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Wirtschaft

Leben und Arbeiten mit AIDS

AIDS hat in Südafrika viele Lebensbereiche verändert - auch die Arbeitswelt. Insgesamt reagieren die Unternehmen jedoch nur langsam auf HIV und AIDS. BMW geht mit gutem Beispiel voran.

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BMW Südafrika kämpft gegen Produktionsausfälle wegen Aids

AIDS ist allgegenwärtig im "Land am Kap": Immer mehr Großeltern müssen ihre Enkelkinder großziehen, weil die Eltern an der Krankheit gestorben sind. Das Bildungssystem muss den Ausfall gut ausgebildeter Lehrkräfte bewältigen, die auf Grund der Erkrankung nicht mehr arbeiten können. Für die Belegschaften in den Betrieben häufen sich die Beerdigungen der Arbeitskollegen - an Facharbeitern herrscht Mangel in Südafrika.

AIDS-Test für die Belegschaft

Wegen der AIDS-Epidemie - so aktuelle Schätzungen aus Frankreich - werden bis zum Jahr 2050 knapp 20 Prozent weniger Menschen in Afrika leben. Allein in Südafrika sei mit einem Rückgang der Einwohnerzahl um etwa vier Millionen Menschen zu rechnen. Auch für die Wirtschaft eine verheerende Entwicklung. Deutsche Firmen, die in Südafrika produzieren, haben inzwischen eigene Programme entwickelt, um die Behandlung und Prävention ihrer Beschäftigten zu verbessern. Denn sie müssen sich mit einer höheren Krankheits- und Abwesenheitsrate sowie dem Nachlassen von Arbeitsmoral und Produktivität auseinandersetzen.

Richard Carter, Kommunikationsmanager bei BMW in Südafrika, berichtet, dass die Firma für ihre Angestellten am Kap ein umfangreiches Programm mit Beratung und freiwilligen AIDS-Tests entwickelt hat, damit die Epidemie nicht zur Bedrohung innerhalb der eigenen Firma wird. Von den knapp 3000 Angestellten haben sich bereits 85 Prozent einem AIDS-Test unterzogen. Die Rate der mit dem Virus Infizierten liegt bei 6,5 Prozent und ist damit deutlich niedriger als innerhalb der südafrikanischen Arbeiterschaft insgesamt, wo über 20 Prozent an AIDS erkrankt sind.

Aufklärung ist entscheidend

Bevor BMW seine Angestellten, sowohl Arbeiter als auch Manager, aufforderte, sich testen zu lassen, musste zunächst eine "Kultur des Vertrauens" geschaffen werden, sagt Richard Carter. "Wir auf der Managementebene sind sehr offen mit dem Problem umgegangen. Wir haben uns in der Firmenklinik öffentlich testen lassen, selbst der Geschäftsführer", berichtet Carter. Um in Erfahrung zu bringen, wie die Angestellten über AIDS denken, hatte BMW Südafrika vor vier Jahren eine Studie von der Universität in Pretoria anfertigen lassen.

Die Ergebnisse zeigten, dass immer noch falsche Annahmen kursierten und einige zum Beispiel glaubten, AIDS könne durch Blicke oder Küsse übertragen werden. Im Anschluss an die Studie bot BMW seinen Angestellten ein Jahr lang verschiedene Seminare und Fortbildungen zum Thema AIDS an. "Wir haben viel Zeit investiert, um zu versichern, dass die Testergebnisse vertraulich bleiben", sagt Carter. "Sehr wichtig ist auch, dass Behandlung angeboten wird, dass die Firma dafür aufkommt und dass die Angestellten nicht ihren Job verlieren."

Fortbildung in den eigenen Reihen

Um das AIDS-Programm anbieten zu können, arbeitet ein Team aus unterschiedlichen Experten zusammen. Dazu gehören ein Arzt, Krankenschwestern und ein Psychologe. Die jüngeren unverheirateten Angestellten zwischen 18 und 26 Jahren zählt BMW-Kommunikationsmanager Carter zur speziellen Risikogruppe innerhalb der Firma. Eine wichtige Rolle in Bezug auf AIDS-Aufklärung nehmen die freiwilligen Berater aus den Reihen der Arbeiter ein. Sie werden von BMW auf Lehrgänge geschickt, um mehr über die Epidemie zu erfahren. Wenn sie zurückkommen, geben sie ihr Wissen an ihre Arbeitskollegen weiter.

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