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Kuba nach dem Tod Fidel Castros

Leben ohne den ewigen Comandante

Ganze Generationen sind unter Fidel Castro geboren und gestorben: Nun haben die rund zwölf Millionen Kubaner den ersten Tag ohne den Máximo Líder hinter sich.

Am Morgen nach der Nachricht von Fidel Castros Tod griff Kubas wohl bekannteste Bloggerin zur Kamera: Ihr Bild zeigt ein noch verschlafenes Havanna beim Sonnenaufgang. Es ist der erste Morgen ohne den Mann, der jedes Detail im Leben von ganzen Generationen auf Kuba bestimmt hat. "Es liegt eine seltsame Leichtigkeit über der Stadt", kommentiert Yoani Sánchez die Szene.

Kuba ohne Fidel Castro, Kuba ohne den Máximo Líder. Das war bislang undenkbar. Nun ist es Realität. Sie berichtet von nervösen Sicherheitskräften und von ungläubigen Kubanern, die die Nachrichten nicht glauben wollen, die Staatschef General Raúl Castro seinen Landsleuten per Fernsehen überbrachte.

GMF16 Yoani Sanchez (DW)

Yoani Sánchez, Bloggerin in Kuba

Sánchez gehört zu jenem kleinen Teil der kubanischen Bevölkerung, der es gewagt hat, öffentlich dem Revolutionsführer zu Lebzeiten Widerstand zu leisten. Die Online-Rebellin wurde dafür von Sicherheitskräften bedroht, bespuckt und gedemütigt. Ihren Mut bezahlt Sánchez mit Ausgrenzung, mit offizieller Entwürdigung und mit Hass. Nun hofft die Generation Sánchez, dass sich endlich etwas bewegt in Kuba. Seit ein paar Jahren darf Sánchez ihren Blog "14ymedio.com" betreiben. Der ist vor allem bei Exilkubanern und Ausländern populär, denn die Kubaner selbst haben kein Internet.

Opposition ausgelaugt und ausgewandert

Viel übrig geblieben ist von Kubas Opposition nicht: Oswaldo José Payá, einer der prominentesten Oppositionspolitiker, starb vor vier Jahren bei einem mysteriösen Autounfall. Bis heute spricht Payás Familie von einem Attentat. Viele andere sind unter dem enormen Druck des kubanischen Inlandsgeheimdienstes zusammengebrochen und haben sich nach Jahren in der Haft für ein Leben im Exil entschieden. Doch von Miami oder Madrid haben sie nahezu keinen Einfluss auf die politische Entwicklung auf Kuba. In den staatlichen Medien finden sie nicht statt und wegen des fehlenden Internets können sie ihre Landsleute nicht erreichen. Selbst die Köpfe der Bürgerrechtsbewegung "Frauen in Weiß" weilten in diesen historischen Tagen in Miami: Sie nahmen an einer Zeremonie teil, bei der eine Straße nach ihnen benannt wurde: Der "Damas de Blanco Way". Zwar feierten zahlreiche Exilkubaner den Tod ihres ehemaligen Peinigers, doch im Lager der ausgelaugten Opposition gibt es kaum Hoffnung und schon gar keine einheitliche Strategie für ein Leben ohne Fidel Castro auf der Insel.

Kuba Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel (DW/T. Käufer)

Adolfo Perez Esquivel: "Keine schnellen Veränderungen auf Kuba"

"Dominanz von außen widerstehen"

Auch Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel warnt vor allzu übertriebenen Erwartungen. Im Gespräch mit DW-Online glaubt der Argentinier nicht daran, dass es schnell Veränderungen geben wird. "Kuba hat ein Recht zur Selbstbestimmung und ich glaube, inzwischen öffnen sich dort auch ein wenig die Türen. Kuba musste sich stets einer Aggression erwehren und das Embargo ist immer noch nicht aufgehoben." Der Argentinier, der sich einst während der Herrschaft der Militärs in Argentinien selbst einer Diktatur entgegen stellte, sieht vor allem die Furcht der Kommunisten vor einer Einmischung von außen als Bremsklotz für eine Weiterentwicklung, findet aber auch: "Nach mehr als 50 Jahren Widerstand muss man respektieren, dass Kuba immer noch einer Dominanz von außen widerstehen will."

Oppositionelle in Kuba festgenommen (Getty Images/Afp/Adalberto Roque)

Es gab immer wieder Festnahmen der "Frauen in Weiß" in Havanna (Archivbild)

Sonntag ist der Tag des Widerstands

Der Sonntag ist in Havanna traditionell der Tag, an dem Kubas Opposition ihren Widerstand zelebriert. Mit einem Schweigemarsch nach dem Gottesdienst demonstrieren seit je her die "Frauen in Weiß" für Demokratie und Meinungsfreiheit. An diesem Sonntag werden sie erstmals in einem Kuba ohne Fidel Castro marschieren, wenn sie der Geheimdienst denn lässt. Denn trotz Tauwetters geschah das zuletzt unter immer schwierigeren Bedingungen. Die Kubanische Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung (CCDHRN) meldete erst vor wenigen Tagen eine neue Höchstmarke "politisch motivierter willkürlicher Festnahmen". "Wir prognostizieren, dass die Zahl der Repressionen im laufenden Jahr die 10.000er-Marke überschreiten wird", sagte deren Direktor Marti Elizardo Sánchez Santa Cruz.

 

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