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Wissen & Umwelt

Leben im Energiesparmodus

Faultiere sind nicht faul, sondern nur langsam: Um Energie zu sparen, verbringen sie ihr Leben hängend an der Unterseite eines Astes. Auf diese Lebensweise hat sich ihr Körper in besonderer Weise angepasst.

Faultier hängt an einem Ast (Foto: David Brandt)

Faules Faultier?

Wenn sie sich überhaupt bewegen, dann nur im Zeitlupentempo, auf der Unterseite eines Astes entlang hangelnd: Es scheint klar zu sein, woher Faultiere ihren Namen haben. Doch mit Faulheit hat ihre Lebensweise überhaupt nichts zu tun, versichern Zoologen der Universität Jena. Die Tiere packen das Leben nur besonders schlau an: Denn wer sich wenig bewegt und hauptsächlich hängt, braucht weniger energiereiche Nahrung und kann sich mit den Blättern begnügen, die ihm quasi direkt vorm Gesicht wachsen. Faultiere besetzen also eine ökologische Nische: im Energiesparmodus und auf der anderen Seite des Astes.

Hangeln wie Laufen

Forscher Nyakatura neben hängendem Faultier (Foto: privat)

Der Biologe John Nyakatura gewöhnt sein Forschungsfaultier Julius an die Kletterstange

Erstaunlicherweise bewegen sich Faultiere vom Mechanismus her nicht anders als andere Tiere auch, zum Beispiel Affen oder Raubkatzen – nur eben viel langsamer, hat der Biologe John Nyakatura von der Uni Jena herausgefunden. Dazu lockte er seine Faultiere Julius, Evita und Lisa auf eine motorbetriebene Kletterstange zwischen zwei Käfigen, ließ sie dort wie auf einem Laufband entlanghangeln und filmte sie dabei mit einer Röntgenvideoanlage. So schaute er sich ihr Skelett während der Fortbewegung an. "Ihre Beinstellung und die Beugung der Gelenke entspricht exakt denen anderer Säugetiere beim Laufen", erklärt Nyakatura.

Faultierskelett hängt an einer Kletterstange (Foto: John Nyakatura/FSU)

Mit einer Röntgenvideokamera haben Forscher das Skelett eines Faultiers beim Hangeln beobachtet

Vielmehr seien bei Faultieren einige Muskeln verändert – vor allem die Muskeln, die beim Mensch und anderen Säugetieren gegen die Schwerkraft kämpfen. "Während es für uns sehr anstrengend ist, stundenlang umgekehrt am Ast zu hängen, kostet es Faultiere praktisch keine Energie", erläutert John Nyakatura. Beispielsweise ziehe der Brustmuskel beim Menschen vom Brustbein zum Oberarm – bei Faultieren hingegen bis zum Handgelenk. "Dadurch ist der Arm wie in einer Muskelschlinge aufgespannt und sie brauchen keine zusätzliche Kraft, um sich in dieser gebeugten Armhaltung am Ast festzuhalten", so der Biologe.

Auf stabile Äste angewiesen

Dummerweise haben sich Faultiere so gut auf das langsame Gehangele angepasst, dass sie auch dann nicht mehr schnell reagieren können, wenn mal Not am Mann ist – beispielsweise wenn der Ast, an dem sie hängen, abbricht. Kurzerhand auf einen sicheren Teil des Baums zu springen ist ihnen nicht möglich – das Faultier würde mit dem Ast in die Tiefe stürzen. Umso wichtiger ist den Tieren eine vorherige Sicherheitsprüfung: "Wir haben das sehr häufig bei unseren Experimenten erlebt, dass sie mit der Nase erst mal testen, ob ein Ast vertrauenswürdig ist. Erst wenn sie sich dessen sicher sind, betreten sie ihn auch", sagt Nyakatura. Wenn Faultiere dann doch mal eine Wegstrecke auf dem Boden zurücklegen müssen - etwa, um den Baum zu wechseln - sieht das recht unbeholfen aus: Sie ziehen sich auf dem Bauch liegend mit den Händen vorwärts. Das Leben auf der anderen Seite des Astes fordert eben seinen Tribut.

Faultiere sind baumbewohnende Säugetiere, die in Mittel- und Südamerika leben. Sie sind verwandt mit den Ameisenbären und den Gürteltieren und werden über einen halben Meter groß.

Autorin: Brigitte Osterath

Redaktion: Judith Hartl

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