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Kultur

Leben in einer Schattenwelt

Ein Film erzählt, was es für Heranwachsende heißt, sich illegal in Deutschland aufzuhalten. Die Geschichte basiert auf einem authentischen Fall. Regisseur Frieder Schlaich wendet sich an ein jugendliches Publikum.

Es ist die Geschichte der 13jährigen Charo, die sich mit ihrer Mutter illegal in Deutschland aufhält. Der Film setzt konsequent auf die Perspektive der jugendlichen Protagonistin. Charo hat keine Papiere und Angst vor der Abschiebung. Der Film konzentriert sich in erster Linie auf den Alltag des Mädchens. Der sieht zunächst einmal genauso aus, wie der gleichaltriger deutscher Teenager auch: Schule und Freizeit, Stress mit den Eltern, erste Flirts mit dem anderen Geschlecht. "Jugendliche Filmhelden, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, die die Welt noch nicht richtig verstehen und doch schon mit all ihren Härten konfrontiert werden, finde ich besonders spannend", so Regisseur Frieder Schlaich im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Neue Perspektive auf das Thema Asyl

Frieder Schlaich hat in seinem Spielfilm etwas Ungewöhnliches gewagt. Er richtet sich mit "Weil ich schöner bin" explizit an ein heranwachsendes Publikum: "Die jugendliche Perspektive ist das Entscheidende des Films, weil Kinder oder Jugendliche am meisten unter diesem Zustand leiden und sie eine Abschiebung auch am brutalsten trifft", bemerkt der Regisseur. Schlaich setzt kurze Comicsequenzen ein, arbeitet mit einer subjektiven Erzählstimme, denkt sich konsequent in die jungen Protagonisten hinein. Andere Regisseure wie Fatih Akin oder auch die Autoren diverser Sonntagabendkrimis behandeln nicht selten Asyl-Themen, indem sie diese in Erzählungen von Schlepperbanden und harten Asylschicksalen, von Flucht und Kleinkriminalität verpacken. Diese Geschichten wenden sich aber vornehmlich an ein erwachsenes Publikum.

Szenenausschnitt des Films Weil ich schöner bin von Regisseur Frieder Schlaich (Foto: Filmgalerie 451)

Behördengänge werden zum Risiko: "Weil ich schöner bin"

"Weil ich schöner bin" hingegen verfolgt das Leben eines "ganz normalen" Teenagers, sieht dessen Sorgen und Nöte im Alltag. Der große Unterschied: im Hintergrund erscheint ständig das Risiko aufzufliegen, ohne Papiere erwischt zu werden. Charo gerät in den klassischen Teufelskreis von fehlenden Papieren, Behördengängen und Ämterwillkür. "Es ist diese ständige Unsicherheit und Angst abgeschoben zu werden", erzählt Schlaich, "bei Kindern führt das auch dazu, zu lügen, nicht einmal der besten Freundin vertrauen zu können und nie richtig dazu zu gehören."

Film ist mehr als nur ein Unterhaltungsmedium

Warum hat sich Frieder Schlaich eines so schwierigen Themas angenommen und richtet sich damit ausgerechnet an ein junges Publikum? "Für mich ist Film und Kino nicht nur ein Unterhaltungsmedium, deswegen scheue ich mich auch nicht davor, schwierige Themen aufzugreifen, auch wenn das in der Finanzierung und im Verleih immer schwieriger wird", erzählt der Filmemacher. Spielfilm, so Schlaich, sei eine Erzählform, die er bevorzuge, weil sie den Zuschauer in eine fremde Welt entführen und sie so emotional berühren könne. "Ich halte Spielfilme sogar oft für wahrhaftiger als Dokumentarfilme", bekräftigt Schlaich, der sich vor einigen Jahren schon einmal dem Thema zugewandt hat. 1999 behandelte er in "Otomo" die Nöte eines Asylbewerbers in Stuttgart, richtet sich damals aber an Erwachsene.

Das Drehbuch zum Film hat Claudia Schaefer geschrieben, die sich an der wahren Geschichte des Flüchtlingskindes Valentina orientiert hat. Schaefer hat ausgiebig recherchiert, konnte sich dabei auch auf ihre langjährige Mitarbeit bei dem Bündnis "Papiere für Alle" stützen. "Papiere für Alle" ist eine Plattform, die die Arbeit verschiedener Flüchtlingsorganisationen und Asyl-Initiativen bündelt. In Deutschland halten sich nach Einschätzung von "Caritas" derzeit rund eine halbe Millionen Menschen ohne Papiere auf.

Schwieriges Sujet - unterhaltsam aufbereitet

"Ich habe über 'Papiere für Alle' viele Kinder kennengelernt, die ähnliches erlebt haben wie Valentina", sagt Schaefer: "Was ich an Valentina besonders bewundert habe, ist ihre Fähigkeit, trotz der ganzen Lügen, die sie erzählt hat, emotional nahe Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Sie hat sich ihre Wärme und Lebendigkeit bewahrt, obwohl sie misstrauisch und distanziert sein musste. Darüber wollte ich ein Drehbuch schreiben."

Szenenausschnitt des Films Weil ich schöner bin von Regisseur Frieder Schlaich (Foto: Filmgalerie 451)

Vor der Abschiebung: Charo und ihre Mutter

Buch und Film nähern sich dem Thema so auf eine unterhaltsame Art an. Ein Sujet, das nicht gerade oft für ein jüngeres Publikum aufbereitet wird im Kino- und Fernsehalltag: "In Deutschland gibt es viele Kinderfilme für die Altersgruppe bis 10 Jahre, danach gibt es lange nichts außer Mainstream. Dabei ist gerade dieses Alter so spannend und die Kinder sind so neugierig und offen", sagt Schlaich. Beim Filmfestival in Osnabrück lief "Weil ich schöner bin" bereits mit Erfolg und bekam gute Kritiken, nun muss sich der Film im Kinoalltag bewähren - neben James Bond und dem kleinen Hobbit. Frieder Schlaich ist mit den ersten Reaktionen zufrieden: "Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund sträuben sich oft gegen das ernsthafte Thema, sie kennen Kino eben nur als reinen Unterhaltungsort. Kinder, die wissen, was es heißt Ausländer zu sein, sind oft ganz begeistert dabei."

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