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Deutschland

Lebenslänglich für Kofferbomber von Köln

Ein Jahr nach Prozessbeginn verurteilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht Youssef El Hajdib zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Libanese deponierte im Juli 2006 mit seinem Komplizen in Köln zwei Bomben in Zügen.

Youssef El H. (Quelle: AP/Martin Meissner)

Kofferbomber Youssef Mohamed El Hajdib muss lebenslänglich ins Gefängnis

Der "Kofferbomber von Köln" ist am Dienstag (09.12.2008) vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach Youssef El Hajdib ein Jahr nach Prozessbeginn wegen vielfachen, versuchten Mordes in Tateinheit mit dem Versuch, eine Sprengstoffexplosion herbeizuführen, für schuldig. Deutschland habe einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden, hieß es im Urteil. Geplant gewesen sei ein Blutbad von ungeheurem Ausmaß und El Hajdib sei die treibende Kraft hinter dem Vorhaben gewesen.

Mohammed-Karrikaturen waren Auslöser

Das Urteil zur lebenslänglichen Freiheitsstrafe ging einher mit der Forderung der Bundesanwaltschaft. Der Angeklagte habe aus "terroristischen Motiven" Zugreisende heimtückisch töten wollen. Grund sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Medien im Frühjahr 2006 gewesen.

Bild aus der Überwachungskamera am Kölner Hauptbahnhof (Quelle: AP Photo/BKA)

El Hajdib auf dem Bild einer Überwachungskamera am 31. Juli 2006 auf dem Kölner Hauptbahnhof

Der 24-jährige Libanese und der wegen desselben Vergehens bereits im Libanon zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilte Jihad Hamad hatten im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Koffer mit Bomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert, die jedoch nicht explodierten. Die Bundesanwaltschaft war überzeugt, dass lediglich die mangelnden Chemie-Kenntnisse des Angeklagten ein schweres Blutbad unter den Fahrgästen verhinderten, während der Angeklagte beteuerte, die Sprengsätze bewusst sabotiert zu haben.

Halt in der Religion

Nach Ansicht der psychiatrischen und psychologischen Gutachter schlüpfte El Hajdib in die Rolle des Gotteskriegers, weil er dem Erwartungsdruck seiner Eltern nicht gerecht werden konnte. Sie erwarteten ihn als Diplomingenieur zurück aus Deutschland. Vor Gericht sagte er aus, nach seinem Fehlstart in Deutschland Halt in der Religion gefunden zu haben.

Das Urteil gegen El Hajdib verzögerte sich zuletzt mehrfach. Nach den Plädoyers beider Seiten wurde die Beweisaufnahme noch einmal aufgenommen, weil die libanesischen Behörden kurzfristig Vernehmungsprotokolle von Hamad übersandten. Weiter verschob sich der Prozessabschluss durch zahlreiche neue Beweisanträge der Verteidigung. (SJ)

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