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Asien

Lebenslänglich für Folterchef der Roten Khmer

Das Völkermord-Tribunal in Kambodscha hat fast 40 Jahre nach den Verbrechen sein erstes Urteil gefällt: "Lebenslänglich" für den Folterchef der Roten Khmer. Sybille Golte kommentiert.

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Der alte Mann wirkt harmlos, leicht gebückt schmächtig, grau, leicht abstehende Ohren. Aber wie sieht schon ein Massenmörder aus? Kaing Guek Eav, besser bekannt als Duch, hat Tausende von Menschen zu Tode foltern oder brutal ermorden lassen. Frauen, Männer, Kinder und Greise: In dem von ihm geführten Foltergefängnis Tuol Sleng wurden keine Unterschiede gemacht. Nur sieben Insassen von fast 20.000 überlebten die unvorstellbaren Torturen. Die Gebeine der anderen finden sich in den sogenannten "Killing Fields", den Massengräbern vor den Toren der Hauptstadt Phnom Penh.

Vor fast vierzig Jahren versank das malerische kleine südostasiatische Land Kambodscha in Blut. Unter der Schreckensherrschaft von Steinzeitkommunisten, den Roten Khmer, verwandelte es sich in ein Lager des Grauens. Die Stadtbevölkerung wurde gewaltsam aufs Land vertrieben, Zehntausende der Kollaboration mit dem Klassenfeind, den USA, angeklagt. Als 1979 Truppen des Nachbarlands Vietnam in Kambodscha einmarschierten, war ein Viertel der Bevölkerung tot durch Krankheit, Hunger und Mord.

Mehr als dreißig Jahre später soll über die Täter gerichtet werden. Eine Handvoll greiser Männer steht vor dem UN-Völkermordtribunal in Kambodscha, dem "größten und komplexesten Verfahren" seit den Nürnberger Prozessen, in denen über die Verbrechen der deutschen Nationalsozialisten verhandelt wurde, so sieht es der leitende Staatsanwalt.

Schmerzlicher Prozess

Für die Menschen in Kambodscha ist das ein schmerzlicher Prozess. Kein Gericht der Welt kann die unvorstellbaren Verbrechen der Roten Khmer sühnen. Die alten Weggefährten des Diktators Pol Pot haben ihr Leben gelebt, oft bis zuletzt in wichtigen politischen Positionen. Lebenslängliche Haftstrafen - wie jetzt im Fall von Duch - bedeuten faktisch ein paar Jahre im Gefängnis, also nichts im Vergleich mit dem, was die Opfer und ihre Familien durchlitten haben.

Noch schlimmer ist die Uneinsichtigkeit der Täter: Keiner der alten Männer zeigt Reue - so wie Duch, der sich bis heute selbst als Opfer sieht, als kleines Rad in einem mörderischen Getriebe, ein harmloser Handlanger mächtiger Herrscher. Sein Anwalt forderte sogar Freispruch. Das klingt zynisch und hat doch einen realen Hintergrund.

Denn es ist unvorstellbar, dass ein Volk von acht Millionen Menschen nur von einigen wenigen Tätern drangsaliert wurde. Zehntausende von Helfershelfern der Roten Khmer lebten und leben bis heute unbehelligt in den Dörfern und Städten Kambodschas, bekleideten politische Posten und gingen ihren Geschäften nach, als wäre nichts geschehen.

Symbolische Wirkung

So einer wollte Duch auch sein. Daraus wird nun nichts. Der Folterchef von Tuol Sleng wird bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben. Das klingt angesichts seines Alters harmlos, verglichen mit dem, was er getan hat. Was zählt, ist die symbolische Wirkung: Die Verbrecher von einst werden zur Rechenschaft gezogen. Der kollektive Albtraum Kambodschas, der Völkermord durch die Roten Khmer, wird aufgearbeitet.

Tuol Sleng, das Foltergefängnis der Roten Khmer, ist heute eine Gedenkstätte. Mit der Höchststrafe für Duch ist das letzte Kapitel seiner unrühmlichen Geschichte geschrieben. Das Fazit lautet: Verbrecher gegen die Menschlichkeit kommen nicht davon. Das hilft den Opfern nicht mehr - vielleicht aber ihren Nachkommen.

Autorin: Sybille Golte-Schröder
Redaktion: Hans Spross