bandar Abdullah Abdulaziz

Diener wurde misshandelt

Der 32-jährige Diener des Prinzen war nach Erkenntnissen des Gerichts auch der zeitweilige Liebhaber des offenbar homosexuellen saudischen Prinzen. Der Angeklagte hatte im Prozess stets bestritten, dass er homosexuell sei. Seine Anwälte argumentierten, ihm drohe in seiner Heimat Saudi-Arabien die Todesstrafe, wenn das Gericht feststelle, er sei schwul. Zeugen hatten ausgesagt, der Prinz habe sein Opfer misshandelt und wie einen Sklaven gehalten. Außerdem habe er die Dienste eines schwulen Begleit-Service in Anspruch genommen.

Porträt von König Abdallah bin Abdelaziz al Saud (Foto: dpa)

Ärger in der Familie: König Abdallah bin Abdelaziz al Saud

Prominente Familie

Der Täter hatte nach der Tat versucht, seine Spuren zu verwischen und stundenlang mit unbekannten Beratern in Saudi-Arabien telefoniert, bevor die Polizei eingeschaltet wurde. Im Prozess berief sich der Prinz auf seine angebliche diplomatische Immunität, die vom Richter aber nicht anerkannt wurde. Der Angeklagte nahm das Urteil äußerlich ungerührt entgegen.

Sein Vater, ein Neffe des saudischen Königs, war im Gerichtssaal anwesend. Das Opfer, Bandar Abdullah Abudlaziz, war ein Adoptivkind aus einer gesellschaftlich niedrig gestellten Beamtenfamilie in Jeddah. Der Prinz und sein Diener befanden sich vor der Tat auf einer gemeinsamen ausgedehnten Europareise. Den Valentinstag (14.02.2010) hatten die beiden Männer gemeinsam feiernd verbracht. Zum Tatzeitpunkt am Tag danach war der saudische Prinz offenbar angetrunken.

Autor: Bernd Riegert
Redaktion: Fabian Schmidt