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Kultur

Leben in Kamerun: leichter als in Deutschland?

Immer pünktlich, reich, gebildet und modern - so sehen Menschen in Kamerun die Deutschen. Kein Wunder, dass viele junge Leute in der Bundesrepublik studieren wollen. Ein Kameruner Deutschlehrer im Gespräch.

Celestin Toukam, Deutschlehrer in Douala, Kamerun (Foto: Aya Bach)

Es liegt nicht immer nur am Fußball, wenn die Deutschen irgendwo auf der Welt ein gutes Image haben. In Kamerun jedenfalls hat ausgerechnet die deutsche Kolonialzeit (1884-1916) dazu beigetragen. Die Deutschen haben damals stattliche Gebäude, Straßen und Eisenbahnen konstruiert. Dass das mit Gewaltherrschaft und Zwangsarbeit einherging, wird bis heute von vielen vergessen - auch in Kamerun selbst. Das positive Deutschland-Bild dürfte ein Grund dafür sein, dass sich dort überraschend viele Menschen für die deutsche Sprache interessieren: Es gibt etwa 200.000 Deutschlerner im Land. Eine wichtige Anlaufstelle für sie ist das Goethe-Institut in der Hauptstadt Yaoundé. Doch auch in Douala, der größten Stadt des Landes, betreibt "Goethe" ein Sprachlernzentrum. Celestin Toukam ist dort Deutschlehrer - und so etwas wie ein kultureller Brückenbauer.


Die frühere Eisenbahnbrücke in Edea, Kamerun. Ein Bauwerk aus der deutschen Kolonialzeit. (Foto: Aya Bach)

Eisenbahnbrücke aus der deutschen Kolonialzeit

Deutsche Welle: Herr Toukam, Sie haben in der Kameruner Hauptstadt Yaoundé Germanistik studiert. Warum haben Sie sich gerade für dieses Fach entschieden?

Celestin Toukam: Ich habe Germanistik studiert, weil ich diese Sprache einmal von meinem Onkel gehört habe. Er hat mit Deutschen gearbeitet, und wenn wir Mist gebaut haben, hat er immer gesagt: "Schwann". Das fand ich interessant.

"Schwann" - was sollte das heißen?

"Schwann" - das ist "Schwein"! Wenn man Dummheiten macht, dann ist man wie ein Schwein. Später habe ich erfahren, dass diese Sprache Deutsch heißt. Deswegen habe ich mich für diese Sprache entschieden.

Und das war der Grund, Germanistik zu studieren?

Ja. Das war mein Grund, Germanistik zu studieren. Nicht nur, um diese Sprache zu lernen, sondern mehr über Deutschland zu erfahren. Heute habe ich meinen Durst gestillt.

Welche Motivation haben denn diejenigen, die zu Ihnen kommen, um Deutsch zu lernen? Die haben ja nicht alle so einen Onkel...

Es gibt Menschen, die nach Deutschland wollen, weil dort ihre Ehemänner oder –frauen leben. Und inzwischen muss man das Sprach-Niveau A 1 haben, wenn man nach Deutschland gehen will.

…das heißt, dass man einfache Dinge sprechen und verstehen können muss.

Taxi in Douala, Kamerun (Foto: Aya Bach)

Taxi für alle: In Douala das normale Transportmittel

Ganz genau - um sich in Deutschland zu orientieren, um einkaufen zu gehen, um ein Formular auszufüllen. Aber die meisten Sprachlerner kommen zu uns, weil sie in Deutschland studieren wollen. In der letzten Zeit sind es sehr viele. Fast alle Kameruner wollen in Deutschland studieren. Vielleicht ist Deutschland wieder "in". Wir haben auch noch viele Relikte der deutschen Kolonialzeit hier. Und viele Leute möchten heute wie die Deutschen arbeiten. Das finde ich interessant.

Welche Vorstellung von Deutschland haben diejenigen, die dort studieren wollen?

Sie denken, Deutschland ist ein reiches Land mit fleißigen Leuten. Ein Land, in dem man viel Geld haben kann. Und das ist natürlich ein Problem. Wir sagen diesen Leuten immer, Vorsicht, Sie finden kein Geld auf der Straße! Aber sie wollen unbedingt. Sie sagen, in Deutschland gibt es gute Universitäten und moderne Apparate. Und wir gehen dorthin, um zu lernen und wir kommen zurück, um unser Land zu entwickeln. Aber was passiert nach dem Studium? Niemand kommt zurück! Das ist schade für unser Land.

Sie waren selbst in Deutschland, Sie haben dort nicht nur eine Fortbildung gemacht, sondern sind auch durchs Land gereist. Was war Ihre größte Überraschung?

Meine größte Überraschung war, dass es auch arme Leute in Deutschland gibt. Und dann - die Pünktlichkeit. Ich habe immer gelernt, dass man in Deutschland pünktlich sein sollte. Aber dann habe ich das tatsächlich erlebt!

Straßenverkäufer in Douala, Kamerun (Foto: Aya Bach)

Leichteres Leben? Straßenverkäufer in Douala

Hat Ihnen das gefallen? Pünktlichkeit kann ja auch manchmal anstrengend sein…

Das würde ich nicht sagen. Ich bin Deutschlehrer. Und Lehrer sind pünktlich! Ich komme immer zwei Stunden vor dem Beginn meines Kurses. Ich fand es interessant, dass die Leute in Deutschland so pünktlich waren. Bei uns in Kamerun warten Lehrer auf Schüler!

Aber bestimmt gibt es auch Dinge, die Ihnen in Kamerun besser gefallen als in Deutschland.

Ja, natürlich. Kamerun ist zwar arm. Aber das Leben ist einfacher. Mit hundert, zweihundert, dreihundert Euro im Monat kann man in Kamerun leben. Aber in Deutschland kostet schon ein Zimmer zweihundert Euro. Und Gemüse oder Lebensmittel – das ist in Kamerun alles billiger. Und Taxi zum Beispiel! In Deutschland fährt man immer mit Bus oder Bahn. Aber in Kamerun fahren wir lieber mit dem Taxi. Sehen Sie! Also - in Deutschland muss man reich sein, um mit dem Taxi zu fahren.

Das Gespräch führte Aya Bach
Redaktion: Sabine Damaschke

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