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Asien

Leben im Iran unter Sanktionsbedingungen

Seit 1. Juli ist das umfassende Öl-Embargo der EU gegen Iran in Kraft. Die Handels- und Finanzsanktionen zielen auf das iranische Atomprogramm, aber unmittelbar ist die Bevölkerung betroffen.

Die Führung in Teheran musste inzwischen zugeben, dass die Sanktionen schmerzhaft sind. Präsident Ahmadinedschad sieht in den "bislang härtesten Maßnahmen" gegen den Iran eine "Chance, den Staatshaushalt von den Öleinnahmen unabhängig zu machen." Die Bevölkerung wird aufgefordert, Geduld zu zeigen und "die Staatsdiener bei ihrem Kampf gegen diese schwerwiegenden Sanktionen zu unterstützen", so Vizepräsident Reza Rahimi.

Fleischauslagen bei iranischem Metzger (Foto: IRNA)

Fleisch wird für viele zu teuer

Seit Jahresbeginn sind Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot, Milch und Fleisch stark gestiegen, gleichzeitig ist die iranische Währung im Kurswert gefallen. Derzeit kostet ein US-Dollar etwa 20.000 Rial auf dem Schwarzmarkt, vor anderthalb Jahren war es noch die Hälfte. "Die Iraner sind sich bewusst, dass die hohen Preise mit den Sanktionen zusammenhängen", berichtet ein Rentner aus der Provinz Khusistan gegenüber der DW. "Wir müssen auf teure Lebensmittel verzichten und statt Fleisch Fisch oder Hülsenfrüchte kochen, die billiger sind."

Eine iranische Bürgerin sieht sogar einen direkten Zusammenhang zwischen der internationalen Diplomatie und den gestiegenen Preisen im Iran. "Nach den ergebnislosen Atomgesprächen zwischen der Fünf-plus-eins-Gruppe und dem Iran sehen die Menschen die Wirkung sofort bei der Erhöhung der Preise, die manchmal von Stunde zu Stunde steigen."

Bürgergeld reicht nicht

Fliegende Händler am Strand der südiranische Hafen Stadt Bandar Abbas (Foto: MEHR)

Reguläre Jobs werden Mangelware. Fliegende Händler am Strand der südiranische Hafen Stadt Bandar Abbas

Der Inhaber einer Gießerei aus Teheran, der aufgrund der Wirtschaftskrise seinen Betrieb schließen musste, verzichtet auf Schuldzuweisungen ans Ausland. Er sieht die Lage realistisch: "Wenn unser Einkommen unseren Ausgaben nicht entspricht, müssen wir natürlich auf viele gewohnte Dinge verzichten. Um zu sparen, gehen viele Iraner nicht so oft wie früher einkaufen. Manche normalen Lebensmittel sind Luxuswaren geworden. Viele Restaurants, die früher immer voll waren, haben heute kaum noch Gäste."

Der Ex-Unternehmer hält das von der iranischen Regierung schon seit langem gewährte Bürgergeld, einen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten, für keine ausreichende Hilfe in der aktuellen Situation. Dazu der in Paris lehrende Wirtschaftsexperte Fereydoun Khavand: "Für die Angehörigen der Mittelschicht reicht das Bürgergeld nicht aus. Denn für diese Menschen ist der Umtauschwert relevant. Die iranische Währung hat fast die Hälfte ihres Kurswertes seit Jahresbeginn verloren. Damit hat auch das Bürgergeld fast die Hälfte seines Wertes im Vergleich zum Jahresbeginn eingebüßt."

Dollar- und Rial-Noten beim Gedlwechsler (Foto: AP)

Die Regierung ließ wissen, sie habe genügend Dollar-Vorräte angelegt

Die Bevölkerung leidet unter der Inflation und das Bürgergeld reicht nicht aus. Wie gehen die Iraner mit den hohen Preisen um? Eine Lehrerin aus Teheran sagt der DW, dass sie kaum noch Schuhe und Kleidung einkauft. "Ich kaufe nicht so oft wie früher ein, damit genug Geld für meine Kinder übrig bleibt. Sie müssen gesund ernährt werden, darauf möchte ich nämlich nicht verzichten", so die Mutter von zwei Kindern.

Bedürfnisse reduzieren

Wirtschaftsexperte Khavand beschreibt die Überlebensstrategie der Iraner so: "Die meisten Menschen müssen mehrere Jobs annehmen. Schwarzmarkt und Tauschhandel werden wichtiger. Insgesamt müssen sie ihre Lebensqualität und Bedürfnisse reduzieren, um klarzukommen."

Manche Iraner überlegen sich, ein Zusatzeinkommen zu schaffen, indem sie staatlich subventionierte Waren horten, um sie später auf dem freien Markt gegen harte Währung zu verkaufen. Eine andere Möglichkeit für diejenigen, die Geld übrig haben, ist, dieses bei privaten Geldinstituten anzulegen, die noch höhere Zinsen zahlen als die staatlichen Banken. Der Druck auf die wirtschaftlich schwache Mehrheit der Bevölkerung wächst unterdessen weiter.

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