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Top-Thema – Podcast

Leben im Arbeitslager

Kim Hye-sook lebte mehr als die Hälfte ihres Lebens in einem nordkoreanischen Arbeitslager, weil ihr Großvater aus dem Land flüchtete. Heute klärt sie die Menschen über Nordkoreas Politik auf.

13 Jahre war Kim Hye-sook alt, als sie in ein nordkoreanisches Arbeitslager gebracht wurde. Ihre Eltern waren bereits fünf Jahre zuvor ins Lager gekommen. Als sie siebzehn war, starb ihre Mutter, ihr Vater lebte schon bei der Ankunft nicht mehr. Weder sie noch ihre Familie wussten, warum sie im Lager waren. Erst nach ihrer Freilassung mit über 40 Jahren erfuhr sie, warum sie bestraft wurde: Ihr Großvater war nach Südkorea geflohen.

28 Jahre lang musste Kim Hye-sook in einem Kohlebergwerk arbeiten. Die Männer bauten die Kohle ab, während die Frauen die tonnenschweren Waggons schieben mussten. 2001 wurde Kim Hye-sook entlassen. Damals kamen bei einer Amnestie aufgrund des Geburtstages von Kim Jong-II mehrere tausend Gefangene frei. Hye-sook beschloss, das Land zu verlassen. Nach einem gescheiterten Versuch gelang ihr schließlich die Flucht.

Heute ist Frau Kim eine zierliche Dame in den Fünfzigern. Ihre Hände sind gepflegt – die Jahre der schweren Arbeit sieht man ihr nicht mehr an. Doch ihre Stimme stockt noch heute, wenn sie von ihren Erfahrungen berichtet. Kim Hye-sook stellte vor allem fest, dass die meisten Menschen in Südkorea und im Westen nur wenig über die politischen Verhältnisse in Nordkorea wissen. "Da habe ich mich entschlossen zu reden, um so dazu beizutragen, dass die Diktatur irgendwann endet", sagt sie.

Wie viele Menschen heute noch in nordkoreanischen Arbeitslagern sitzen, ist unbekannt. Ha Tae-keung von "Open Radio for North Korea" geht aber davon aus, dass es in jeder größeren Stadt so ein Lager gibt. Insgesamt sollen es über dreißig sein. Bei Kim Hye-sook hat die lange Haft nicht nur in ihrer Seele Spuren hinterlassen. Vor Kurzem stellte man bei ihr Lungenkrebs fest, der vermutlich durch die jahrelange Arbeit im Kohlebergwerk entstanden ist.

Glossar

Arbeitslager, das – eine Art Gefängnis; ein Gebiet, das von einem Zaun begrenzt wird und in dem die Menschen zur Arbeit gezwungen werden

jemanden über etwas aufklären – jemandem sagen, wie etwas in Wahrheit ist oder war

zuvor – vorher

Freilassung, die – das Beenden einer Gefängnisstrafe; das Wiedergeben der Freiheit

Kohlebergwerk, das – eine technische Anlage zum → Abbauen von Kohle

etwas abbauen – hier: Rohstoffe wie z. B. Kohle, Salz oder Silber aus der Erde holen

tonnenschwer – sehr schwer

Waggon, der – ein Wagen, der auf Schienen gezogen oder geschoben wird

jemanden entlassen – hier: jemanden aus einem Gefängnis lassen

Amnestie, die – die → Freilassung einer Gruppe von Gefangenen aus bestimmten Gründen

etwas ist gescheitert – etwas hat nicht geklappt

zierlich – schlank; klein; mit einem schmalen Körper

in den Fünfzigern – hier: zwischen 51 und 59 Jahre alt

gepflegt – so, dass jemand ein ordentliches Aussehen hat

etwas stockt – etwas steht kurz still; etwas bleibt für kurze Zeit stehen

von etwas ausgehen – von etwas überzeugt sein, ohne es selbst gesehen oder erfahren zu haben

etwas hat Spuren bei jemandem hinterlassen – etwas (ein Ereignis) hat negative Folgen für den psychischen Zustand eines Menschen

Lungenkrebs, der – eine sehr schwere Krankheit der Lunge

Fragen zum Text

1. Kim Hye-sook wurde in ein Arbeitslager gesperrt, weil …

a) sie gegen die nordkoreanische Regierung demonstriert hat.

b) ihr Großvater aus Nordkorea geflohen ist.

c) sie ein Verbrechen begangen hat.

2. Kim Hye-sook sagt, dass die Menschen im Westen …

a) gerne nach Nordkorea fahren.

b) sich nicht für Nordkorea interessieren.

c) wenig über die Politik Nordkoreas wissen.

3. In jeder größeren Stadt Nordkoreas …

a) soll es Arbeitslager geben.

b) werden Menschen aus Lagern entlassen.

c) spricht Kim Hye-sook über die Politik Nordkoreas.

4. Klappt die Flucht aus einem Land nicht, ist sie …

a) gestockt.

b) entlassen.

c) gescheitert.

5. Welcher Satz bedeutet nicht "Sie kannte den Grund für die Strafe nicht."

a) Sie wusste nicht, wie sie bestraft wurde.

b) Sie wusste nicht, wofür sie bestraft wurde.

c) Sie wusste nicht, warum sie bestraft wurde.

Arbeitsauftrag

Bitte ergänzen Sie die Lücken.

Familie – Nordkorea – Arbeitslager – Großvater – Südkorea – entlassen – Geschichte – Westen

28 Jahre ihres Lebens verbrachte Kim Hye-sook in einem _________. Auch der Rest ihrer _________ wurde eingesperrt. Der Grund: Kims _________ war nach _________ geflohen. Erst 2001 wurde Hye-sook aus dem Lager _________. Seitdem erzählt sie ihre _________, weil viele Menschen im _________ nicht viel über _________ wissen.

Autor: Mathias Bölinger/Lukas Völkel

Redaktion: Ingo Pickel

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