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Kultur

Leben im Jetzt

Maria Simon wurde auf der Berlinale zum "European Shooting Star 2004" gewählt. Ausgezeichnet wurde die 27-Jährige für "Good Bye, Lenin" und "Luther". Im DW-WORLD-Interview spricht sie über ihre Wünsche und Ängste.

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Maria Simon - "European Shooting Star 2004"

DW-WORLD: Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Maria Simon: Ich stand in der Küche und habe gekocht, als ich von der Auszeichnung hörte. Dieser Preis ehrt mich sehr. Es ist alles sehr aufregend. Aber zwischendurch erde ich mich wieder. Ich versuche auf den Boden zurückzukommen und das alles zu begreifen. Das ist gar nicht so einfach.

Wie gehen Sie mit dem plötzlichen Ruhm um?

Ich habe noch nicht ganz begriffen, was das alles bedeutet. Ich versuche, meinen ganz persönlichen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Aber ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen, plötzlich mit so vielen Preisen ausgezeichnet zu werden. Und ich muss auch lernen, dass man darauf ein bisschen Stolz sein kann. Dadurch kann man ja auch Kraft für neue Projekte schöpfen, weil es natürlich eine Bestätigung meiner Arbeit ist. Ich empfinde auch mehr Verantwortung. Ich werde erwachsener und meine Einstellung zu meinem Beruf wird immer ernsthafter.

Glauben Sie, durch Ihre Arbeit etwas verändern zu können?

Es wäre vermessen zu sagen, dass ich etwas verändern könnte. Aber ich versuche, meinen Beruf ernsthaft zu betreiben. Ernst und Verantwortung sind mir dabei sehr wichtig. Ich will mich nützlich machen, damit auch mein Leben einen Sinn hat. Wenn man öffentlich auftritt, ist es auf jeden Fall wichtig zu wissen, warum man das tut. Man hat die Möglichkeit, Fragen aufzuwerfen und vielleicht mit seiner Meinung gehört zu werden. Aber dass ich mit meiner Arbeit etwas verändern kann, das glaube ich nicht.

Sie spielen in Ihren Rollen oft starke Frauen. Zum Beispiel hat die Figur in "Lichter" sehr viel Mut. Sind das genau Ihre Rollen?

Ich würde auch etwas ganz anderes spielen. Ich sehe darin keinen Konflikt. Interessant sind immer Menschen, die eine Entwicklung durchmachen. Dieser Mensch kann auch ganz verschüchtert sein oder zurückhaltend und ängstlich. Aber Angst kann auch vieles aussagen und der Mensch kann trotzdem Mut haben.

Auf der Bühne können Sie regelrecht explodieren und in "Erste Ehe" wurden sie gewürgt und zerstörten einen Raum. Ist das alles ein Teil von Ihnen oder sind solche extremen Situationen angelernt?

Das ist das Tolle am Schauspielen, dass man so viele Facetten darstellen kann. Menschen haben nun mal viele verschiedene Farben. Das kann man sehr gut an Kindern beobachten. Ich habe selbst ein Kind. Im Kindergarten sehe ich, wie frei die Kleinen sind und wie viel man davon ablegt, wenn man älter wird. Als Schauspieler braucht man das alles wieder. Als Schauspieler darf ich alles zeigen. Man sagt schnell, Schauspieler sind ein verrücktes Volk. Abgesehen davon, dass man das eh nicht pauschalisieren kann, finde ich es sehr schade, dass die Menschen sich im Umgang miteinander so zurücknehmen, vor allem in Deutschland.

Fällt es Ihnen schwer, sich in solch extreme Rollen hineinzuversetzen?

Ja, das ist natürlich schwer. Ich versuche mich in dem Augenblick der Situation zu öffnen und zu reagieren. Ich wurde noch nie gewürgt und möchte das nie erleben. Aber in diesem Moment war es sehr real. Man wird vom Regisseur natürlich dahingeführt. Das ist ja auch die Aufgabe eines Regisseurs zu erkennen, wie ein Schauspieler funktioniert und bis wohin man ihn treiben kann.

Sie haben in New York gelebt und sind wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Warum ist Ihnen Deutschland so wichtig?

Es ist meine Heimat, und Deutsch ist meine Sprache. Durch die Erfahrung in New York konnte ich der deutschen Ernsthaftigkeit entfliehen. Aber sie hat mir dann auch wieder gefehlt. In New York bin ich aber viel gelassener geworden. Und zu meinem Beruf gehört die deutsche Sprache, obwohl ich auch sehr gerne in einer anderen Sprache arbeite, zum Beispiel auf Englisch. Das macht mir viel Spaß und ist eine Bereicherung. Denn es ist schon ein Unterschied, in einer anderen Sprache zu arbeiten. Man denkt anders und bewegt sich anders.

Bühne oder Film - was reizt Sie mehr?

Das kann ich nicht genau sagen. Ich durfte sowohl im Film als auch auf der Bühne tolle Erfahrungen machen. Zum Beispiel war die "Dreigroschenoper" mit Johanna Schall eine unheimlich kraftvolle und kreative Arbeit. Ähnliches habe ich beim Film erlebt. Es kommt auf die Magie an, das Miteinander und dass sich die Leute gegenseitig respektieren und ihren Beruf lieben. Die Arbeit ist aber sehr unterschiedlich. Im Theater wird man körperlich mehr beansprucht. Nach viel Filmarbeit vermisse ich das.

Sie sind Mutter und als Schauspielerin erfolgreich. Wie schaffen Sie diese Doppelrolle?

Das frage ich mich auch. Aber es ist eine Organisationsfrage. Alles ist machbar und ich wünschte mir, dass es viel verbreiteter wäre. Kinder sind so was wundervolles. Gerade in diesem Beruf trauen sich viele nicht, Kinder zu bekommen. Es wäre schön, wenn Kinder mehr akzeptiert würden. Ich denke, mein Sohn muss nichts entbehren. Er sieht mich oft genug.

Wovor haben Sie Angst?

Ich habe vor ganz vielen Dingen Angst. Ob ich eine richtige Entscheidung treffe, ob ich meinem Kind das Richtige beibringe. Aber auch, ob ich zu dick bin?

Und Angst vor schlechter Kritik?

Die Arroganz der Kritik beängstigt mich. Wenn jemand Urteile fällt, die ihm nicht zustehen. Und Lügen machen mir Angst und das, was derzeit in der Welt geschieht. Wo werden wir in zehn Jahren sein?

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich versuche, nicht zu planen und im Jetzt zu Leben. Als nächstes werde ich ein bisschen zu Hause sein und mich um mein Kind kümmern.