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Welt

Leben in schwieriger Nachbarschaft - Armeniens steiniger Weg zum Frieden

Einst galt das Land als Modell für das christliche Abendland – heute macht es vor allem durch politische Konflikte von sich reden: Armenien, der kleinste Nachfolgestaat der früheren Sowjetunion.

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Die Zeit heilt alle Wunden?

Armenien hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich, die das Land in eine schwierige Nachbarschaft gebracht hat. Mit dem östlichen Nachbarstaat Aserbaidschan streitet es seit Ende der achtziger Jahre um die Enklave Berg-Karabach. Obwohl dort überwiegend Armenier leben, hatte Stalin das Gebiet 1921 Aserbaidschan zugesprochen. Zwar herrscht seit einigen Jahren Waffenstillstand, doch eine politische Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht.

Streit mit den Nachbarn

Auch zum westlichen Nachbarn, der Türkei, gibt es keine diplomatischen Beziehungen. Die Türkei hatte aus Solidarität mit dem islamischen Aserbaidschan die Grenzen zum überwiegend christlichen Armenien dichtgemacht, als der Krieg zwischen den beiden Kaukasusrepubliken ausbrach. Die Grenzen sind bis heute geschlossen – mit großen Folgen für die armenische Wirtschaft, die ohne nennenswerte Bodenschätze oder einen Zugang zum Meer vom Handel abhängig ist. Die Versorgung mit Lebensmitteln oder Strom, Öl und Maschinen über Iran und Georgien sind schwierig. Viel einfacher wäre der Handel mit der Türkei. Doch so stagniert die Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit liegt nach inoffiziellen Schätzungen bei fast 60 Prozent.

Ärger über türkische Geschichtsbücher

Die Spannungen zwischen Armeniern und Türken haben auch historische Wurzeln. Der Begriff "Völkermord" findet sich in keinem türkischen Geschichtsbuch, doch er beschreibt aus Sicht der Armenier genau das Trauma ihres Volkes. Fast 1,5 Millionen Armenier wurden in den Jahren um 1915 von Truppen des Osmanischen Reichs umgebracht, Hunderttausende flüchteten. Bisher hat keine türkische Regierung diese Massaker eingestanden, sondern nur als "normale Kriegshandlungen" bezeichnet.

Doch die Zeit heilt auch im Südkaukasus die Wunden. Die jüngere Generation sieht die Konflikte mit anderen Augen als ihre Eltern und Großeltern - pragmatischer. „Wir müssen versuchen, die Zukunft mit den Türken gemeinsam zu gestalten.“ Ein Wunsch, ein Wille, doch noch ein weiter Weg bis zur Normalität.

Autorinnen: Karine Amirchanian und Nina Bednarz

Redaktion: Peter Koppen

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