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Politik

Lebenslänglich für Anna Lindhs Mörder

Fraglich war nur das Strafmaß: Der Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

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Der Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh, Mijailo Mijailovic

Der Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh ist am Dienstag (23.3.2004) in Stockholm zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht folgte mit seinem Urteil gegen den 25-jährigen Mijailo Mijailovic dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Mijailovic, ein Sohn serbischer Zuwanderer, hatte Lindh am 10. September 2003 in einem Stockholmer Kaufhaus erstochen. Der Angeklagte wies die Vorwürfe monatelang zurück, bevor er im Januar schließlich die Tat gestand, als Ermittler ihn mit seinen DNA-Spuren konfrontierten.

Voll schuldfähig

Im Prozess berief sich der wegen Gewalttaten mehrfach vorbestrafte Mijailovic jedoch auf seine angeblichen psychischen Störungen. Vor der Tat war er schon mehrfach Patient der Stockholmer Psychiatrie. Ein Gutachten, das vom Gericht in Auftrag gegeben worden war, sprach ihn jedoch für voll schuldfähig. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Anklage, nach deren Auffassung Mijailovic die Ministerin töten und nicht nur verletzen wollte. Lebenslänglich bedeutet in Schweden in der Regel, dass der Verurteilte nach 15 Jahren frei kommt.

Mijailovics Anwalt Peter Althin hatte auf Freispruch plädiert. Er ließ die Frage eines Berufungsverfahrens offen. In der Urteilsbegründung hieß es, der Täter sei bei dem Anschlag gegen Lindh "rational und kaltblütig" vorgegangen. Es gebe keine mildernden Umstände. Das Gericht hatte einen Antrag der Verteidigung auf eine zweite gerichtspsychiatrische Untersuchung Mijailovics abgelehnt.

Warum?

Nur die Frage nach dem Warum bleibt weiter ungeklärt. Mijailovics hatte dazu beharrlich geschwiegen. Hass auf starke, unabhängige und erfolgreiche Frauen vermutete Oberstaatsanwältin Agneta Blidberg in ihrem Schlussplädoyer als stärkste Triebkraft bei diesem Mord. Ansonsten können alle wichtigen Fragen zu dem Anschlag als geklärt gelten. Damit bleibt den Skandinaviern ein neues Trauma wie nach der nie aufgeklärten Ermordung des Ministerpräsidenten Olof Palme 1986 erspart.

Trauer um Anna Lindh Blumen

Trauer um Anna Lindh

Die 46-jährige Lindh hatte wie Palme ebenfalls keine Leibwächter zu ihrem Schutz dabei, als sie sich zusammen mit einer Freundin am 10. September 2003, vier Tage vor der schwedischen Volksabstimmung über den Euro, für eine Fernsehdebatte Garderobe kaufen wollte. Vor zahlreichen Augenzeugen stürzte sich Mijailovic bei der zufälligen Begegnung im NK-Kaufhaus auf die kleine, blonde Frau. Der Täter konnte nach mehr als zehn mit äußerster Kraft geführten Stichen in Bauch, Brust und Arme im Chaos fliehen, Lindh starb am folgenden Morgen.

Lob für die Polizei

Während die Fahnder nach dem Mord an Palme eine endlose Reihe peinlicher Pannen produzierten und zum Teil wegen grober Rechtsbrüche selbst vor Gericht kamen, hat die Polizei für die Aufklärung des Lindh-Mordes nur Lob bekommen. Zunächst nahm sie vorübergehend einen Unschuldigen als vermeintlichen Täter fest. Zwei Wochen nach dem Attentat aber hatten die Fahnder Mijailovic aufgespürt, konnten ihn ohne Probleme dingfest machen und durch DNA-Spuren an der Tatwaffe und an Kleidungsstücken seines Opfers sowie durch Zeugenaussagen in geradezu erdrückender Weise als Täter überführen. (sams)

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