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Global Ideas

Lebenserhaltende Maßnahmen für lebensrettende Medizinpflanzen

Die Mühen um den Erhalt der Biodiversität drehen sich vor allem um Tierarten. Das stellt Pflanzen vor ein Problem. Mehr als gedacht sind sie gefährdet, dabei auch viele Medizinpflanzen. Experten fordern ein Umdenken.

Sie werden entwurzelt, über Maß geerntet, zertrampelt oder von der Allgemeinheit einfach nicht beachtet: Doch Pflanzen sind die Heldinnen der modernen Medizin. Unbesungen, aber unbeschreiblich wichtig. Seit Menschengedenken haben sich die Völker der Welt die heilenden Fähigkeiten von Pflanzen zu Nutzen gemacht und sich auf sie verlassen, wenn es darum ging, den Kranken und Verwundeten Linderung zu verschaffen.

Und obwohl unsere schöne, moderne Welt mit all ihren medizinischen Möglichkeiten kaum noch etwas mit den Ansätzen und Therapien der Alten, der indigenen Völker, gemein hat - an Bedeutung hat die Vegetation, die den Mantel unserer Erde bedeckt, nicht verloren.

Ganz im Gegenteil, medizinische Pflanzen sind nach wie vor ein fester Bestandteil, wenn es um den Schutz der Gesundheit geht. Dessen ungeachtet denkt die Menschheit nicht eine Sekunde daran, den Pflanzen denselben Schutz zu bieten, den sie von ihnen erhalten.

verschiedene Planzenarten, im Uhrzeigersinn auf einer Decke angeordnet (Photo: Rick Bradley/CC BY 2.0/https://www.flickr.com/photos/rickbradley/3964122007)

"Medizinpflanzen haben keine Stimme” - weltweit gilt das Bemühen um Schutz vor allem Tierarten

"Medizinpflanzen haben keine Stimme”, sagt der Autor und Pflanzenkenner Manoj Kumar Sarkar. “Überall auf der Welt ist das Bemühen um den Schutz der Fauna wesentlich größer als um den der Flora. Und das schließt Medizinpflanzen mit ein.”

Das, sagt er, sei ein großer Fehler. Und nennt ein Beispiel: Die Spezies Taxus baccata, besser bekannt als Himalaja-Eibe, die nur in der Region wächst. Sie enthält Taxol, das bei der Behandlung von Gebärmutter-, Brust- und Dickdarmkrebs verwendet werden kann.

“Doch wegen der allgemeinen Zerstörung der Umwelt, schrumpft auch ihr Lebensraum, und das beeinflusst natürlich die Zahl der Pflanzen”, so Sakar.

Blind für die Realität

Das Schicksal von Taxus baccata teilen Tausende andere Pflanzen auf der Liste der gefährdeten Arten. Statistiken der Weltgesundheitsorganisation deuten darauf hin, dass zwischen 70 und 80 Prozent der Weltbevölkerung unmittelbar von traditionellen, pflanzenbasierten Arzneimitteln abhängt, um damit ihre medizinischen Bedürfnisse zu erfüllen. Dies ist eine prekäre Situation.

Danna J. Leaman leitet die Medicinal Plant Specialist Group beim IUCN. Sie sagte Global Ideas, dass weltweit zwischen 50.000 und 70.000 Pflanzenarten medizinisch relevant sind. Von ihnen werden bisher aber nur 1000 Arten kommerziell angebaut.

Ein Regal mit Gläsern, die mit verschiedenen Kräutern und Heilpflanzen gefüllt sind (Photo: Wonker/CC BY 2.0/https://www.flickr.com/photos/wonker/1799730076)

Von den 50.000 bis 70.000 Pflanzenarten mit medizinischem Nutzen werden nur 1000 kommerziell angebaut

“Der Trend geht dahin”, sagt Leaman, “sich auf Arten zu konzentrieren, die leicht zu züchten sind und die einen einträglichen ökonomischen Wert erwarten lassen.” Anders gesagt, mit denen sich Geld verdienen lässt. Die Märkte müssen stabil genug sein, das eingesetzte Geld für Land und Dünger sicher wieder erwirtschaftet werden können.

Der Großteil der medizinisch relevanten Pflanzen wird stattdessen immer noch in freier Natur gesammelt. Das geschieht von Menschen vor Ort, die kaum andere Einkommensmöglichkeiten haben. “Sie verkaufen an Zwischenhändler für wenig Geld und das”, so Sarkar, “begünstigt das Überernten der betreffenden Arten.“

“In Indien liegt der gesamte Handel nicht offen”, sagt er. Und ergänzt, “dass es keinen Spezies-spezifischen Plan gibt, um sicherzustellen, dass die Pflanzen auch in Zukunft gedeihen werden.“

Der Weg voran

Laut Sarkar ist die Lösung klar. Es ist an den Regierungen etwas zu tun. Er spricht dabei vor allem von den Staatschefs in Indien und China. In beiden Ländern wachsen rund 40 Prozent der medizinisch relevanten Pflanzenarten der Welt. Also müssen ernsthafte Richtlinien und Regeln her.

gelbe runde Tabletten (Photo: Scott J. Waldron/CC BY 2.0/https://www.flickr.com/photos/dslrninja/2242477583)

Aus Indien und China kommen rund 40 Prozent der medizinisch relevanten Pflanzenarten der Welt

Wesentlich für einen erfolgreichen Schutz ist ein strukturierter politischer Ansatz, der das Wissen der indigenen Völker über Pflanzen und deren heilende Eigenschaften einbezieht und Investitionen in Lehre und Forschungsstätten gewährleistet. Ohne diese politischen Maßnahmen - egal ob auf nationaler oder internationaler Ebene - würden viele Pflanzenarten im Strudel des Artenverlusts mitgerissen und der Übererntung ausgeliefert.

FairWild für eine nachhaltige Zukunft

Laut Leaman fehlt bislang die Bereitschaft von Seiten der kommerziellen Unternehmen, Teil eines sinnvollen Dialogs zu werden. Wenn es darum gehen soll, wie man verhindern kann, dass die wertvollen Pflanzen von der Erdoberfläche verschwinden, fehlt das Engagement der Industrie.

Allzu oft, ergänzt sie, seien die Firmen blind. Sie würden nicht erkennen, welche Konsequenzen ihr Nichtstun für ihr eigenes Überleben haben könnte. Vor diesem Hintergrund werde es immer notwendiger, sich direkt mit den Konsumenten auseinanderzusetzen. Aber ganz ohne Anstrengungen gehe das nicht.

"Die Aufmerksamkeit und den persönlichen Einsatz von Kunden bekommt man nur schwer, wenn es deren Zeit und Geld kostet”, sagt Leaman. "Aber es gibt Fortschritte. Wir schaffen es, nach und nach mehr Führungskräfte und Wegbereiter aus der Industrie von neuen, nachhaltigen Standards zu überzeugen und sie auf die Seite der Wildpflanzen zu ziehen, die für Nahrungsmittel, Medizin und Kosmetik verwendet werden.”

Sie spricht dabei vom sogenannten FairWild Standard. Er wurde von der Medicinal Plant Specialist Group des IUCN und anderen Naturschutzorganisationen entwickelt. Und es ist der erste umfassende Standard für Nachhaltigkeit bei wildwachsenden Pflanzen, der faire Geschäfte für jedes Glied in der Kette möglich macht. Laut Leaman sind immer mehr Firmen dabei.

“In Otawa kann ich in meinen Supermarkt um die Ecke gehen und Kräutertee mit Zutaten aus der freien Natur kaufen, und der Tee trägt das FairWild-Logo”, sagt sie. "Und das ist immerhin ein Anfang."