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Afrika

Leben als Blinde in Kigali

Ein blindes Paar, das in Ruandas Hauptstadt ein ganz normales Leben führt - für viele grenzt das an ein Wunder. Nun wollen die beiden Vorurteile abbauen und die Chancen für Blinde in ihrem Land verbessern.

Jean-Pierre Munyankiko und Venancie Mukanziza wohnen in Ruandas Hauptstadt Kigali. Beide sind blind. Ansonsten unterscheidet sich ihr Leben nicht von dem vieler anderer Paare in Ruanda. Munyankiko und Mukanziza führen eine glückliche Ehe, sie haben zwei Kinder. "Ich bin sehend zur Welt gekommen", sagt Jean-Pierre Munyankiko im Gespräch mit der DW. "Aber meine Eltern erklärten mir, dass ich als kleines Kind an Masern erkrankt bin. Daran bin ich erblindet." Der Verlust des Augenlichts hinderte Munyankiko nicht daran, sich hohe Ziele zu stecken: Er wollte studieren, Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

Straße im Zentrum von Ruandas Hauptstadt Kigali aus der Vogelperspektive (Foto: cc-by-sa/SteveRwanda)

Die Familie lebt in Ruandas Hauptstadt Kigali

In Ruanda gibt es nicht viele Schulen speziell für Blinde. Der junge Jean-Pierre besuchte eine Spezialschule für Menschen mit Behinderung im Süden Ruandas, in der Nähe von Butare. Dort traf er auf Venancie Mukanziza - auch sie war blind. Aus der Freundschaft wurde Liebe und im Jahr 2002 heirateten die beiden. Heute lebt das Paar in Kigali. Ihre Kinder können sehen, sie sind sieben und neun Jahre alt. Die Eltern sind beide berufstätig.

Ein ganz normales Leben

Wie kann ein blindes Paar den Alltag meistern - noch dazu mit Familie? Für Jean-Pierre Munyankiko ist das keine Frage. "Auch, wenn ich nicht wie andere Menschen mit den Augen sehe: ich kann mein Herz benutzen, um zu sehen. Ich bin ein normaler Mensch, ich lebe wie gewöhnliche Menschen und ich kann Dinge tun, die gewöhnliche Menschen tun können." Wie zur Bestätigung lässt sich Munyankiko eine Nummer geben und speichert sie in seinem Handy ein. Später findet er sie im Adressbuch. Zur Arbeit benutzt das Paar herkömmliche Computer, mit denen die beiden dank akustischer Eingabehilfen arbeiten können. Eine Stimme sagt ihnen, welche Buchstaben sie tippen - danach können sie sich das Ergebnis ihrer Arbeit vorlesen lassen.

Der Familie geht es gut. Venancie Mukanziza ist Pädagogin und arbeitet in der nationalen Bildungskommission. Ihr Mann ist Physiotherapeut. Die Parzelle, die sie in Kigali bewohnen, gehört ihnen. Und ihre Kinder gehen auf eine der renommierten Schulen der Stadt. Doch all das bewahrt sie nicht vor der Stigmatisierung, die Blinde oft erfahren. So berichtet Venancie Mukanziza bedauernd: "Das ist ein großes Problem: Noch heute gibt unser Erfolg vielen Menschen Rätsel auf. Noch heute scheinen viele Menschen nicht glauben zu können, dass Sehgeschädigte einen klaren Verstand haben."

Mit gutem Beispiel voran

Die beiden wissen, dass sie Chancen hatten, die anderen verwehrt blieben. "Uns geht es verhältnismäßig gut - dank unserer Arbeit", betont Munyankiko. "Aber wie leben andere Blinde in Ruanda? Viele sind aufs Betteln angewiesen. Es ist traurig!" An diesen Zuständen etwas zu ändern - das ist die Vision der beiden. Das Ehepaar hat vor, einen Verein für blinde Menschen zu gründen. Menschen, die nicht das Glück hatten zu studieren, wollen sie so neue Möglichkeiten eröffnen. Jean-Pierre Munyankiko formuliert das so: "Mein Traum ist, eines Tages zu erleben, dass Blinde ein selbstständiges Leben führen können. Ich möchte erleben, dass sie ihre eigenen Unternehmen eröffnen, um ihr Leben in die Hand zu nehmen."

Seine Familie geht mit gutem Beispiel voran. Auch die Nachbarn in Kigalis Stadtviertel Kimironko kennen und schätzen sie. Eine Nachbarin macht keinen Hehl aus ihrer Bewunderung: "Es ist erstaunlich zu sehen, wie andere Menschen, die ohne Behinderung sind, im Leben nicht zurechtkommen. Aber diese zwei Blinden sind erfolgreich. Von ihnen habe ich gelernt: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg."

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